Was haben die sich wohl dabei gedacht?

Dieses und mehr erfährt man zum Theaterfrühstück – diesmal zum „Process“

Das Theaterfrühstück jeweils am Sonntag vor einer Premiere im Großen Haus ist seit über drei Jahren eine gute Tradition am Theater Heilbronn. Immer mehr Theaterfreunde nutzen dieses Angebot, sich bei Kaffee, Sekt und frischen Brötchen auf unterhaltsame Weise erzählen zu lassen, was sich das Regieteam bei der jeweiligen Inszenierung so gedacht hat. Diesmal ging es um den „Process“, Franz Kafkas fantastisch-faszinierenden, wundersamen Roman, der am 26. November als Theaterstück  Premiere hat. Axel Vornam, der Intendant des Hauses, führt Regie. Christian Marten-Molnár betreut diese Inszenierung als Dramaturg und Tom Musch ist für Bühne und Kostüme verantwortlich. Keinem der drei konnte man anmerken, dass sie am Abend vorher bis tief in die Nacht hinein geprobt haben. Da fand nämlich die sogenannte Komplettprobe statt. Jene aufregendste Probe im Inszenierungsprozess, bei der zum ersten Mal alle Elemente zusammenkommen. Die Schauspieler sind in Maske und Kostüm. Alle Lichtstimmungen und  Toneinsätze werden zum ersten Mal gefahren. Kostümumzüge, Masken- und Perückenwechsel, alle Einsätze der Technik  hinter den Kulissen müssen klappen. Die Aufregung bei allen Beteiligten vor so einer Komplettprobe ist fast mit den Händen zu greifen.  Diese Probe ist im Fall des „Process“ auch ein Test für die Schauspieler, wie sie sich diesen Abend kräftemäßig einteilen. Besonders für Sebastian Weiss, den Darsteller des Josef K., der  in dieser Inszenierung nicht eine Minute von der Bühne kommen wird.

Die Komplettprobe lief gut. Dementsprechend gut gelaunt plauderten die drei Herren zum Theaterfrühstück über ihre Herangehensweise an Kafkas Text. Da das Schreiben für Kafka ein Versuch war, sein von Ängsten geprägtes Leben zu bewältigen, entschied sich das Inszenierungsteam, diese Geschichte wie einen Albtraum zu inszenieren. Einen Zustand zwischen Wachsein und Schlafen zu erzeugen, bei dem die Bilder ihre klaren Konturen verlieren und ins  Aberwitzige oder Monströse verschwimmen. Dementsprechend hat Peggy Mädler eine Bühnenfassung des Textes entwickelt, der sich zwar zu 100 Prozent an Kafkas „Process“ anlehnt, ihn aber verknappt und verschlankt. Alle großen Szenen des Romans sind darin enthalten.  Die Bühne wird von einem 144 Quadratmeter großen, mehrere Tonnen schweren Plafond überdacht, der ganz viel Überraschendes kann, wie Tom Musch verrät. Die Kostüme und die extremen Schminkmasken werden mit Hilfe des Lichts an die Stummfilmästhetik oder an expressionistische Filme erinnern. Eine Besonderheit, über die Axel Vornam sich besonders freut, ist die Musik. „Ich habe, während ich in meinem Kopf die Bilder der Inszenierung entwickelt habe, in Gedanken immer so merkwürdige Töne gehört. Und dann bin ich durch Zufall auf ein Instrument gestoßen, das genau diese Klänge erzeugt, die Glasharmonika. Das war natürlich unser Instrument.“  Das Publikum beim Theaterfrühstück durfte schon mal  eintauchen in diese schaurig, schöne Klangwelt.

Dass das Interesse an diesem Stück groß ist, zeigte nicht nur die Besucherzahl beim Theaterfrühstück sondern auch der Vorverkauf für die Vorstellungen. Für die ersten Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten.

Silke Zschäckel, Pressereferentin

26.11.2011 (Restkarten)
30.11.2011 (Restkarten)
02.12.2011 (Restkarten)
07.12.2011 (Restkarten)
11.12.2011
15.12.2011 (Restkarten)
28.12.2011

Der Process
Foto: Fotostudio M42

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