Neu im Ensemble: Patrick Isermeyer

Patrick Isermeyer hatte seinen Einstand mit einem Soloprogramm in der BOXX über seine ersten Eindrücke von Heilbronn in der Langen Kulturnacht. Er ist der heiratsunwillige Prinz in „König und König“ und Dani in „Die Windmühlen“. Und bald spielt er in unserem ersten Theaterstück für die Allerkleinsten „Klopf Klopf“.

Sein Weg ans Theater war alles andere als geradlinig. Das Leben hatte ihn viele Wege ausprobieren lassen, bevor Patrick Isermeyer herausfand, dass die Schauspielerei der Beruf ist, der ihm am meisten entspricht. Aufgewachsen ist er in verschiedenen kleinen Orten rund um Frankfurt/Main. Seine Mutter ist Stewardess bei der Lufthansa, deshalb die Nähe zum Flughafen. Sein Vater ist Musiker und stammt aus Trinidad und Tobago. Er leitete einen berühmten Gospelchor, die „Jackson-Singers“,  mit dem er durch ganz Europa tourte, und er hatte eine Band mit der er Reggae und Calypso spielte.
“Meine ganze Kindheit war von Musik bestimmt und von dem Gefühl, anders zu sein“, erinnert sich Patrick Isermeyer.  Er war und ist ein Freigeist, unangepasst und meinungsstark. Das haben ihm seine Eltern so beigebracht. Doch in der Schule ist er deshalb ständig angeeckt. Dementsprechend schlecht waren seine Noten. Dass er Jahre später sein Abitur an der Abendschule mit der Traumnote 1,0 ablegen würde, konnte er in dieser rebellischen Zeit nicht ahnen. Er verließ die Schule in Deutschland, ging ein Jahr auf die High-School nach Amerika. Nach einem erneuten Intermezzo an einem deutschen Gymnasium brach er die Schule ganz ab und reiste mit einem Freund durch die Philippinen. Wieder in Deutschland begann er als Barkeeper zu arbeiten und entdeckte auf diese Weise die Gastronomie für sich. Er fand Freunde, die wie er einen multikulturellen Hintergrund hatten, und absolvierte in einem Grandhotel in Wiesbaden eine Ausbildung zum Europahotelfachmann. Gleich im Anschluss begann er in der Buchhaltung eines großen Hotels zu arbeiten und bekam mit 23 Jahren schon die Leitung seiner eigenen Abteilung übertragen. Noch immer verschwendete er keinen Gedanken ans Theater. Stattdessen arbeitete er an seiner Karriere im Hotelwesen. Wenn er weiterkommen wolle, führe kein Weg an der Hochschulreife vorbei, riet ihm sein Chef. Also drückte er nach der Arbeit die Schulbank – mit bereits oben erwähntem Ergebnis 1,0. Viel wichtiger war aber das Fach „Darstellendes Spiel“, das er während dieser Jahre hatte. Seine Dozentin erkannte in ihm ein großes Talent. Patrick Isermeyer entdeckte seine Begeisterung fürs Spielen und war plötzlich ganz bei sich. Er schrieb alle Karriereaussichten in den Wind und bewarb sich an der Schauspielschule in Mainz. „Musik, Bewegungstalent, meine Freiheitsliebe – alles, was mir meine Eltern in die Wiege gelegt haben und was meine Persönlichkeit ausmacht, war nun gefragt.“ Weil Talent allein nicht reicht, hat er hart an sich gearbeitet. Besonders an der Perfektionierung seiner Sprache. Bereits während der Ausbildung hatte er Engagements am Staatstheater Wiesbaden, im Theater auf Tour Darmstadt und im  Theater Dinkelsbühl. Außerdem wirkte er bei diversen Film- und Fernseh-Projekten des Hessischen Rundfunks mit, z.B. im Fernsehfilm  „Kaltfront“ und zuletzt beim Frankfurter Tatort.  Jetzt hat er sein erstes festes Engagement im Jungen Ensemble. „Heilbronn ist eine spröde Stadt, aber mit vielen schönen Ecken, die man erst einmal finden muss“. Den Neckar und die Weinberge hat er schon für sich entdeckt. Das Theater lernte er als eingeschworene Gesellschaft mit einem großen Gemeinschaftssinn kennen, in die man  schnell aufgenommen wird.“ Patrick Isermeyer will spielen, spielen, spielen und  viel lernen. „Ich erhoffe mir eine Weiterentwicklung meiner selbst – spielerisch und auch menschlich.“

Neu im Ensemble: Jana Franke

Ihren Einstand hatte sie in „Running“. Außerdem ist Jana Franke als Königin in „König und König“ zu sehen, als Frau Müller in „Die Windmühlen“ und demnächst in unserer allerersten Inszenierung für Kinder ab 2 Jahren: „Klopf Klopf“.

