Unsere Auszubildenden: Heute Bühnenmaler/ -plastiker

Heute startet unsere Blogreihe „Azubi-Vorstellung“.

Wieder einmal wollen wir euch einen Blick hinter die Kulissen verschaffen, doch dieses Mal bekommt ihr keine halbfertigen Bühnenbilder zu sehen, sondern einige der Kollegen, die dafür sorgen, dass die Bühnenbilder zum Schluss fertig auf der Bühne stehen – und zwar unsere Azubis.

Insgesamt haben wir ca. 25 Auszubildende bei uns am Theater in den Berufen Bühnenmaler/in, Bühnenplastiker/in, Schreiner/in, Veranstaltungskaufmann/frau, Raumausstatter/in, Maskenbildner/in, Schlosser/in und Fachkräfte für Veranstaltungstechnik.

Einige davon haben wir interviewt und sie über ihre Ausbildung, den Beruf und das Arbeiten am Theater befragt. Allerdings haben wir auch einige scheue Rehe hier, die nicht zu erwischen waren. Seid nicht enttäuscht, wenn ihr jemanden kennt, der hier nicht auftaucht.

Ab sofort werden wir jede Woche eine Abteilung mit den dazugehörigen Auszubildenden vorstellen.

Heute starten wir mit den Bühnenmalern/plastikern

MalerDeko1

v.l.n.r.: Stefan Dittrich, Manuela Göschel, Mirjam Roth (Deko) und Janina Meh

 

Befragt wurden: Manuela Göschel (28 Jahre) 1. Lehrjahr, Janina Mehl (25 Jahre) 1. Lehrjahr

Wir betreten den Malersaal und sind erst einmal überrascht. Nicht, dass wir nicht schon einmal hier gewesen sind und nicht wüssten wie es hier normalerweise aussieht. Aber heute ist es anders. Keine Pinsel. Keine Farbeimer. Keine beklecksten Hosen. Hä?

Die Auszubildenden knien auf dem Boden und bekleben einen riesigen schwarzen Filzteppich mit kleineren backsteinförmigen Filzstücken. Aha.

Eigentlich wollten wir euch ja fragen, ob es denn schwierig ist, im Stehen mit dem langen Pinsel zu malen, denn im Theater wird hauptsächlich im Stehen gemalt, oder?

Janina: Ja, aber das ist alles Gewöhnungssache.

Manuela: Ähnlich ist es auch mit der lasierenden Malerei, wenn man das vorher noch nie gemacht hat. Lasierende Malerei bedeutet, dass ein Bild sozusagen aus mehreren Schichten besteht. Erst kommt die Grundierung, danach weitere transparente Schichten in verschiedenen Farben, letztlich scheint der Untergrund aber immer noch durch. Am Anfang kann man sich das noch nicht so recht vorstellen, wie das schlussendlich aussehen soll, aber das Gespür bekommt man mit der Zeit.

Was findet ihr besonders spannend an eurer Ausbildung?

Manuela:  Super interessant finde ich mit welch einfachen Mitteln man letztlich so tolle Kulissen herstellen kann, wie z.B. Mauern mit Granitoptik, die durch Kaschiermasse und darauf gestreute Farbsprenkel wie eine echte Granitmauer aussieht.

Janina: Auch ein schönes Beispiel ist der Parkettboden, der für Madame Bovary gemacht wurde. Eigentlich sind es nur ganz normale Holzplatten, die wir mit einem Zackenpinsel und Beize bearbeitet haben und anschließend wurden diese von den Schreinern, innerhalb von drei Wochen, so zurechtgeschnitten, dass es aussieht wie Parkettmuster. Zum Schluss wurde noch eine Dickschicht aufgetragen und fertig war der täuschend echt aussehende Parkettboden.

Verzweifelt man da auch manchmal?

Janina: Verzweifelt bin ich bis jetzt noch nicht, aber bei „Das Apartment“ dachte ich wirklich: Wie sollen wir das schaffen, die Kulisse von New York mit der wunderschönen Skyline auf eine Leinwand zu bringen? Und letztlich hat natürlich doch alles funktioniert.

