Frech, frecher, Sams

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Zwischen dem ersten Sams-Buch „Eine Woche voller Samstage“ und heute liegen nunmehr 43 Jahre. Doch das Sams denkt nicht daran aufzuhören, Frau Rotkohl und seinen „Vater“, Herr Taschenbier, auf seine freche Art und Weise auf die Palme zu bringen.

Es ist eine Fantasiefigur, die aus der Feder des Autors Paul Maar stammt. Paul Maar ist inzwischen 78 Jahre alt und dachte schon daran, seine Sams-Reihe nicht mehr fortzuführen. Doch viele seiner kleinen und großen Fans wollten wissen, wie sich so zwei unterschiedliche Charaktere wie Frau Rotkohl und Herr Taschenbier zu einem Liebespaar verbinden können. Aus diesem Grund heraus entstand „Ein Sams zu viel“, das 2015 erschien. Es spielt zwischen „Eine Woche voller Samstage“ und am „Samstag kam das Sams zurück“ aus dem Jahr 1980. Es handelt davon, dass Herr Taschenbier aus Unachtsamkeit Frau Rotkohl ein Sams herbeiwünscht. Wir kennen das: Samse haben keine Sommersprossen, sondern Wunschpunkte. Wenn sich Herr Taschenbier etwas wünscht, verschwindet ein Wunschpunkt aus dem Gesicht des Sams.

Aus dieser Vorgeschichte las der Autor Paul Maar am 29. April im Rahmen der 22. Kinder- und Jugendliteraturtage in der BOXX. Die Lesung war restlos ausverkauft und man sah den Kindern schon vor Beginn die Freude in die Augen geschrieben. Als sich Paul Maar im Foyer der BOXX hat blicken lassen, war er sofort von einer Kindergruppe umgeben. Gerne gab er seinen kleinen Fans Autogramme.

Zu Beginn der Lesung verriet der Sams-Erfinder sogleich, dass er nicht nur ein begabter Kinderbuch-Autor sei, sondern auch Zeichner. Er zeichnete auf ein Flipchart die Anfangsstriche von verschiedenen Tieren, die Kinder mussten erraten, welches Tier er gerade zeichnete. Schon bald errieten sie alle Tiere, deren Anfangsbuchstaben den Satz „Mein Name ist Paul Maar“ bildeten. Bevor es an das eigentliche Buch „Ein Sams zu viel“ ging begeisterte er Klein und Groß mit liebevollen Gedichtspassagen, ebenfalls aus seiner endlosen Fantasieschmiede. Für heiteres Lachen sorgte vor allem das Gedicht „Jaguar und Neinguar“. Selbst den Großen standen die Tränen vor Lachen im Gesicht, viele waren selbst in den 70ern und 80ern noch die kleinen Sams-Fans, die heute ihre Kinder sind.

Nun zur Aufklärung, wie es zur Heirat zwischen Frau Rotkohl und Herr Taschenbier kam. Man konnte es in den Textpassagen, die er vorlas, erraten. Das Sams, dass nach dem unachtsamen Wunsch von Herr Taschenbier nun bei Frau Rotkohl wohnt, ist das genaue Gegenteil zum frechen, vorlauten Sams von Herr Taschenbier. Es ist sehr schüchtern, fast schon peinlich höflich und ist Vegetarier. Frau Rotkohl merkt, wie schwer es ist, ein Sams zu beherbergen und ihre Wut auf Herr Taschenbier und sein Sams verfliegt langsam aber sicher. Wie sagt man doch: Ungerechtigkeit erfährt man erst, wenn sie einen selbst einholt.

Das junge Publikum lauschte Paul Maar gespannt, er erntete für seinen lebendigen Vortrag am Ende tosenden Beifall. In einer angeschlossenen Fragerunde stellte sich der Autor den Fragen der Kinder. Jeder weiß: Kinderfragen sind direktesten, unvoreingenommensten überhaupt. Es folgte ein Autogrammmarathon. Die Kleinen wollten nicht die Chance verstreichen lassen, ihr persönliches Sams-Buch vom Erfinder selbst signieren zu lassen.

Max Ehrenfeld fühlte sich bei der Lesung von Paul Maar selbst in seine eigene Kindheit zurückversetzt. Erwachsen wird man ja aber nie so richtig, das Kind in einem bleibt immer da. Er ist Praktikant für drei Monate in der Presse und Öffentlichkeitsarbeit des Theaters Heilbronn.

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