Eine lange dunkelblonde Lockenmähne und ein strahlendes Lächeln, das ist das erste was an Jana Franke auffällt. Die neue Kollegin im Jungen Ensemble strotzt nur so vor Energie und Lust, sich in ihre vielen neuen Rollen hineinzustürzen, die sie in der BOXX spielen wird. Gleich in ihren ersten zwei Stücken warten Herausforderungen auf sie, auf die sie an der Schauspielschule nur bedingt vorbereitet wurde. In „Running“ – einem Stück an der Grenze zwischen Schauspiel und Tanztheater – muss sie nicht nur spielen, sondern auch tanzen und Hip-Hop performen. In „Klopf Klopf“, einem Stück für Kinder ab 2 Jahren, arbeitet sie mit Mitteln der Clownerie und Improvisation – ganz ohne Worte. „Das ist spannend“, sagt sie. Zudem übernimmt sie von Helene Aderhold, ihrer Vorgängerin im Ensemble,  einige Rollen in sehr kurzer Probenzeit. Auch das ist Bühnenalltag, den man erst bei der Arbeit kennenlernt und nicht im Studium lernen kann.

Seit ihrer frühesten Kindheit spielt Jana Franke Theater. „Ich konnte noch nicht einmal Deutsch, da bin ich schon in die Theater-AG eingetreten“, erinnert sie sich. Geboren wurde sie nämlich im russischen Jekaterinenburg. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Mutter nach Norddeutschland und besuchte, ohne auch nur ansatzweise die Sprache ihrer neuen Heimat zu beherrschen, sofort die Schule. „Wir waren sehr diszipliniert beim Erlernen der Sprache. Auch zu Hause haben wir versucht, uns nur auf Deutsch zu unterhalten“, erzählt sie. Das Theaterspiel in der Schule hat ihr geholfen, und sie hat es bis zum Abitur nicht aufgegeben. „Mit den Jahren kann ich viel besser Deutsch als Russisch.“ Man hört bei ihr nicht mehr den Hauch eines Akzentes. „Ich habe alles gegeben, um in Deutschland nicht aufzufallen. Aber wenn jemand in meiner Umgebung Russisch spricht, wird mir warm ums Herz.“ Auch zur Literatur und Kunst ihres Geburtslandes hat sie eine besondere Beziehung. Bis sie 18 Jahre alt war, hat sie ihre alte Heimat nicht mehr besucht. „Aber je älter ich wurde, umso mehr hat es mich gereizt, mich mit Russland zu beschäftigen.“ Inzwischen ist sie regelmäßig dort, streitet mit ihren früheren Landsleuten, die Putin als Patriarchen verehren, über dessen Politik und genießt es aber auch, ihre Wurzeln zu spüren.
Das Theater, das sie nicht nur spielend in der Schule für sich entdeckte, sondern auch als eifrige Besucherin der Hamburger Theater, war für sie eine Traumwelt, die zunächst unerreichbar schien. Jeden Gedanken, Schauspielerin werden zu wollen, hat sie sich zunächst aus dem Kopf schlagen. „Meine Eltern waren zunächst gegen die ,brotlose Kunst‘, und ich habe mich gebeugt“, sagt sie. Sie hat in Marburg Germanistik und Französisch studiert, weil ihr die Sprachen besonders liegen. „Ich fand es spannend, aber es füllte mich nicht richtig aus.“ Heimlich hat sie sich dann an Schauspielschulen beworben und  sich aufs Vorsprechen vorbereitet.
Im Schauspielstudium an der Kunstuniversität Graz hatte sie das Gefühl, endlich am richtigen Platz zu sein. Es war schwer, weil es von einem verlangt sich mit Leib und Seele hineinzuknien. Das koste auch Überwindung. „So eine Rolle zu erarbeiten, ist harte Arbeit. Und sie dann zu halten, wie sie erarbeitet wurde, erfordert viel Disziplin. Eigene Befindlichkeiten muss man ausblenden.“ In ihrem Erstengagement in Heilbronn möchte sie Professionalität im Beruf gewinnen ohne die Spielfreude zu verlieren. „Schön ist, dass man im Jungen Theater so eine breite Vielfalt an Rollen spielen kann.“ In der Stadt ist sie auf der Suche nach schönen Orten, zu denen zweifelsfrei der Neckar gehört. „Außerdem habe ich schon ein Lieblingscafé. Da fühle ich mich wohl.“

Neu im Ensemble: Hannes Rittig

Aus dem hohen Norden in den Südwesten: Seine erstes Stück am Theater Heilbronn war „Fundament“.  Ab dem 2. Dezember ist Hannes Rittig in „Taxi Taxi“ zu sehen. Hier erfahrt ihr mehr über unseren neuen Schauspielkollegen.

