Unsere Neuen: Joachim Foerster

Eigentlich war der Sport sein Leben und er hatte eine Karriere als Boxer im Visier. Da brachte ihn eine eher beiläufige Anmerkung seiner Religionslehrerin auf eine ganz andere Idee. Er sei wie ihr früherer Freund, der in Bochum Schauspiel studiert habe, hat sie gesagt. Schauspiel! Warum eigentlich nicht? Denn das Boxen ist zwar ein toller Sport, der massiv den Instinkt aber zu wenig den Intellekt fordere. Und so beendete er nach 12 Kämpfen (10 Siege, davon 6 k.o., 2 Niederlagen) seine Boxerkarriere, borgte sich von einer Freundin 30 Euro Anmeldegebühr für das Vorsprechen in Bochum und kaufte sich ein Buch mit Theater-Monologen. Diese hat er sich selbst in seinem Zimmer beigebracht und nur einmal seinen Freunden vorgespielt. »Die fanden es gut«, erinnert sich Joachim Foerster. In Bochum überstand er damit die erste Runde, dann die zweite … »Dann kam der Ehrgeiz: Ich wollte es schaffen« … und die dritte. Angenommen. Er war Schauspielstudent – der erste und einzige im Bekannten- und Verwandtenkreis, denn seine Familie besteht komplett aus Juristen, Medizinern und Wissenschaftlern.

 Joachim Foerster

Joachim Foerster

 

Das Studium in Bochum war für ihn eine großartige Zeit, er fühlte sich sofort wohl in dieser Stadt – vor allem wegen der Menschen mit ihrer direkten Art und dem Ruhrpotthumor. Gleich von Beginn an stand er auch auf der Bühne im Schauspielhaus und drehte für Film und Fernsehen. Unter anderem spielte er die Hauptrolle bei der SOKO Leipzig für das ZDF und drehte für Tatort und andere Krimiformate. »Aber ich wollte ans Theater und in ein Festengagement«, sagt er. Den Theateralltag zu bewältigen mit Proben, Vorstellungen und einigen Rollen parallel sieht er als Fortsetzung der Ausbildung. Gleich der Anfang in Heilbronn war für ihn nicht ohne, denn Joachim Foerster probte nicht nur in den normalen Probenzeiten seine Rollen für »Homo faber«, sondern in der Zwischenzeit zusätzlich für die Wiederaufnahme von »Das Herz eines Boxers«, in dem er die Rolle des jungen Jojo übernehmen muss und an der Seite von Frank Lienert-Mondanelli spielt. Den erfahrenen Kollegen hat er sich jetzt schon als eine Art Mentor ausgewählt: »Ich lerne unglaublich viel von ihm, von seinem Handwerk, seiner Herangehensweise an Figuren«, sagt Foerster. Witzig ist, dass er als erfahrener Boxer im wirklichen Leben sich in diesem Stück von seinem Schauspielkollegen das Boxen und vor allem die Charaktereigenschaften dieses Sportlers beibringen lässt.

Zweier ohne (UA)

Zweier ohne (UA)

Auch an der nächsten Herausforderung arbeitet er bereits. Er spielt den Ludwig in »Zweier ohne«, einen sehr tiefgründigen Charakter, der von seinem Kameraden Johann die bedingungslose Freundschaft und absolute Aufgabe seiner Eigenständigkeit erwartet. Die Uraufführung ist am 14. November. Ansonsten liebt Joachim Foerster die schönen Dinge des Lebens. Er zelebriert guten Kaffee und Musik und kocht gern für sich und Freunde, am liebsten klassische italienische Küche nach Marcella Hazan. Sein berufliches Ziel: Immer eine produktive Unzufriedenheit bewahren, die ihn einen bunten, wilden abenteuerlichen Weg beschreiten lässt. Wie er diesen »richtigen« Weg erkennen will? »Wie ein guter Boxer: Wach sein und im richtigen Moment einen Treffer setzen. «

Silke Zschäckel

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