Bild im Kopf – Über Tricks in der Theaterfotografie

Kooperation mit Schule für Gestaltung des Kolping-Bildungszentrums Heilbronn

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Leise schleicht er durch die ersten beiden Reihen des Zuschauerraums. Von rechts nach links und wieder von links nach rechts. Ab und zu verweilt er kurz, wartet auf den richtigen Moment und klick. Er ist unauffällig angezogen. Am liebsten wäre er jedoch unsichtbar, um das Geschehen auf der Bühne nicht zu stören. Und wieder Klick, das Foto ist im Kasten. Wer er ist? So beschreibt Thomas Braun, der als freier Fotograf mittlerweile die zweite Spielzeit am Theater digital festhält, seinen Beruf als Theaterfotograf.

Mit seinem Arbeitsfeld beschäftigen sich Schüler der Schule für Gestaltung des Kolping-Bildungszentrums Heilbronn bei einer Besprechung eigener Theateraufnahmen mit Thomas und Silke Zschäckel, der Pressereferentin des Theaters. Seit vielen Jahren kooperiert das Theater Heilbronn mit der Schule. Während der Fotoprobe eines ausgewählten Stückes können sich die Schüler der Klasse für Foto- und Medientechnik in Theaterfotografie ausprobieren. Dieses Jahr besuchten und fotografierten sie ein besonders anspruchsvolles und bildgewaltiges Stück im großen Haus: „Der Auftrag“ von Heiner Müller.

Als die Fotos mit einem Beamer an die weiße Wand des Klassenraumes projiziert werden, ernten die Schüler Lob von Silke und Thomas. Sie kommentieren die Werke aus unterschiedlichen Blinkwinkeln. Für die Pressereferentin ist es bei der Auswahl der Pressefotos wichtig, dass alle Hauptdarsteller auf dem Bild sind und dass auf dem Bild die Situation, die sich gerade auf der Bühne abspielt, deutlich wird. Es soll keine statische Aufnahme sein, sondern dynamisch und auch mit „Action“. Schließlich soll sie nicht nur ansprechen, sondern auch neugierig auf die Vorstellung machen. „Die Fotos auf unseren Theaterbannern und in den Medien entscheiden mit darüber, ob die Leute nachher ins Theater gehen oder nicht“, meint Silke. Bei der Beurteilung der Schülerfotos zählen jedoch andere Aspekte: Der besondere Blick, den die Schüler haben.

Manche der Bilder der Schüler haben eine besonders schöne Aufteilung oder fangen die Darsteller in einer für das Stück wichtigen Szene ein. Schwierig an der Theaterfotografie ist, dass eine Szene nicht noch einmal wieder kommt. Um wichtige Momente nicht zu verpassen, gibt Thomas den Schülern Tipps: „Versucht das Bild, das ihr machen wollt, vorher im Kopf zu haben. Folgt der Handlung um Höhepunkte mitzubekommen.“ Auch für die schwierigen Lichtverhältnisse im Theater hat er einen Kniff auf Lager: „Mit dem Licht was auf der Bühne ist, müsst ihr auskommen. Seid variabel mit eurem Standort, dadurch könnt ihr andere Lichtverhältnisse reinbekommen.“ Generell empfiehlt er, vor der Fotoprobe mit Dramaturg, Regie und Technik zu sprechen. So weiß man über besondere Lichteinstellung, Bühnenaufgänge und -abgänge und Höhepunkte des Stückes Bescheid.

Die Theaterfotografie ist keine rein dokumentarische Arbeit. Sie erfordert viel Sensibilität, Aufmerksamkeit und Geduld, um das Besondere aus einer Inszenierung herauszukitzeln und deren Ton zu treffen. „Wichtig ist, dass jeder bei sich selbst bleibt und sich nicht neu erfindet“, fasst Thomas zusammen. Das ist auch das Spannende an der Kooperation mit den Schülern. Mit ihren Bildern werfen sie einen ganz besonderen Blick auf die Inszenierung. Im Theater sind alle schon gespannt auf deren Fotografien.

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Gerne würde Ayleen Kern ihre Texte vor dem Schreiben auch im Kopf haben. Die 21-jährige studiert Medienwissenschaften und Rhetorik in Tübingen. Für vier Wochen ist sie Praktikantin der Presse und Öffentlichkeitsarbeit am Theater Heilbronn.
Fotos: Diana Gilgenberg, Elena Gighashvili, Kim Falkner, Julia Winkler, Lorena Köhler, Anastasia Wirth

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