Die Geschichte hinter dem Stück

„Wenn wir Ihnen also diese Geschichte erzählen, dann sollten Sie wissen, dass sie nicht genau so passiert sein kann. Aber wir stellen sie zusammen und verkaufen sie Ihnen als Wahrheit. Und wenn Sie sich ansehen, was hier passiert ist und was später noch geschah, dann stimmt das wohl so.“ (Anwalt im Prolog zu ENRON)

Der Megakonzern „ENRON“ war der Liebling der Wallstreet, der Wirtschaftspresse und der amerikanischen Volkswirtschaftsprofessoren: sechsmal in Folge wurde er vom Wirtschaftsmagazin „Fortune“ zum Innovativsten Unternehmen der Welt gewählt und 1996 auf  einen Börsenwert von 50 Milliarden Dollar geschätzt. 2001 war es unter einem milliardenschweren Schuldenberg zusammengebrochen, der Wert der Aktie von 90 Dollar auf wenige Cent geschmolzen. Der Erfolg des texanischen Konzerns war nichts anderes als eine Seifenblase – beruhte allein auf systematischem Bilanzbetrug.  20 000 Angestellte verloren ihren Job und alle Beschäftigten ihre milliardenschweren Ansprüche aus der Pensionskasse. Die Köpfe des Unternehmens hingegen verkauften mit ihrem Insiderwissen noch kurz vor der Pleite ihre Aktien und schaufelten Milliarden auf ihre Privatkonten. Eine Geschichte, wie sie der Kapitalismus in seiner gierigsten Form schreibt: ENRON galt als Inbegriff von Wirtschaftskriminalität und unternehmerischer Arroganz und war nicht zuletzt deshalb so brisant, weil Unternehmenschef Ken Lay ein Förderer und Freund von George W. Bush  war.
Drahtzieher des ENRON-Skandals waren Vorstandsvorsitzender Ken Lay, Präsident Jeffrey Skilling, Finanzchef Andy Fastow, die Lehman Brothers, Wirtschaftsprüfer …
Managerin Claudia Roe, die im Stück eine wesentliche Rolle spielt, ist die einzige Hauptfigur des Stücks, hinter deren erfundenem Namen sich andere real existieren Damen verbergen …
Heute sitzt Jeffrey Skilling  wegen „kreativer Buchführung“ im Gefängnis – zunächst sollte er bis  2028 seine Strafe absitzen und mit 74 Jahren entlassen werden. Aber im Juni 2013 hat er durch einen Deal mit der Justiz seine Haftstrafe um 10 Jahre verringert, indem er 40 Mio. Dollar an ehemalige Investoren zahlte. Sein von ihm ernannter Finanzchef Andy Fastow hatte sich als Kronzeuge zur Verfügung gestellt und kam deshalb mit sechs Jahren Gefängnis davon, ist seit 2011 auf freiem Fuß und arbeitet heute für ein Anwaltsbüro in Texas. Ken Lay starb vor der Entscheidung des Strafmaßes an  Herzversagen. 

Und morgen erfahrt Ihr mehr über Lucy Prebble, diese junge Frau, die aus dem Skandal das spannende Stück gemacht hat.

Silke Zschäckel (Pressereferentin)

25.01.2014 – Premiere von »Enron« im Großen Haus
Schauspiel von Lucy Prebble
Termine: HIER KLICKEN

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