Die Leiden des jungen Osman

Sema Meray schreibt und inszeniert türkisch-deutsches Stück für das Theater Heilbronn

»Die Leiden des jungen Osman« (UA) heißt das Stück, das die bekannte Film- und Fernsehschauspielerin, Autorin und Regisseurin Sema Meray im Auftrag des Theaters Heilbronn geschrieben hat und auch inszenieren wird.Die Premiere der Uraufführung ist am 21. März 2014. Damit setzt das Theater Heilbronn seine Auseinandersetzung mit der Situation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland konsequent fort. Dies ist ein zentrales Thema für die Stadt Heilbronn, die den dritthöchsten Anteil von Bewohnern mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland hat – bei den unter 18-Jährigen sind es über 60 Prozent. Inszenierungen am Theater Heilbronn, die diese Thematik bereits aufgegriffen haben, waren die Uraufführung von »heimat.com«, die Uraufführung »Tito, mein Vater und ich« und auch »Türkisch Gold« (das bereits die sechste Spielzeit läuft). Mit »Die Leiden des jungen Osman« wird der Fokus erweitert: Wie gehen Familien mit unterschiedlichen kulturellen Werten und Traditionen um? Welche Probleme und Konflikte entstehen zwischen den Generationen und zwischen Mann und Frau? Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg fördert das Theaterstück, das bisher den Arbeitstitel »Hayatimsin – Du bist mein Leben« trug, mit 50 000 Euro aus dem Innovationsfonds Kunst. Die Jury hat das Konzept des Theaters Heilbronn unter 263 eingereichten Projekten ausgewählt. Es gehört zu den 15 geförderten Vorhaben aus dem Bereich »Interkulturelle Kulturarbeit«. Partner ist die Heilbronner Stabsstelle für Integration.
Mit Sema Meray hat das Theater eine Autorin und Regisseurin gewinnen können, die nicht nur ein bekanntes Film- und Fernsehgesicht ist, sondern sich aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen sehr engagiert mit dem Leben ihrer türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland beschäftigt. 2005 schrieb sie das Theaterstück »Wegen der Ehre« über Yale, eine in Deutschland geborene Türkin, die sich von ihrem ungeliebten Ehemann trennt, ihr Leben selbstbestimmt führen will und dafür von ihrer eigenen Familie mit dem Tod bedroht wird. Ganz klar formuliert Sema Meray ihr Urteil: »Es gibt keinen Ehrenmord und keinen Eifersuchtsmord. Es gibt nur Mord.« So fordert sie ein Ende der »falschen Toleranz gegenüber demonstrativ integrationsunwilligen türkischen Mitbürgern«. Besonders schwierig, sich in der westlichen Welt zurechtzufinden, sei es für junge türkische, muslimische Männer, die von ihren Vätern die Verantwortung für die Familienehre aufgebürdet bekommen, deren »Ehrenkodex« aber permanent mit den westlichen Werten kollidiert. »Die meisten verstehen sich selbst nicht«, schrieb Sema Meray in einem Kommentar in der »Welt« (21.06.2010) Und so untersucht sie in ihrem Stück »Die Leiden des jungen Osman« die Rolle der jungen türkischen Männer in Deutschland.

 

Sema Meray, Fotocredit: Emanuela Danielewicz

Sema Meray, Fotocredit: Emanuela Danielewicz

 

Zum Stück »Die Leiden des jungen Osman«
Osman, der Sohn türkisch-muslimischer Eltern, hat gerade sein Abitur bestanden und möchte am liebsten Literatur studieren. Seine ältere Schwester Hülya, die er abgöttisch liebt, unterstützt ihn, aber seine Eltern haben andere Pläne. Der Vater möchte, dass Osman in sein Exportgeschäft einsteigt. Das Unternehmen sorgt dafür, dass die Familie bestens in ihrer türkischen »Community« vernetzt ist. Osmans Mutter missfallen die Freiheiten, die sich junge deutsche Mädchen herausnehmen, und sie beobachtet mit Sorge, dass Hülya sich der westlichen Lebensweise immer mehr anpasst. Die Eltern verlangen von Osman, dass er etwas in der »Familiensache Ehre« unternimmt und seine Schwester wieder auf den rechten Weg bringt. Denn wegen Hülya gerät die Familie immer mehr unter Druck, in der Moschee wird über sie geredet, die Kunden kehren dem Vater den Rücken. Und plötzlich ist Osmans Freund Oliver, der ein Jahr verschwunden war, wieder da – konvertiert zum Islam. Auch ihm ist Hülyas Lebenswandel ein Dorn im Auge  …

Sema Meray
Geboren in Mersin/Türkei, wuchs Sema Meray in Deutschland auf. Sie arbeitet als Autorin, Sprecherin und Schauspielerin für Theater, TV und Kino (u. a.  »Die Anrheiner«, »Zeit der Wünsche« »Lindenstraße«, »SOKO Köln«, »Tatort«, »In aller Freundschaft«, »Alarm für Cobra 11«, »Unter Verdacht«, »Evet, ich will« 2009, »Habib Rhapsody« 2013). 2005 schrieb sie das Theaterstück »Wegen der Ehre« (UA 2005 in Köln); 2012 erschien ihr Roman »Das Rosenamulett«.

Silke Zschäckel

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