An seiner letzten Wirkungsstätte waren die Menschen ziemlich traurig, als Hannes Rittig mit seiner Familie die Umzugskartons packte, um aus der norddeutschen Universitätsstadt Greifswald nach Heilbronn zu ziehen. Eine ganze Woche lang spielte er in seinem kleinen Theater im „Koeppen“, dem Literaturhaus und Café im Geburtshaus des Schriftstellers Wolfgang Koeppen, Stücke aus den letzten fünf Jahren. Heilbronns Chefregisseurin Uta Koschel war in der letzten Vorstellung zugegen und musste sich fast verteidigen, dass sie den beliebten Schauspieler aus Greifswald wegholte. Die beiden kennen sich aus vielen Inszenierungen am Theater Vorpommern, dem Hannes Rittig 12 Jahre lang als Protagonist angehörte, bis ein neuer Intendant kam und viele Kollegen nicht verlängerte. „Aber ich konnte und wollte aus Greifswald nicht weg“, erinnert sich Hannes Rittig. Seine Frau Barbara war zu der Zeit noch Solo-Tänzerin im sehr erfolgreichen Ballett Vorpommern. Die beiden haben zwei Söhne – damals waren sie 2 und 8 Jahre alt. „Also habe ich mir einen neuen Weg gesucht“, sagt Hannes Rittig. Er übernahm das Café im Literaturhaus Wolfgang Koeppen, das wenige Jahre zuvor von Günter Grass und Gerhard Schröder eingeweiht wurde. Er begann mit Kollegen aus seinem früheren Ensemble Lesungen zu veranstalten und  Inszenierungen zu erarbeiten. Schnell entdeckten die Greifswalder Schauspielfreunde die kleine, aber feine Off-Theater-Bühne für sich. Bald schrieb Hannes Rittig auch eigene Stücke, und er gewann Regisseure, die mit den Schauspielern arbeiteten.  Uta Koschel verbrachte so manchen Sommer im „Koeppen“, inszenierte dort „4.48 Psychose“, „Das geheime Leben von Henry und Alice“ und „Sommerherz“. Rittig stand auf der Bühne, kümmerte sich außerdem um den Cafébetrieb und um reibungslose Abläufe hinter den Kulissen. Er genoss den Erfolg, denn der Laden brummte. Und doch blieb die Sehnsucht nach einem ganz normalen Schauspieleralltag …

Aufgewachsen ist Hannes Rittig  als Sohn eines Literaturdozenten und einer Medizinisch-Technischen Assistentin in Halle/Saale. Literatur, Theater und Bildende Kunst gehörten zum Familienalltag dazu. Eigentlich wollte er Computerdesign an der Kunsthochschule studieren, aber die Aussicht auf stundenlanges Stillsitzen war ihm ein Graus. Eine Lehrerin riet ihm, sich auf der Schauspielschule zu bewerben. Gleich der erste Versuch in Leipzig hat geklappt. Dort studierte er zusammen mit seinem jetzigen Ensemble-Kollegen Tobias D. Weber, mit dem ihn seit damals eine enge Freundschaft verbindet. Noch während des Studiums wurde er ans Theater Eisleben engagiert, wo er von Pinocchio bis Hamlet viele jugendliche Hauptrollen spielen durfte. Es folgte ein Engagement in Chemnitz, wo er sich in die Tänzerin Barbara verliebte. Als sie ein Engagement in Greifswald erhielt, stand er vor der Frage – gehen oder bleiben. Schließlich bewarb er sich auch im Norden und erhielt ein Engagement. Als Paar an einem Haus arbeiten zu können, ist im Theaterleben ein Sechser im Lotto.

Heilbronns Intendant Axel Vornam hatte Rittig in einigen Inszenierungen in Greifswald gesehen und wollte ihn nach Heilbronn holen. „Mit der ganzen Familie neu anzufangen, ist nicht leicht“, gesteht Hannes Rittig. Seine Söhne gingen in die Schule, seine Frau hatte sich eine neue Existenz als Tanzpädagogin und Choreografin aufgebaut, er sein erfolgreiches Theater und Café Koeppen. Und doch war da diese Sehnsucht.  Die Familie machte Urlaub in Lauffen – „wunderschön“ ̶ , besuchte viele Vorstellungen im Theater, erspürte die Stadt ̶ „eine spannende Gegend der Arbeit und des Genusses“  ̶  und sagte schließlich zu. Nun genießt er es, sich ganz auf seine ursprüngliche Profession konzentrieren zu können und mit sehr guten Kollegen zusammenzuarbeiten. Sein größter Wunsch für die nächste Zukunft ist, dass seine Familie sich hier gut einlebt und dass er als Schauspieler möglichst viele Erfahrungen machen darf. Und statt in den weiten Caspar-David-Friedrich-Himmel im Norden schaut Hannes Rittig hier eben in die gemütlichen Weinberge. Das hat doch auch was!

