Toi, Toi, Toi und dreimal über die Schulter gespuckt!

Über den Aberglauben im Theater
Das Theater ist seit jeher ein mystischer, manchmal fast sakraler Ort. In Aufführungen, in denen alles live ist, ist nicht alles planbar und braucht neben der gründlichen Vorbereitung und Probenarbeit oftmals auch etwas Glück zum erfolgreichen Gelingen. Vielleicht gibt es gerade deshalb so viele scheinbar eigenartige Rituale im Theater, die zum Teil schon Jahrhunderte bestehen und bis heute streng befolgt werden.

Buehne

Auf der Bühne
Bitte nicht pfeifen

Ein sich hartnäckig haltender Aberglaube am Theater ist, dass man dort nicht pfeifen darf. Und nicht wenige Theaterneulinge berichten davon, hier schon barsch von langjährigen Bühnenmitgliedern zurechtgewiesen worden zu sein. Doch warum ist das so? Unter Schauspielern ist die Erklärung verbreitet, dass man sich ja nicht wünsche, dass das Publikum nach der Aufführung pfeift und daher das Pfeifen als schlechtes Omen gesehen wird. Viel plausibler scheint jedoch ein Blick in die Historie des Theaters, der zwei Erklärungen gibt.

Die erste Erklärung hat mit den bis ins 20. Jahrhundert hinein verwendeten Gaslampen als Theaterbeleuchtung zu tun. Wenn diesen der Sauerstoff ausging, begannen sie in einem schrillen Ton zu pfeifen. Das Pfeifen war also ein Warnsignal vor Brand und einer möglichen Gasexplosion. Ein pfeifender Bühnenangehöriger hätte damals sicherlich für Panik und Störungen am Theater gesorgt.

Auch die zweite Erklärung hat mit den historischen Gegebenheiten in Theatern zu tun. Vor allem im norddeutschen Raum waren viele Bühnentechniker Seemänner, die sich mit dieser Arbeit in ihren Landzeiten ein Zubrot verdienten. Die Seemänner brachten aus der Seefahrt auch die Praxis mit, Pfeifsignale für die Kommunikation zu nutzen. So pfiffen die Techniker um vor herabfahrenden Kulissenteilen und Zügen zu warnen. Ein Pfiff im Theater konnte also bewirken, dass kurz darauf die Kulisse des nächsten Aktes unerwartet aus dem Bühnenturm herabfuhr und womöglich den auf der Bühne stehenden Schauspieler erwischte. Der unter Seeleuten übliche Alkoholkonsum erhöhte dieses Risiko noch zusätzlich.

 

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

 

 

Toi, Toi, Toi und
dreimal Gespuckt

Ein dreifaches »Toi, Toi, Toi« und dreimal über die linke Schulter spucken. So wünscht man Schauspielern, bevor sie auf die Bühne gehen, Glück. Jeder Schauspieler lernt, dass man diesen Wünschen nicht mit »Danke« begegnen darf. Doch warum eigentlich?

»Toi, Toi, Toi« ist vermutlich abgeleitet vom unheilbannenden Ausruf »Teufel, Teufel, Teufel«. Es ist ein Gegenzauber gegen böse Geister, der seit dem 19. Jahrhundert belegt ist. Um diese Geister durch den Ausruf nicht hervorzurufen, war es üblich »unberufen« hinzuzufügen, also den Hinweis, dass diese nicht herbeigerufen werden sollten. Die selbe Funktion hat das dreimalige Spucken über die linke (mittelhochdeutsch linc: linkisch, ungeschickt) Schulter. Auf dieser sitzt, dem Volksglauben folgend, der Teufel. Durch das dreimalige Spucken wird er von dieser vertrieben. Da es seit dem 19. Jahrhundert auch unschicklich war über die Schulter zu spucken, etablierte sich die Andeutung dessen durch die Silben »Toi, Toi, Toi«.

»Danke« zu sagen soll Unglück bringen. Vermutlich hängt dies mit der Teufelsanrufung zusammen. Im Bezug auf den Teufel ist »Danke« und damit Gedenken unangebracht. Dankbarkeit ist »die wesentliche christliche Haltung« (Martin Luther) und daher im Zusammenhang mit dem Namen des Teufels verrufen. Passende Antworten auf den Ausruf sind »Hals- und Beinbruch« (vom Jiddischen »hasloche un’ broche« – Glück und Segen) oder »Wird schon schief gehen«. Bei letzterem spielt wieder der Aberglaube, dass einem stets das Gegenteil des gewünschten widerfahre, eine große Rolle.

Die unperfekte
Generalprobe

Noch so eine Theaterweisheit: Eine Generalprobe mit Fehlern verheißt eine gute Premiere. Dies lässt sich vor allem psychologisch deuten. Wenn die Generalprobe fehlerfrei verlaufen ist, besteht die Gefahr, dass sich bei den Beteiligten eine Selbstsicherheit und ein Gefühl der Routine einstellt. Dieses senkt die Konzentration in der Premiere, wodurch Fehler entstehen können.

Die erfolgreiche Konzentration der Schauspieler führte auch zu einem weiteren Aberglauben, nämlich, dass das Spähen durch den zugezogenen Vorhang Unglück bringt. Auch hier besteht lediglich die Gefahr, dass der Schauspieler durch den Anblick von Familienmitgliedern, Freunden oder allzu vielen Fremden in Panik gerät und die Konzentration dadurch nicht mehr beim Stück ist.

Professionelle Schauspieler haben gelernt damit umzugehen und sich in jeder Aufführung neu auf das Stück zu konzentrieren, und dennoch verliert »Der Aberglaub‘, in dem wir aufgewachsen, (…), auch wenn wir ihn erkennen, darum seine Macht nicht über uns.« (»Nathan der Weise«, G.E. Lessing)

Johannes Pfeffer, Praktikant

 

9 Comments
    • Liebe Evelyn, Danke für Deinen Kommentar. Unser Beitrag ist schon vor Monaten entstanden und war auch in unserer Theaterzeitung veröffentlicht. Manchmal nutzen wir für diese Beiträge auch noch den Blog. Übrigens handelt es sich hier um einen Aberglauben, der an jedem Theater gepflegt wird. Deshalb kann man diese Informationen in fast jeder Publikation oder im Netz zum Thema Theatergeschichte/Aberglaube finden. Und fast jedes Theater beschäftigt sich irgendwann mit diesen Mysterien und beschreibt sie vielleicht auch. Denn das ist immer wieder interessant für das Publikum – auch bei Führungen hören die Zuschauer solche Geschichten gern. Und jeder, der neu am Theater anfängt, tritt am Anfang in ein Fettnäpfchen, spuckt vielleicht über die falsche Schulter oder sagt Danke nach dem TOI TOI TOI und wird dann hektisch von den alten Theaterhasen darauf hingewiesen, dass das Pech bringt. So lernt man diese Regeln sehr schnell und muss sie Außenstehenden trotzdem immer wieder erklären. Ob nun in Würzburg oder in Heilbronn.

  1. Welche ist eigentlich die linke Schulter? Betrachtet von der Person aus, die spuckt, oder von der Person aus, der über die Schulter gespuckt wird?

  2. Die linke Schulter ist die aus der Sicht des „Bespuckten“, so wie man auch die rechte oder linke Hand sehen würde.

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