Publikumsliebling mit Faible fürs Singen

Rolf-Rudolf Lütgens ist nun im (Un)Ruhestand

Rolf Rudolf ganz jung (1974) Foto Herbert Swoboda

Rolf-Rudolf Lütgens 1974, Foto Herbert Swoboda

Wenn Rolf-Rudolf Lütgens hüftschwingend »The Lion sleeps tonight« anstimmt und seine Singstimme souverän in die höchsten Höhen schraubt, dann reißt es das Publikum im Liederabend »Männer« förmlich von den Stühlen vor Begeisterung. Mit Langhaarperücke und in knackigen Lederhosen steht er an diesem Abend für den Typ Altrocker. Er weckt nicht nur den schlafenden Löwen, sondern bricht steppend auch noch die »Herzen der stolzesten Frau’n«. Seine hervorragenden Gesangskünste und seine liebenswert charmante Art, mit der er weniger die Helden und starken Männer, sondern eher Verlierer, skurrile Charaktere und kleine Leute verkörpert, haben ihn zum Publikumsliebling in Heilbronn werden lassen. »Nicht vom ersten Moment an«, weiß der Schauspieler. »Das entwickelte sich ganz langsam im Laufe der 29 Heilbronner Bühnenjahre.«  
Geboren wurde Rolf-Rudolf Lütgens 1948 in der norddeutschen Hochburg der Marmeladenkochkunst in Schwartau bei Lübeck – wenn er privat erzählt, verfällt er gern in seinen Heimatakzent. Dort spielte er in einer niederdeutschen Theatergruppe und entschied schon als 19-Jähriger, dass er Schauspieler werden möchte. Von 1967-70 absolvierte er seine Schauspielausbildung in Lübeck und stand in dieser Zeit auf den Bühnen der alten Hansestadt an der Ostsee. Aber schon in dieser Zeit passierte ein irritierender Moment. Der Lübecker Intendant Karl Vibach sagte zu ihm: »Du bist ein Bühnenclown, du wirst prima singen und tanzen können müssen, denn die Dramatiker, die wir aufführen, haben für dich keine Hauptrollen geschrieben.«

Rolf Rudolf mittelalt (1989), Foto Heidelind Andritsch

Rolf-Rudolf Lütgens 1989, Foto Heidelind Andritsch

Da habe er erst einmal geschluckt, erinnert sich Lütgens. Denn natürlich geht man als junger Mann zur Bühne, um die tragischen Helden oder auch die großen Liebhaber zu spielen. Aber die Ehrlichkeit seines ersten Intendanten war auch sehr hilfreich bei der Planung seiner Bühnenkarriere. »Seitdem weiß ich, wo ich hingehöre.« Fortan widmete er sich eben nicht nur dem Schauspiel, sondern auch dem Singen und Tanzen und fand mit der Kombination dieser drei Fähigkeiten seine Nische. Über die Theaterstationen Osnabrück, Koblenz und Pforzheim und eine Zusatzausbildung mit Zertifikat als Musicaldarsteller kam er schließlich am 20. März 1985 als Ensemblemitglied nach Heilbronn. »Das Haus mit dem speziellen Profil, Schauspiel und Musical aus eigener Kraft zu bestreiten, war genau das richtige für mich.«

Wann immer ein sangeskräftiger Mann gebraucht wurde, war er dran. »Mit dieser Profilierung«, so sagt er mit einem Augenzwinkern, »spielt man sehr häufig die positiven Identifikationsfiguren. Deshalb mag mich auch das Publikum.« Seine Stimme trainiert er noch heute regelmäßig und diszipliniert, sowohl das Singen als auch das Sprechen: »Da werden zwar die gleichen Muskelgruppen beansprucht, aber in der Ausübung ist das ein Unterschied wie zwischen Fußballspielen und den Prinzen in »Schwanensee« tanzen.«    
Sein Herz jedoch hänge am politischen Theater, an Stücken, die unsere Gesellschaft hinterfragen und analysieren, wie »Exit Europa«. Sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen war für ihn als Jugendlicher Ende der 60er Jahre die Motivation ans Theater zu gehen. Noch heute ist er gesellschaftlich überaus engagiert als SPD-Mitglied und in der Freimaurer-Loge. Für diese Aktivitäten will er sich künftig mehr Zeit nehmen, denn kürzlich wurde Rolf-Rudolf Lütgens 65 Jahre alt und ist eigentlich offiziell Rentner.
Eigentlich, denn das Publikum wird nicht auf den beliebten Mimen verzichten müssen. »Ich würde mich geehrt fühlen, wenn ich noch Gastrollen spielen darf«, sagt Lütgens bescheiden. Und es sieht ganz so aus, als würde sein Ruhestand eher ein Unruhestand werden, denn gleich zu Beginn der neuen Spielzeit ist er in »Sein oder Nichtsein« wieder mit dabei.    

Silke Zschäckel, Pressereferentin

 

Männer_32

Rolf Rudolf Lütgens in „Männer“

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.