Neu im Ensemble: Anja Schreiber

In „Fundament“ gab sie ihren Einstand im Heilbronner Ensemble. Ab dem 24. November ist sie in der Komödie „Venedig im Schnee“ zu sehen. Hier erfahrt ihr mehr über unsere neue Schauspielkollegin.

„Nirgends lässt sich der Text besser lernen, als beim Spaziergang durch die Weinberge“, sagt Anja Schreiber. Für die junge Frau mit dem blonden Wuschelkopf ist das Engagement in Heilbronn fast ein Heimspiel, denn sie ist jetzt wieder ziemlich nahe an ihrer Heimat, dem Südschwarzwald. „Es riecht wieder wie zu Hause.“ Maultasche und Spätzle, der hiesige Dialekt, die Mentalität der Menschen und die Kehrwoche, all das ist ihr vertraut. Wobei sie mit einem Augenzwinkern gesteht, in den letzten Jahren im Gegensatz zu allem anderen die Kehrwoche nicht unbedingt vermisst zu haben.

Eigentlich ist Anja Schreiber diplomierte Architektin. Nach dem Studium in Konstanz hatte sie ihren Job in einem Architekturbüro in Basel schon sicher. Aber die Aussicht, vorrangig am Rechner zu sitzen, sich zu 80 Prozent mit Statik beschäftigen zu müssen und nur zu 20 Prozent die eigene Kreativität leben zu dürfen, bereitete ihr Unbehagen. Schon seit frühester Kindheit war sie ein Wirbelwind mit dem Drang zur Bühne. Sie war beim Ballett, spielte Theater, lernte Trompete und machte auch sonst viel viel Musik. „Ich wollte gern ans Theater“, gesteht sie. „Aber ich habe es mich nicht getraut.“ Deshalb zunächst die Architektur. Das Studium hat Spaß gemacht, aber unterschwellig war auch während dieser Zeit die Kunst immer präsent. Ob als Entwurf eines Theaters für die Piazza  Anfiteatro  im toskanischen Lucca  oder ob als Planung für ein Museum in ihrer Diplomarbeit.

In ihrer Zeit in Konstanz hatte sie eine Schauspielerin kennengelernt, mit der sie ausführlich über ihren verdrängten Wunsch sprach. „Und obwohl sie mich schonungslos  über alle Schattenseiten des Berufes aufgeklärt hat, drängte es mich, wenigstens einmal diese Schauspieleignungsprüfung zu machen. Nur um zu sehen, ob ich es kann“, erzählt Anja Schreiber.  Da war sie schon 25 Jahre alt. Die Aufnahmeprüfung in Bern hat auf Anhieb geklappt. Aber sollte aus dieser Mut- und Bestätigungsprobe nun auch die Konsequenz folgen, alle berufliche Sicherheit in den Wind zu schlagen? Einen Weg zu gehen, bei dem das Hobby Beruf werden würde, aber wenig Platz für andere private Träume bliebe. „Das kann man nur machen, wenn man wirklich dafür brennt.“ Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Während der Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste in Bern spielte sie bereits am Theater Biel-Solothurn und im Schauspielhaus Basel.  Ihr Erstengagement hatte sie am Deutschen Theater Göttingen von 2009-2014.    Danach war sie von 2014-2017 am Theater Plauen-Zwickau engagiert, suchte aber vor allem aus familiären Gründen wieder die Nähe zu ihrer alten Heimat.  Nun also gehört sie fest zum Ensemble des Theaters Heilbronn.  Einziger Wermutstropfen ist die aussichtlose  Wohnungssituation. In Heilbronn hat Anja Schreiber keine Wohnung gefunden, deshalb pendelt sie nun täglich zweimal zwischen Neckarsulm und dem Theater hin und her. Vormittags für die Proben, abends für die Vorstellungen. Sie fährt mit dem Auto, weil das Warten auf öffentliche Verkehrsmittel sie noch mehr Zeit kosten würde. „Mal sehen, wie lange ich es mir leisten kann“, sagt sie.  Sie genießt die Arbeit  mit den neuen Schauspielkollegen, von denen sie viel lernen kann, und findet es unglaublich, wie die Stadt Heilbronn das Theater wertschätzt und ins Haus investiert. Als sie das zum ersten Mal das neue Probenzentrum gesehen hat, konnte sie nur noch staunen.

