Startschuss für die Proben zu Relâche mit der Konzeptionsprobe

Wie lange dauert so eine Vorarbeit für eine Theaterinszenierung? Ein halbes Jahr, ein Jahr? Vor anderthalb Jahren haben Regisseur Christian Marten-Molnár und der Intendant des Württembergischen Kammerorchesters, Christoph Becher, die Idee entwickelt, einen Musiktheaterabend über Erik Satie auf die Bühne des Theaters Heilbronn zu bringen. Die darauffolgende Beschäftigung mit Erik Satie, diesem seltsamen Kauz der Musikgeschichte, nennt Marten-Molnár ein „Arbeitsmonster“. Unendlich viele Recherchen, Treffen mit seinen engsten Mitstreitern – dem Bühnen- und Kostümbildner Nikolaus Porz, dem Dirigenten Ruben Gazarian, dem Dramaturgen Johannes Frohnsdorf und dem Komponisten Ian Wilson, der die Musik von Erik Satie für das Württembergische Kammerorchester neu instrumentiert, gingen dem Konzept für diesen Abend voraus.  Wie kann man die Musik und das Leben dieses liebenswerten Sonderlings und rastlosen Entdeckers (nicht nur im Bereich der Musik) auf die Bühne des Großen Hauses bringen und zu einem abendfüllenden Theaterereignis machen? Es ist schließlich kein Stück, das da vorliegt. Es sind Informationen zu Saties Leben und Wirken, es ist seine Musik und es sind die Beziehungen all dessen zu uns hier und heute, die in theatrale Bilder übersetzt werden sollen. Was für eine spannende Aufgabe!

Die eigentliche Probenarbeit mit Sängerin Ksenja Lukič, den Schauspielern Ingrid Richter-Wendel,  Johannes Bahr und Rolf Rudolf Lütgens, dem Korrepetitor Mark Johnston und später dem Württembergischen Kammerorchester  dauert dann „nur“ knapp sechs Wochen und beginnt mit der sogenannten Konzeptionsprobe.

Diese heißt so, weil das Inszenierungsteam sein Konzept des Theaterabends einem großen Kreis von Zuhörern aus dem ganzen Theater, die alle mit der Inszenierung zu tun haben, vorstellt. Der Intendant, die Kostümabteilung, die Requisite, die Maske, die Beleuchtungsabteilung, der Ton, die Technik, die gesamte Abteilung Dramaturgie, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Theaterpädagogik  lauschen den Ausführungen von Regisseur Christian  Marten-Molnár, Bühnenbildner Nikolaus Porz und Dramaturg Johannes Frohnsdorf mit großer Aufmerksamkeit. Dabei muss das Inszenierungsteam allein mit Worten, dem Bühnenbildmodell und den Kostümentwürfen (Figurinen) die Fantasie der Zuhörer wecken, denn der Probenraum – eine ehemalige Werkstatt des Theaters, die „alte Malerei“, ist alles andere als inspirierend. 

Doch mit seiner Begeisterung für Satie, der stets mit Schirm, Charme und Melone, seinem obligatorischen Kneifer und einem seiner zehn identischen Cordanzüge, die er sein ganzes Leben lang trug, unterwegs war, steckt Regisseur Christian Marten-Molnár alle an. Diese äußere Beschreibung gibt auch schon das Kostüm für die drei Schauspieler vor – Ingrid Richter Wendel, Johannes Bahr und Rolf –Rudolf Lütgens werden jeweils drei Figuren sein, die aussehen wie Satie: Unterscheidungsmerkmale sind der Spitzbart in der jeweiligen Haarfarbe der Darsteller und die unterschiedliche charakterliche Ausprägung dieser drei Typen des Alltags: Der „Ängstliche“, der „Großmäulige“ und der „Betrachter von außen“. Sie sind die Protagonisten im ersten Teil des Abends „Relâche“, der in 22 kleinen musikalischen Nummern die Rastlosigkeit von Saties und unserem Alltag aufs Korn nimmt – mit einer gehörigen Portion Humor. Ergänzend werden Glossen von Sybille Berg inszeniert, als sarkastische Kommentare zu unserer Zeit, die sie als Spiegel Online-Kolumnistin unter der Überschrift „Fragen Sie Frau Sybille“  verfasst hat. Wir sind sehr dankbar, dass Frau Berg uns die Rechte dafür erteilt hat.  Die Ästhetik dieses ersten Teils des Abends soll an Filme aus den 1920er Jahren erinnern.

Der zweite Teil des Abends „Socrate“ wird komplett anders, beschreibt der Regisseur. „Socrate“ ist ein Musikstück, das er schon sehr lange auf die Bühne bringen wollte, für das ihm aber immer die passende Sängerin gefehlt habe. Mit der auf neue Musik spezialisierten Ksenja Lukič hat er eine Meisterin ihres Faches, die alle Voraussetzungen mitbringt. Satie hat dafür drei Episoden aus den „Dialogen“ von Platon über das Leben des Sokrates herausgelöst und musikalisch bearbeitet.

Sokrates war ein „Störenfried“ in seiner oligarchisch geprägten Gesellschaft und wollte sich in dieses System nicht eingliedern. Eine Eigenschaft, die auch Satie prägte. Marten-Molnár erzählt von dessen absoluter emotionaler Geradlinigkeit, davon, dass er sich niemals einem Mainstream anpasste und sich in keine Schublade einordnen ließ. Die Frage aller Fragen, der dieser Teil des Abends nachgeht, ist keine geringere, als die nach der Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens. Geht das? Und wenn ja, um welchen Preis?
Ksenja Lukič, die Sokrates Geschichte mit der Musik von Satie wie ein Chor in der antiken Tragödie berichtend und kommentierend darbieten wird, soll aussehen wie eine griechische Göttin. Wow! Für diesen Teil des Abends ist der Videodesigner Marc Stephan mit ins Team gekommen, der mit seiner Kunst die Welt, wie Satie sie vielleicht sah, visualisieren wird.

Wir sind gespannt!

Text von Silke Zschäckel, Pressereferentin
Grafik von Satie: bearbeitet von Regisseur Christian Marten-Molnár, Kultureller Zwischenraum

Am Sa, dem 12.04.2014, um 9:30 Uhr findet ein Kultur Tweetup zu einer Orchester-Bühne-Probe des Liederabends „Relache“ im Großen Haus des Theaters Heilbronn statt! Anmeldung an @theat_heilbronn oder @schroederkatrin auf twitter oder an schroeder@theater-hn.de
Wer auf Twitter dem Hashtag #relup folgt, wird bereits im Vorfeld mit Neuigkeiten versorgt, kann am Veranstaltungstag so den Tweetup verfolgen und sich auch aktiv ins Gespräch einbringen. Wer selbst keinen Twitter-Account besitzt, kann die Tweets über die Twitterwall verfolgen: http://relup.tweetwally.com

 

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