„Zwei Standpunkte, beide berechtigt“

Über die Konzeptionsprobe zum Probenstart von „Minsk“ (UA)

Minsk

Ein Probenstart löst immer ein Kribbeln aus, eine Anspannung, weil etwas Neues beginnt und noch keiner ein klares Gefühl dafür hat, wie die Zusammenarbeit in den nächsten Wochen sein wird. Besonders aufregend ist es, wenn es sich um eine Oper handelt, die noch nie zuvor gehört wurde, wie am Montagabend auf der Probebühne im Kellergeschoss des Theaters Heilbronn.

Nach und nach füllt sich der Raum, bis die Beteiligten versammelt sind. Intendant Axel Vornam eröffnet die Produktion persönlich und stellt zunächst alle im Raum vor: Dr. Christoph Becher (Intendanten des Württembergischen Kammerorchesters), den musikalischen Leiter Ruben Gazarian, Regisseur Christian Marten-Molnár, Ausstatter Nikolaus Porz, die drei Sänger, Ksenija Lukic (Anna), Johanna Greulich (Anoushka) und Niklas Romer (Fyodor) und Judith Heinrich (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim WKO), die Leiter der Gewerke des Theaters (Bühne, Ton, Licht, Schneiderei, Maske, Requisite), die Pressereferentin des Hauses, Regieassistentin Lara Schüssler und nicht zuletzt die Damen und Herren, die als Statisten bei „Minsk“ mitwirken werden. Alle Genannten beschäftigen sich schon mehr oder weniger lange mit der Oper „Minsk“. Das, was morgen beginnen wird, sind die szenischen Proben. Für Gewerke, Sänger, Statisten und Pressereferentin geht es heute darum, einen Gesamtüberblick über das Konzept der Inszenierung zu bekommen. Christian Marten-Molnár schildert seinen Sicht auf das Stück und seine Vorhaben bei der Umsetzung. Mühelos ruft er komplexe Gedankengänge, die er in den vergangenen Monaten beim Studieren von Libretto, Klavierauszug und Partitur aufgebaut hat, und viele Details ab. Er ist ein Experte, der Zuhörer in seinen Bann schlagen kann. „Minsk“, eine Erzählung, die sich kreisförmig bewegt, nicht linear, eine Reise ins Innere, die zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehrt, drehe sich um eine Entscheidung, die die Hauptperson Anna einmal getroffen hat und die sie nun bereut. Als sie Minsk verließ, ließ sie Dinge zurück, die sie nicht ersetzen konnte – ihre innere Stärke, ihre Liebe, den Ort, dem sie sich zugehörig fühlt. In London fühle sie sich fremd. Sie sei nicht angekommen in dem neuen Leben, zwischen Wohnung und Arbeit hin- und herpendelnd, ohne wirkliches Zentrum. Anoushka, wie die zwanzigjährige Anna von allen genannt wird, begegnet Anna im Traum und beharrt darauf, dass sie Minsk verlassen müsse, egal wohin.  Die Auseinandersetzung zwischen Anna und Anoushka sei Herzstück der Oper, macht Marten-Molnár deutlich. Am Ende seien da zwei Standpunkte, die jeweils zu ihrer Zeit ihre Berechtigung haben.

Ausstatter Nikolaus Porz beschreibt, dass er für Annas Gang im Traum von London nach Minsk und zurück als Bühnenbild zwei urbane Ansichten geschaffen habe, beide „kalt“, die eine glatt, bunt, glänzend, die andere grau, trist, aus verwittertem Beton, aus der die rostigen Stahlarmierungen hevorbrechen und erläutert anhand der Figurinen, wie er eine Menschenmasse, in der der Einzelne schwer fassbar werde, zeigen will.

Dramaturg Johannes Frohnsdorf berichtet über Komponist Ian Wilson, über dessen vielfältiges, stilistisch nicht festlegbares Werk – Wilson gehe an jede Partitur neu heran und entwickle eine musikalische Sprache – und Frohnsdorf gibt AUskunft über Librettistin Lavinia Greenlaw. Im Zentrum von Greenlaws Arbeit stehe die Lyrik. Sie verbinde den subjektiven Blick der Wahrnehmung mit großen Wissensystemen wie Medizin, Geographie, Astronomie, etc. Mit einfachen Mitteln bringe sie ihre Texte zum Klingen und die Bedeutung darin zum Schweben, nicht festlegbar, in Unruhe.

Fast zwei Stunden dauert die Konzeptionsprobe. Es ist viel über Komponist Ian Wilson und Librettistin Lavinia Greenlaw zu erfahren. Doch die Zeit sitzt den Besuchern der Probe ein bisschen im Nacken. Sie müssen in die Alte Kelter, zur Konzeptionsprobe des Musicals „Das Appartement“…

 Lesen Sie mehr über Ian Wilson und Lavinia Greenlaw in einem unserer nächsten Blogbeiträge.


Johannes Frohnsdorf

 

Der erste Kultur-Tweetup eines Stadttheaters in Deutschland findet am Sa, dem 16.02.2013, um 9:45 Uhr zu einer Probe der Oper Minsk (UA) im Großen Haus des Theaters Heilbronn statt! Anmeldung an @theat_heilbronn oder @KultUp auf twitter oder an schroeder@theater-hn.de
Wer auf Twitter dem Hashtag #kultup folgt, wird bereits ab dem 21.01.2013 mit Neuigkeiten versorgt, kann am Veranstaltungstag so den Tweetup verfolgen und sich auch aktiv ins Gespräch einbringen. Wer selbst keinen Twitter-Account besitzt, kann die Tweets über die Twitterwall verfolgen: http://kultup.tweetwally.com


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