Genau, das kann man ja jetzt auch auf der Bühne bewundern.  Was uns jetzt gerade aber am meisten interessiert: Was macht ihr eigentlich gerade? Malen ist das ja nicht.

Janina (lacht): Viele denken, dass wir tatsächlich nur Bilder malen in unserem Beruf. Aber das stimmt nicht. Wir haben ja vorhin schon von dem Parkettboden erzählt, was auch nicht wirklich viel mit malen zu tun hatte. Jetzt bekleben wir gerade für das Stück „Der Stein“ einen Filzteppich, der danach wie eine Steinmauer aussehen soll.

Okay. Für uns klingt das eher nach der Dekoabteilung?

Manuela: Nein, wie gesagt, zu unseren Aufgabenfeldern gehört mehr als „nur“ malen. Allerdings ist es hier tatsächlich so, dass der Malersaal und die Dekoabteilung sehr eng zusammenarbeiten und sich bei Bedarf auch mal gegenseitig helfen.

 

Befragt wurde: Stefan Dittrich, 31 Jahre, in Ausbildung

Bühnenplastiker

Stefan, du hast erst die Ausbildung zum Bühnenmaler gemacht und machst jetzt den Plastiker. Was ist denn der Unterschied?

Beim Beruf des Plastikers werden hauptsächlich aus Styropor plastische Dinge hergestellt wie zum Beispiel ein Reh. Aus einem Styroporklotz wird mit einer großen Säge erst mal der Umriss des Rehs ausgesägt und anschließend wird es mit einem normalen Küchenmesser bearbeitet.  Zum Schluss wird es noch mit Stoff kaschiert, d. h. es wird aus Holzleim und Stoff eine stabile Hülle hergestellt.

Gibt es eine Figur, die dir am meisten Spaß gemacht hat?

Ja, das war die Frau aus „La Cage aux folles“ (Spielzeit 11/12). Sie war überlebensgroß (2,90m) war und mir gefällt es „Menschen“ herzustellen.

Allerdings war das Arbeiten an dem Dinosaurierkopf in „Agent im Spiel“ oder an der Flasche aus „Die Wanze“ auch super, weil beides so überdimensional groß ist.

Man munkelt, dass du hier als Multitalent bekannt bist. Was hat es damit auf sich?

Ja, das ist wahr. Ich male nicht nur, sondern mache auch Musik. Ich gebe auch ab und zu kleine Konzerte, auch hier im Theater. Bei „Türkisch Gold“ zum Beispiel mache ich die musikalische Begleitung oder bei der internen Weihnachtsfeier gehöre ich zum Showprogramm dazu. Einmal im Monat wird ein selbstgeschriebener Sketch im HANIX-Magazin veröffentlicht unter den Namen Dittrich Klotz und Köni.

 

INFO:

Um Bühnenplastiker/in zu werden sollte vor allem eines vorhanden sein: Künstlerische Begabung und handwerkliches Geschick.

Im Vordergrund steht die Anfertigung von plastischen Arbeiten (Figuren, Tiere oder Möbel) mit unterschiedlichen Materialien (Styropor, Gips und Kunststoffen).

Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Mögliche Einsatzorte sind Musicals, Festspiele oder Film- und Fernsehproduktionen.

 

INFO:

Um Bühnenmaler/in zu werden sollte vor allem eines vorhanden sein: Künstlerische Begabung und handwerkliches Geschick. Denn ohne den/die Bühnenmaler/in gäbe es keine Kulissen. Eine bunte Palette vielseitiger Aufgaben wird garantiert.

Zu den Aufgaben gehören unter anderem das Erstellen von Dekorationsteilen aus verschieden Materialien in unterschiedlichen Stilrichtungen und das Malen von Prospekten.

Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Mögliche Einsatzorte sind Musicals, Festspiele oder Film- und Fernsehproduktionen.

Selina Rothenhöfer, Azubi

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