Vor dem großen Auftritt …

Gated Community 1

Die Generalprobe  08.05.13

„In 2 Stunden möchte ich euch wieder sehen“, sprach unsere Choreographin Nadja am Tage der Generalprobe und man merkt auch ihr sowie dem ganzen Team die Spannung deutlich an. Es war ein Gefühl der Freude, aber auch für manche von uns ein Gefühl von Angst etwas falsch zu machen. Zwanzig bis  Dreißig Personen waren angemeldet und jeder wusste, jetzt ist es soweit. Alle waren hoch konzentriert denn jeder wollte alles richtig machen, aber dann… „STOP alles zurück, die Sicherung is rausgeflogen.“ Der Puls stieg auf 200, aber dann ging es los, endlich. Es war der Hammer, die Generalprobe vor Zuschauern, Bühnenlicht und mit einem geilen Team. Jeder war erleichtert und der Applaus am Ende war der Beweis für eine gute Leistung. Jetzt war klar, wir haben Blut geleckt und sind heiß auf die Premiere vor ca 160 Zuschauern hier in der JVA Heilbronn am 09.Mai 2013.

Gated Community 13

Die Premiere  09.05.13

15:15 Uhr, ein Gefangener vom Team hat für uns eine Torte gemacht, die die Spannung lindern soll und ja, es war köstlich.
15:45 Uhr ging es ins  Warm-up mit leichten Bewegungsübungen zum Aufwärmen. Jeder ging nochmals seinen Ablauf durch, während sich die Halle so langsam endgültig gefüllt hatte. Der Start war zum Greifen nahe, jetzt nur noch 6 Minuten Ruhe und entspannen aber dann heißt es 120% Leistung geben, Zähne zusammen beißen und los geht’s! Punkt für Punkt und Schritt für Schritt ließen wir auf der Bühne ein Feuerwerk los aus Dramatik, Spannung, Action und Intensität, sodass die Zuschauer wie gefesselt in unseren Bann gezogen wurden. Applaus während der Show sowie gefühlte 5 Stunden am Ende der  Show waren der Preis für eine unbeschreibliche und unvergessliche Vorstellung. Die Zuschauer hat es nicht mehr auf den Sitzen gehalten, es gab Standing Ovations für alle von uns und wir konnten spüren wie 160 Personen mit den Tränen zu kämpfen hatten. Alles was wir an Applaus bekamen, gaben wir weiter an Nadja und deren Team für eine so tolle und faszinierende Leistung. Man konnte dieses Feuerwerk der Gefühle mit Sicherheit noch 20 Kilometer um die JVA spüren und erkennen, es war als würde die Welt um uns herum zu stehen beginnen, damit uns jeder sehen kann. Nach der Show gab es eine Gesprächsrunde wo die Zuschauer Fragen zu diesem Projekt stellen konnten und als ich persönlich merkte, dass auch 10 min nach der Aufführung einige Zuschauer den Tränen nahe sind, hatte auch ich Tränen in der Augen, denn es war so bezaubernd.
Jetzt haben wir noch einen Auftritt am 11.Mai 2013 und auch dort werden wir wie in der Premiere die Bühne rocken und alle Rekorde brechen, sodass uns niemand mehr vergessen will, denn wir sind das einzige und wahre Original der „Gated Community“.
Das Fazit aus 4 Wochen hartem Training ist unbeschreiblich, aber vor allem kann jeder einzelne von uns etwas für seine Zukunft mitnehmen und das ist mit das Wertvollste dieses Projektes. Im Namen von uns Häftlingen darf ich mich schon jetzt bei allen bedanken die uns unterstützt und zugeschaut haben, aber ein ganz besonderer Dank gilt  vor allem Nadja, Lionel, Selina, Verena, Marion, so wie dem Theater Heilbronn. Ein Dank gilt auch deren, die meine Blogs zu diesem Projekt verfolgt haben.
Wenn ich es mir aussuchen könnte, sollte diese Zeit echt niemals enden, denn es war echt so wunderschön und uns zerreist es schon jetzt bei dem Gedanken, dass das Ende nahe ist.
Zum Abschluss möchte ich mehrmals Danke sagen und hoffe, dass alle die unseren Auftritt verfolgt haben in Zukunft wissen, dass auch Häftlinge nur Menschen sind und ein Herz haben. Für alle von uns war dies eine große Lebenserfahrung die hoffentlich alle verändert hat.
Das gesamte Gated Communtity Team verabschiedet sich dankend und wünscht allen nur das Beste.

Euer Sascha
Gefangener

2 Comments
  1. Hallo Sascha,

    ein beeindruckender und schöner Bericht, aber bedanken Sie sich doch bitte nicht so oft! Einfach mitnehmen, was sich bietet!
    Das Leben ist grausam (ich weiß nicht ob der Song von den Prinzen oder von den Ärzten ist, ich bin da trottelig, aber die Aussage stimmt).
    Vor allem ist das Leben ungerecht. Auch wenn mensch dafür in den Knast gehen muss um das zu lernen: Ihnen steht die Zukunft offen.
    Ich bin ziemlich sicher, ich hoffe es und wünsche es sehr, dass Sie Ihre „Lektion“ gelernt haben. Und noch etwas: Ich bin schon „etwas älter“ als Sie und kann Ihnen aus Erfahrung mitteilen: Wer keine Fehler macht, kann sich gleich ins Grab legen.
    Ich mache ständig Fehler und häufig kann ich darüber lachen (und hoffen den Fehler nicht zu wiederholen). Manche Fehler sind auch übel. Da muss ich mich für ein blöd gelaufenes Telefonat entschuldigen oder eine miese mail. Oder dafür, dass ich bei meiner Arbeitsstelle Unsinn gemacht habe.

    Mit freundlichen Grüßen

    Beate Kuboth-Asbach

    • Liebe Frau Kuboth-Asbach,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre ermutigenden Worte für Sascha. Wir leiten den Kommentar gern an Sascha weiter, der im Gefängnis keinen direkten Internetzugang hat.
      Viele Grüße aus dem Theater

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