Kinderträume

Trotzdem wird im Schnitt jede zweite Ehe geschieden. Sei es wegen der zu hohen Ansprüche an den Partner, der fehlenden Schmetterlinge oder einfach nur wegen des Fernsehprogramms. Die Leidtragenden, die dabei oft vergessen werden, sind immer die Kinder.

„Mehr als alles auf der Welt wünsche ich mir mit meiner Mama und mit meinem Papa in die Berge gehen zu können.“, sagt auch der 10-jährige Daniel (Philipp Lind), der mal wieder mit seiner Mutter Luise (Sylvia Bretschneider) – seinen Vater kennt er nicht – umziehen muss, weil das Geld für die Miete nicht reicht, und der neue Partner seiner Mutter sich (mal wieder!) nicht in einen Prinzen verwandelt hat. Sie ziehen in die Rotbuchenstraße 92 K – das „K“ steht für Keller – und versuchen, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen.

Für Dani scheint es kein Problem zu sein, dass er bereits zum achten Mal in zwei Jahren umziehen muss. „Ich bin der Umzugskönig.“, spielt Dani die Sache herunter und behauptet gerne umzuziehen. Dabei kommt ihm seine blühende Fantasie zu Hilfe. Er stellt sich vor, dass er ein Geheimagent ist und jeder Umzug der Start in eine neue Mission. Das er sich dieses Mal einer besonders schweren Aufgabe – nämlich sich selbst – stellen muss, weiß er noch nicht. Er freundet sich sofort mit seinen Nachbarskindern Mehmet (Peter Volksdorf) und Melanie (Julia Apfelthaler) an und merkt, dass auch sie ihre Probleme haben. Mehmet hat eigentlich nur Fußball im Kopf und wünscht sich nichts mehr, als endlich sein erstes Tor zu schießen, damit sein arbeitsloser Vater stolz auf ihn sein kann und nicht immer seinen Frust an ihm auslässt. Die Superzicke Melanie, die einen superteuren neuen Mantel und eine Frisur für 150 Euro hat, leidet unter dem Scheidungskrieg ihrer Eltern und wünscht sich, dass sie endlich wieder miteinander reden. Als Danis Sehnsucht nach seinem Vater zu groß und er auch noch in der Schule bloßgestellt wird, spitzt sich die Situation zu und die drei müssen zeigen, wie viel ihre Freundschaft wert ist.

Drei Kinder aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen mit drei unterschiedlichen Problemen; aber eines haben sie alle gemeinsam: Träume!

David S. Craig hat ein außergewöhnliches und kritisches Schauspiel „Agent im Spiel“ für Kinder und Jugendliche geschrieben, das auch für Erwachsene etwas Besonderes ist. Es erinnert sie – hoffentlich – daran, dass die Welt in Kinderaugen manchmal etwas anders aussieht, als in ihren. Eine Tatsache, die bewegt und leider viel zu schnell im Alltagsstress untergeht.

Kinder sind besonderes sensibel, egal unter welcher Maske sie sich verstecken und flüchten oft in ihre eigene Welt. Die Fantasie ist ihr Retter. Dort ist alles möglich, dort kann man alles haben, was man sich wünscht und dort kann man sein, wer man sein möchte. Kurz gesagt, dort können sie ihre Träume leben. Doch leider kann man mit der Fantasie nicht alle Probleme lösen.

Sie sind eben doch „nur“ Kinder. Wenn man es einmal ganz sachlich betrachtet, dann brauchen sie vor allem eins um wirklich glücklich zu sein: die uneingeschränkte Liebe und Zuwendung ihrer nächsten Bezugsperson – und das sind nun einmal wir, die Erwachsenen.

Julia Heyer, Praktikantin

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