Frau Fischer, die Kita-Boxx und das Märchen vom Prinzen, der am besten essen konnte

Von Katrin Singer

Langsam wird das kleine Glasfläschchen geöffnet. Magische Luft verteilt sich im Raum. Hände formen aus Nichts lange Fäden, große und ganz kleine Würfel oder weiche Tücher. Aus einem unsichtbaren Stock entsteht eine Zahnbürste. Jemand formt daraus einen Ball und wirft ihn in den Raum. Was hier stattfindet, ist nicht das Treffen der Magier, sondern ein Spiel aus der KITA-BOXX. Die KITA-BOXX ist ein Märchenspiel aus einer großen Kiste. Durch dieses Spiel sollen kleinere Kinder im Kindergarten dazu angeregt werden, selbst ein Märchen zu erfinden und es anschließend zu spielen. Ausgehend von der Frage wie sich jüngere Kinder dem Theaterspiel nähern können und das Gesehene und Erlebte beschreiben lernen, entwickelten die Theaterpädagoginnen Katrin Singer, Lea Kaiser und Natascha Mundt eine Idee für spielerische Spiel- und Sprechanlässe. Ein märchenhaftes Theaterspiel für Kinder von 4-6 Jahren.

Frau Fischer, die Ansprechpartnerin der gesamten Tageseinrichtungen für Kindergärten, staunte nicht schlecht, als ihr die Theaterpädagoginnen Katrin Singer, Lisa Spintig und Natascha Mundt die KITA-BOXX nicht nur vorstellten, sondern das Spiel auch spielten. So entstand mit Hilfe von verschiedenen Spielkarten (Orte, Figuren, Gegenstände) Stück für Stück eine märchenhafte Geschichte.

Gemeinsam erkundeten sie detektivisch den Thronsaal, folgten ihrer Nase und fanden schließlich in der Schlossküche einen kleinen Prinzen. Nacht für Nacht schlief dieser auf dem Thron, sehr nah an der Schlossküche, stets bereit als erstes das Essen der Köche zu testen. Denn als weltbester Esser hatte er schon viele Preise gewonnen. Doch eines Tages entdeckte er auf dem Weg zur Küche ein Stück Gold. Darauf befand sich ein Bild mit einer wunderschönen Prinzessin. Ein gefährlicher Drache hielt sie gefangen. Das Bild des Mädchens in Gefahr ließ ihm keine Ruhe und nach einem schnellen Frühstück zog er los, um die schöne Prinzessin zu retten.

Auch Frau Fischer zieht los und wird den Kolleginnen und Kollegen aus den Kindergärten von der KITA-BOXX berichten. Wir freuen uns auf die vielen Geschichten, die erzählt und gespielt werden. Wer jetzt auch Lust hat  mit der KITA-BOXX zu spielen, kann diese in Verbindung mit einem Theaterbesuch in der BOXX kostenfrei buchen.

BOXX@Night Nr.1 mit Tobi Weber and friends und mit DJ Jean-Sol Partre

Im neuen Samstag-Nacht-Format um 21.30 Uhr  in der BOXX präsentieren sich unsere Schauspieler von einer ganz anderen Seite als gewohnt. Anschließend gibt’s Musik zum Tanzen und Gelegenheit zum miteinander Reden und Feiern. Den Anfang macht Tobias D. Weber am 28. Oktober. Achtung: Hier gibt es Lachmuskelkater. After-Show-Party mit DJ Jean-Sol Partre.

