Singing in the rain

»Eine Sommernacht« in den Kammerspielen

Stell dir vor, es ist Mittsommer und es regnet ununterbrochen. Nun ist Schottland, genauer gesagt Edinburgh, nicht gerade als Stadt mit den meisten Sonnenstunden bekannt, aber dass der Regen gar nicht mehr aufhören möchte vom Himmel zu fallen, scheint in diesen besonderen Sommertagen doch ungewöhnlich. Helena und Bob, die beiden Hauptfiguren der »Sommernacht«, haben jedoch ganz andere Sorgen. Die erfolgreiche Scheidungsanwältin, ganz Parfum und Contenance, wird am Freitagabend in einer Weinbar gerade von ihrem verheirateten Liebhaber sitzen gelassen, während der mittelmäßige Kleinkriminelle – völlig verspannt, feindselige Ausstrahlung – in eben jener Bar auf seinen nächsten Auftrag wartet. Beide sind 35 Jahre alt und beide sind sich einig, dass die Nacht nicht mehr viel für sie bereithält. Obwohl Bob so gar nicht in Helenas Beuteschema passt, landen die beiden in ihrem Bett. Nach viel Alkohol und einem eher ernüchternden denn betäubenden One-Night-Stand schickt Helena Bob zurück in die regnerische Nacht. Schließlich ist er aber auch so wirklich überhaupt nicht ihr Typ! Eigentlich Ende der Geschichte, wenn man sich nicht schon am Samstagmorgen und ein paar Wochenendpannen später zufällig wiederbegegnen würde: Helena, die mit einem peinlichen Auftritt die Hochzeit ihrer Schwester ruinierte und nun im ramponierten Brautjungfernkleid auf der Kirchentreppe hockt. Und Bob, der mit 15.000 Pfund, die er bei einem Deal für seinen Chef kassiert hat, irgendwo Zuflucht sucht, da er es nicht mehr rechtzeitig zur Bank geschafft hat. Das ungeplante Wiedersehen ist der Beginn einer schräg-magischen Mittsommernacht, in der das gesamte Geld auf den Kopf gehauen wird. Es ist die Nacht, in der Bob die Gitarre seiner Träume kauft und sich die zwei Mittdreißiger in einem Bondage Club die eigenen Wünsche, Erinnerungen und Geheimnisse preisgeben, von denen der eine oder die andere vielleicht selbst nichts wusste – oder wissen wollte. Und vielleicht, aber nur vielleicht, ist der letzte gemeinsame Spaziergang am Sonntagnachmittag dieses abenteuerlichen Wochenendes der erste Schritt in eine wunderbare Liebesgeschichte des 21. Jahrhunderts. Der Montagmorgen wird es zeigen …

Der Schotte David Greig kreierte einen rasanten Text über zwei Menschen, die so gar nicht zusammenpassen (wollen). Greig selbst sagt über sein Stück es sei keine »herzzerreißende Geschichte über wahre Liebe, sondern das Chaos zweier komplizierter Menschen mittleren Alters« und sei demnach »eine Liebesgeschichte, nur eben über ganz normale Leute«.

In Szene setzt das »Stück mit Musik«, wie »Eine Sommernacht« im Untertitel heißt, die Regisseurin Martina Eitner-Acheampong, die in der Spielzeit 2008/2009 am Theater Heilbronn bereits die Komödie »39 Stufen« inszenierte. Musikalisch wird der Abend vom Heidelberger Produzenten und Komponisten Johannes Bartmes arrangiert. Live-Musik mit traditionell jazzigem Setting aus Klavier und Schlagzeug lassen einen clubbigen Dance-Floor-Soundtrack entstehen, der nicht zuletzt – neben regnerischer Romantik und geheimnisvoller Sehnsucht – auch den Party-Charakter dieses einmaligen Mittsommerwochenendes unterstreicht. Dazu singen Judith Lilly Raab und Raik Singer Songs über großes Gefühlschaos, den Kater danach, Fesselspiele und wenige Zentimeter, die zwischen zwei Menschen liegen, die zusammengehören.

Stefanie Symmank, Dramaturgin

(Fotos: Fotostudio M42)

Nächste Spieltermine:
Sa. 22.09.2012 20.00 – 21.30 Uhr
So. 30.09.2012 20.00 – 21.30 Uhr
Do. 11.10.2012 20.00 – 21.30 Uhr
Sa. 20.10.2012 20.00 – 21.30 Uhr
Mi. 31.10.2012 20.00 – 21.30 Uhr

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