Oliver Firit macht Stop-Motion-Filme mit Star-Sprechern

FiritWenn jemand wie Darth Vader sich ändern kann, dann schafft es jeder. Das ist die Moral von der Geschicht‘ in Oliver Firits Version von Charles Dickens‘ Christmas Carol. Hier steht der dunkle Lord im Mittelpunkt und wird durch die Begegnungen mit den Geistern der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft von einem ignoranten, ja bösartigen Wesen zu einem liebevollen Vater, einem guten Lehrer und einem großen Vorbild. 57 Minuten dauert diese Stop-Motion-Produktion von »firi-film«. »A Sithmas Carol« ist sein bisher dritter Film, zwei davon abendfüllend, und Höhepunkt seiner Heuballen-Trilogie (weil in jeder Folge ein Heuballen auftaucht). Die ersten beiden Animationsstreifen heißen »Abenteuer auf Tatooine« (23 Minuten) und »The Omega Game« (72 Minuten). In diesen Action-Film-Persiflagen stolpern munter alle Haupthelden aus dem Star-Wars-Universum, aus »Herr der Ringe« und kämpferische Ninja Turtles durcheinander und werden zu Darstellern ganz neuer Geschichten, die Oliver Firit erfindet und mit vielen Effekten, Soundtracks und mit Profi-Sprechern umsetzt. Fast das ganze männliche Schauspielensemble und auch einige Schauspielerinnen des Heilbronner Theaters sind involviert und voller Begeisterung dabei – denn hier dürfen sie noch mal Kind sein. Und mit dabei ist auch ein echter Filmstar: Christian Friedel, der Darsteller des Elser aus »Elser – er hätte die Welt verändert«. Ein Freund von Oliver Firit seit Kindertagen. Beide sind zusammen in Magdeburg eingeschult worden, waren gemeinsam im Theaterjugendclub und haben dann beide Schauspiel studiert. Neben professionellen Sprechern haben die Animationsstreifen auch sonst alles, was zu großen Kino-Filmen gehört: Trailer, Plakate und ein lustiges Making Off.

Seit Anfang 2014 pflegt Oliver Firit sein, wie er zugibt, zeitraubendes Hobby. Alles begann damit, dass er für seinen ältesten, heute fünfjährigen Sohn Bastian eine Kiste mit alten Superheldenfiguren aus dem Keller holte und diese im Spiel zum Leben erweckte. »Und da erinnerte ich mich daran, dass ich eigentlich schon immer mal einen Puppentrickfilm machen wollte«, sagt er. Das Computerprogramm Movie-Maker machte es möglich: Mit einem Fotoapparat fotografierte er Veränderung für Veränderung – Arme und Beine, die sich heben und senken, Figuren, die in Flugobjekten durch den Raum fliegen. Bild für Bild wird bearbeitet, die Hände etwa, die Raketen durch den Raum fliegen lassen, werden rausretuschiert, stattdessen  blinkende Laserschwerter, sich bewegende Münder oder Lichteffekte hineinmontiert. Für Flugszenen am Himmel hat er ein ganzes Arsenal an schönen Wolken fotografiert, die je nach Bedarf zusammengefügt werden. Auch seine ganze Wohnung dient als Film-Kulisse. Das Bett mit einer dicken grauen Decke wird zu einer morbiden Gesteinslandschaft, bemalte Latexreste aus der Maske des Theaters werden zu Lavaströmen, die weißen Fliesen des häuslichen Bades zum hermetisch abgeriegelten Reich des Darth Vader auf dem Todesstern, sogar das Töpfchen von Benjamin, dem kleinsten Sprössling von Oliver Firit, dient in seiner spacigen Form als Kulisse. Ansonsten entstehen aus den Baukästen von Lego und Co, aus Pappe und Papier die wunderbarsten Hintergründe.

10 Bilder braucht er, um eine einzige Sekunde Film zu produzieren. Man kann sich vorstellen, wie lange er an einem Streifen sitzt. Angefangen von den gestellten Szenen, über die eingesprochenen Texte bis hin zum Schneiden und zur Postproduktion, wenn Sprache, Musik, Licht- und Toneffekte eins werden – alles wird mit Liebe und einem großen Augenzwinkern gemacht. Seine Frau Sabine ist nur manchmal ein bisschen sauer, wenn tatsächlich in der ganzen Wohnung Kulissen aufgebaut sind und sie kaum ein Bein vors andere setzen kann. Sie freut sich aber auch, wenn die Kinder Bastian, Lina und sicher irgendwann auch der Kleinste Benny, schon mitspielen und den Kinderfiguren ihre Stimmen leihen. Bastian und Lina haben sogar schon selbst angefangen, unter Anleitung vom Papa, kleine Animationsfilme mit ihren Spielsachen herzustellen. Hat er Lust, der Schauspielerei mal ganz den Rücken zu kehren und sich ausschließlich auf Animationsfilme zu konzentrieren? »Nein!«, sagt Oliver Firit. Erstens habe er als Schauspieler einen sehr spannenden Beruf – den er übrigens nicht nur als Sprecher, sondern auch manchmal als leibhaftiger gigantischer Actionheld, der im Film auf die Größe seiner Spielfiguren schrumpft, in seine Filme mit einbringt. Und zweitens würden ihm die Geduld und der Perfektionismus fehlen, welche die Macher von Filmen wie »Shaun das Schaf« und »Wallace und Gromit« an den Tag legen. Und er gesteht: »Das Sandmännchen«, auch eine animierte Figur, sehe er jetzt mit ganz anderen Augen. Voller Hochachtung für die Arbeit, die dahinter steckt.

Von Silke Zschäckel

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