Küchenhockey mit alten Tomaten

Tobias Weber & Friends setzen eine anarchische Geschichte aus Schweden in Szene

Es war einmal ein Urgroßvater, der war so alt, dass er nur noch Kuckuck sagen konnte. Manchmal brachte ihm sein Sohn, der Großvater, Kuchen und Bier. Der hieß Dartanjang (wird wirklich so geschrieben) und lebte aus Angst vor Bazillen allein in einem kleinen wackeligen Haus neben einem großen wackeligen Haus, worin der Vater Loranga, seines Zeichens der weltbeste Popmusikhörer, und Lollipop, der Sohn, ein kleiner, dicker, aber sehr schlauer Junge, wohnten. Außerdem lebten auf diesem Anwesen in diesem äußersten Zipfel von Schweden noch eine Giraffe, die mit Vorliebe Garagendächer und Bettdecken verspeiste und seit neuestem jede Menge Tiger mit großem Hunger.
Wenn Sie sich jetzt fragen, was das für ein Quatsch ist und mutmaßen, Sie hätten sich auf die Kinderseite verirrt, dann täuschen Sie sich nur ein bisschen. Denn „Loranga, Lollipop und lauter Tiger“ von  Barbo Lindgren-Enskog ist tatsächlich ein schwedisches Kinderbuch aus dem Jahre 1972. Und wenn man Schauspieler Tobias D. Weber fragt, das Beste, Verrückteste und Phantasievollste, das ihm je begegnet ist. Als kleiner Junge bekam er von Freunden seiner Eltern die Schallplatte nach dem Kinderbuch geschenkt: „Ich habe sie geliebt“, sagt er. „Und unzählige Male gehört. Sie ist schon ganz zerkratzt und macht komische Geräusche, aber ich kann immer wieder herzlich darüber lachen.“ Sogar zum Schauspielstudium hat ihn das gute Stück begleitet, wo er sie eines Abends mit Kommilitonen gehört hat, die gleichermaßen begeistert waren. Schnell war die Idee geboren, diesen liebenswert anarchischen Text als szenische Lesung mit Musik auf die Bühne zu bringen. „Ich kannte den Text vom vielen Hören auswendig und habe ihn eigenhändig aufgeschrieben“, sagt Tobias D. Weber. Die szenische Lesung wurde an seiner früheren Wirkungsstätte, dem Theater Chemnitz, ein großer Erfolg. Grund genug, für den beliebten Schauspieler „Loranga, Lollipop und lauter Tiger“ nun als Auftaktveranstaltung für das nicht minder anarchische Late-Night-Format Boxx@Night mit viel Musik wie ein Live-Hörspiel auf die Bühne zu bringen. Zusammen mit den Kollegen, die alle sofort Feuer und Flamme waren: Stella Goritzki, Gabriel Kemmether, Frank Lienert-Mondanelli, Oliver Firit, Sasch Kirschberger –  und natürlich mit ihm selbst als Loranga.

Die Geschichte atmet den Freigeist der späten 60er und frühen 70er Jahre und erzählt von einem Vater und seinem Sohn, die keinen Reichtum brauchen, um glücklich zu sein. Statt sich vor dem Fernseher zu langweilen, spielen sie lieber Küchenhockey mit einer alten Tomate oder satteln die Giraffe, um in der Stadt Würstchen für die Tiger zu besorgen.  „Loranga sieht immer das Positive im Leben, Probleme werden gelöst und nicht zerredet.“ Tobias D. Weber kann sich mit dieser Figur sehr identifizieren. „Der ist laut, der lacht total viel – so wie ich“, sagt er augenzwinkernd. Ein Leben in dieser absoluten Freiheit und Selbstbestimmung, wie es Loranga lebt, ist für einen Schauspieler am Theater natürlich nicht möglich. Aber zwischen Proben, Vorstellungen und Textlernen nimmt  sich Tobias D. Weber seine Auszeiten – bei Ausflügen in die Umgebung mit seinem VW Kübel, Baujahr 1970.  Oder beim Schwimmen in der Neckarhalde, wo er dreimal in der Woche 2 Kilometer krault. „Wenn ich meine Bahnen ziehe, wird der Kopf frei und dann kommen mir die besten Gedanken, zum Beispiel für die Umsetzung  von „Loranga, Lollippo und lauter Tiger“ für die Bühne.

Geadelt wurde diese Geschichte übrigens von der großen Astrid Lindgren, die über das Buch ihrer Namensvetterin sagte: „Ich muss einfach hemmungslos lachen, wenn ich es lese! Es ist voll von purem Unsinn, der mich jedes Mal wieder überrumpelt. Loranga, Lollipop und Großvater Dartanjang werden meine Freunde für’s ganze Leben sein.“

