Theater-Blog-Artikel-Leser wissen mehr: ENRON – eine Inszenierung entsteht

Theater-Blog-Artikel-Leser wissen mehr: ENRON – eine Inszenierung entsteht

Es war die Theatersensation des Jahres 2009 in London, „Enron“, das Schauspiel über die Geschichte des größten Wirtschaftskandals, den die USA bis dahin gesehen haben. Autorin Lucy Prebble war erst 29 Jahre alt, als sie nach akribischen Recherchen das Stück über Aufstieg und Fall des gleichnamigen texanischen Energiekonzerns schrieb. Nach großen Erfolgen in London und New York kam es 2010 in Deutschland auf die Bühnen in Nürnberg und Potsdam. Nun wird es auch in Heilbronn aufgeführt. Premiere der Inszenierung von Intendant Axel Vornam ist am 25. Januar um 19.30 Uhr im Großen Haus.

Wir wollen Euch in den nächsten Tagen an der Entstehung der Inszenierung teilhaben lassen. In einer Reihe von Blogartikeln erzählen wir Euch, worum es in diesem Stück geht, und  nehmen Euch mit hinter die Kulissen. Wir freuen uns auch über Eure Kommentare: Sagt uns Eure Meinung, löchert uns mit Euren Fragen!


Teil 1

Trip in eine Finanzblase
Zum Inhalt des Schauspiels ENRON

„Jeder große Mann ist auch ein verborgenes Risiko. Der Typ, den ich kenne und der die Welt verändern wollte, war verantwortlich für den größten Wirtschaftsbetrug, der das Ende des 20. Jahrhunderts markierte und einen Schatten auf das 21. warf.“ (Worte des Anwalts aus dem Prolog zu ENRON)

Champagner fließt in Strömen, das Leben ist eine Party, denn Jeff Skilling, der Präsident von ENRON hat das ultimative Geschäftsmodell entwickelt, mit dem er das Unternehmen von einem simplen Betreiber von Gaspipelines zum Energiegiganten und einer Geldverdienmaschine machen will:  Es wird nicht mehr mit Produkten gehandelt, sondern nur mit Terminkontrakten auf Gas und Strom – dazu braucht man keine Leitungen, sondern nur gute Uniabsolventen an Laptops. Später kommen zur Firmenpalette so merkwürdige Produkte wie Breitbandkapazitäten zur Datenübertragung oder Absicherungskontrakte auf die Wetterlage im kommenden Sommer dazu. Der Clou seines Unternehmensmodells ist die „Markt to Market“-Buchführung: Zukünftige Einkünfte werden bereits, wenn sie geplant sind, als Gewinne verbucht.  Verluste werden in dubiose Tochterfirmen verschoben und gelten als nicht existent. Die Bilanz ist brillant.

 „Wie, Sie verstehen das Prinzip nicht?“  Indem er sie öffentlich als begriffsstutzig darstellt, ist es  Jeff Skilling bis dahin gelungen, alle Zweifler mundtot zu machen. So lange bis wirklich ein Journalist hartnäckig nachfragt, sich nicht einschüchtern lässt, dem größten Wirtschaftsbetrug aller Zeiten auf die Schliche kommt und eine gigantisch aufgeblähte Finanzblase platzen lässt …

Klingt sehr theoretisch? Ist es aber auf der Bühne nicht.  Denn die Stärke des Schauspiels besteht in der Präzision seiner Analyse bei gleichzeitig hohem Unterhaltungswert. Die authentische Geschichte des  beispiellosen Aufstiegs und Falls von Enron hat  Lucy Prebble zu einer sarkastischen Schauspielrevue mit absurden szenischen Überhöhungen verarbeitet, die das komplizierte Geschehen dieses Prozesses auf spannende und unterhaltsame Weise veranschaulichen. Akteure sind die tatsächlichen Drahtzieher des Enron-Skandals: Vorstandsvorsitzender Ken Lay, Präsident Jeffrey Skilling, Finanzchef Andy Fastow, Managerin Claudia Roe,  Wirtschaftsprüfer …

 Für rabenschwarze Unterhaltung sorgen unter anderem schuldenfressende Raptoren, bauchredende Wirtschaftsprüfer, singende Analysten und „Gastauftritte“ der Lehman Brothers, von George W. Bush oder Arnold Schwarzenegger.

 

Und morgen erfahrt ihr die Geschichte, die hinter diesem Schauspiel steckt.

Silke Zschäckel, Pressereferentin
25.01.2014 – Premiere von »Enron« im Großen Haus
Schauspiel von Lucy Prebble
Termine: HIER KLICKEN

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