Rasante Gewichtszunahme

Mit Fatsuits aus Latex haben schlanke Schauspieler Figuren wie Sumo-Ringer 

Wenn Hollywood-Schauspieler für ihre Rollen stark an Gewicht zulegen, ist ihnen eine Oscar-Nominierung fast sicher. Für ihre Rollen im Schauspiel „Der gute Mensch von Sezuan“ hätten einige Kolleginnen und Kollegen unseres Ensembles aber erheblich zunehmen müssen. Das kann man ihnen unmöglich zumuten. Also mussten unsere Meister-Illusionisten aus dem Malersaal wieder ran, um die Damen und Herren des Schauspielensembles von schlanken sportlichen Menschen in schwer adipöse Personen im Sumo-Ringer-Format zu verwandeln. Selbst hergestellte Fatsuits aus Latex waren die Lösung. Aber bis diese zur Zufriedenheit von Regisseur Adewale Teodros Adebisi und Ausstatter Daniel Angermayr vorlagen, war wieder die ganze Kreativität des Malersaalteams gefragt. Herbert Kübler, Kirstin Köppel und Karlheinz Kirchler entschieden sich, als ersten Arbeitsschritt den Prototypen des Fettleibigen in Originalgröße aus Ton zu formen. Um nicht so viel Ton zu verbrauchen und die Figur nicht tonnenschwer zu machen, wurde zunächst ein Stahlgerüst quasi als Skelett gebaut und mit Styropor in Menschengestalt umschlossen. Danach wurde die dicke „Fettschicht“ aus Ton aufgetragen, bis Oberschenkel und Bauch dick genug waren. Dann wurde die Tonfigur in Höhe der Gürtellinie geteilt – einfach mitten durch geschnitten. Anschließend wurde jeweils die Vorderseite eingegipst, um ein paar Tage später eine Gips-Form (wie ein Sandkuchenförmchen im Buddelkasten, nur viel größer) zu haben. Mit den jeweiligen Rückseiten von Oberkörper und Beinen wurde genauso verfahren. Zu dem Zeitpunkt lag der „Mensch“ also in vier Negativ-Gipsformen vor. Können Sie noch folgen?
Diese Gipsformen wurden mit Latex und Netzstoff ausgekleidet und zusammengefügt. Als diese Masse ausgehärtet war und aus den Formen genommen wurde, lag die äußere Hülle des dicken Menschen vor, quasi wie eine dicke Haut (klingt ein bisschen eklig – ist es aber nicht). Diese kann  man nun anziehen wie eine Hose und einen Pullover. Als Finish kam noch eine feuerfeste Farbschicht im Hautton drauf und eine Öffnung auf der Rückseite des Oberteils wie ein OP-Hemd, damit die Schauspieler es besser an- und ausziehen können. 15 solcher Fettanzüge haben die Kollegen im Malersaal hergestellt. Bei den Anproben waren die Schauspieler teils belustigt. Sie haben aber auch viel Respekt davor, in diesen Dickmachern auf der Bühne zu spielen. Aber lieber eine Fettschicht aus Latex auf den Knochen, als eine, die man sich mit der Einnahme unendlicher Kalorienmengen zulegt und die man eben nicht einfach wieder ausziehen kann.

Heilbronn-Aquarelle von Karlheinz Kirchler jetzt als Kalender für 2018

Heilbronn ist wunderschön. Zumindest, wenn man die Stadt mit den Augen von Karlheinz Kirchler sieht. Von Berufs wegen ist er Theatermaler und -plastiker am Theater Heilbronn. In seiner Freizeit zieht er mit einer papierbespannten Holztafel, mit Pinseln und Aquarellfarben durch die Stadt  und malt unter freiem Himmel. Dabei entdeckt er die Schönheit in Orten, die andere kaum bemerken und die alles andere als Postkartenmotive sind. Sein Thema ist die Stadtlandschaft mit all ihren Facetten. Schöne, idyllische Winkel  wie die Weinberge oder das Wasserschlösschen am Trappensee hat er festgehalten. Aber auch den Wandel zu dokumentieren, den Heilbronn gerade erlebt, reizt ihn. So hat er Aquarelle von der BUGA-Baustelle und von der Experimenta-Baustelle gemalt. Auch Straßenzüge, durch die wir im Alltag achtlos laufen, bekommen in Karlheinz Kirchlers Arbeiten Glanz und eine außergewöhnliche Attraktivität. Sein Geheimnis sind die eingefangenen Lichtstimmungen, die besonderen Perspektiven, die er wählt, die Leichtigkeit der Linienführung und die Transparenz der Farben.

Ab dem 7. Oktober stellt Karlheinz Kirchler seine Heilbronn-Aquarelle in der Galerie Seiler in der Hafenmarktpassage aus. 13 Motive sind jetzt als Kalender für 2018 erschienen, die in den Buchhandlungen Stritter und Osiander, bei Heilbronn Marketing und bei der Heilbronner Stimme zu erwerben sind.

Spannende und schweißtreibende Proben für „Running“

Bereits jetzt, vor der Sommerpause des Theaters, laufen die Proben für die ersten Stücke der neuen Spielzeit auf Hochtouren. Besonders hochtourig sind die Proben für unser ersten BOXX-Stück „Running“ von Anna Konjetztky und Christina Kettering. Dieses Stück an der Schnittstelle von Tanztheater und Schauspiel vergleicht den Weg von Jugendlichen in ihre eigene Zukunft mit den Anstrengungen eines Marathonlaufes. Bianca Sue Henne, unsere Leiterin des Jungen Theaters und Dramaturgin dieses Stücks, beschreibt den Beginn der Proben. Premiere ist übrigens am 23. September.

 

Erster Probentag »RUNNING«. Die Choreographin Anna Konjetzky ist die erste vom neuen Team, die ins Theater kommt. Während auf der Probebühne schon das Laufband für die Videoaufnahmen aufgestellt wird, begleite ich sie in die Kostümabteilung zu unserer Kostümchefin Roswitha Egger. Die beiden kennen sich noch nicht, und so stelle ich beide einander vor. Natürlich sind wir nicht nur zum Plaudern hier. Anna ist nicht nur Choreographin und Regisseurin der Inszenierung, sie ist auch für die Ausstattung verantwortlich. Ausgestattet mit den Kleidergrößen des BOXX-Ensembles macht sie sich nun auf den Weg in die Heilbronner Innenstadt, um die Kostüme zu kaufen. Da heute schon Videoaufnahmen gemacht werden, brauchen wir die Originalkostüme nämlich sofort. Besonders wichtig sind die Laufschuhe. Jedes Kostüm kommt zweimal in den Einkaufbeutel. Das liegt an ihrem szenischen Konzept: die Tänzer doublen die Schauspieler. Jana Frankes Alterego wird von Quindell Orton getanzt. Die Australierin ist außergewöhnlich groß und schlank und trägt – wie BOXX-Neuzugang Jana Franke – ihre langen blonden Locken zum Pferdeschwanz gebunden. Für Giulia Weis hat die Choreographin die belgische Tänzerin Sahra Huby als Double mitgebracht. Die beiden verbindet ihre Power-Ausstrahlung. Für Sascha Kirschberger ist Jascha Viehstädt als Doppelgänger zu Gast. Anna kündigt an, dass sie die Namen sicher verwürfeln wird. Ähnlicher können Sie ja auch kaum sein. Während Anna also Kostüme kauft, gehe ich auf die Probebühne, wo inzwischen René Liebert seine Ausrüstung aufbaut. Parallel richtet Beleuchtungsmeister Michael Herold ein paar Scheinwerfer auf das Setting: Das vom Staatstheater Darmstadt geliehene Laufband (ohne Bedienerkonsole, wir wollen ja nur den Läufer filmen) steht inzwischen in der richtigen Richtung vor dem Greenscreen, jenem grünen Stoffaushang, der später digital weggerechnet wird. Anna darf also keine knallgrünen Kostüme kaufen, die könnten sonst bei der Bearbeitung mit verschwinden. Und während die erste Tänzerin, Quindell Orton, sich bereits warm macht und Annas Kostüm anprobiert, flitze ich in den Supermarkt, um eine Stärkung für Team und Ensemble zu besorgen. Auf dem Weg treffe ich Sergej Maingardt, unseren Komponisten. Ich schicke ihn auf die Probebühne und bin sehr gespannt auf seinen Sound!
Als ich zurückkehre, finde ich Quindell auf dem Laufband, schwitzend und mit vor Anstrengung rotem Kopf. Sie ist eine versierte Läuferin, aber die Halogenscheinwerfer arbeiten an diesem heißen Tag gegen die Belüftungsanlage auf der Probebühne im untersten Geschoss des Theaters Heilbronn. Glück gehabt – alle anderen Probebühnen sind unklimatisiert und bei diesem Wetter wahnsinnig heiß, denn unser Probenzentrum ist noch nicht fertig. Ich werfe einen Blick auf den kleinen Monitor an Renés Kameras. Eine der beiden filmt die ganze Person, die andere einen Ausschnitt, der vor allem das Gesicht zeigt.

Ich kann mir schon gut vorstellen, wie die fertigen Videobilder auf den Projektionswänden in der BOXX wirken werden. Nacheinander dürfen Sahra und Jascha ebenfalls für jeweils 30 Minuten aufs Laufband. Musik gibt es hier noch nicht, nur das gleichmäßige Surren des Laufbandes und die kraftvollen Schritte der Tänzer darauf. Schon beim Zuhören erinnere ich mich, dass Laufen etwas sehr Meditatives hat. René zeigt mir parallel auf seinem Computer die bereits entstandenen Aufnahmen. Es ist schon ein großer Unterschied im Gesichtsausdruck zwischen dem Anfang und dem Ende der Aufzeichnung. Genau dieser Unterschied interessiert das Team.
Jetzt müssen wir uns beeilen. Schnell die Kamera einpacken, wir müssen zum Sportplatz am Justinus-Kerner-Gymnasium, einer Kooperationsschule des Theaters Heilbronn. Die Stadt Heilbronn hat uns die Ausnahmegenehmigung erteilt, hier auf der einzigen roten Kreisrennbahn in Heilbronn zu filmen. Dort angekommen kontaktieren wir kurz den Hausmeister, und dann geht’s auch schon los. Die drei Tänzer laufen in ihren Kostümen auf der roten 400m-Ring hinter dem Caddy des Theaters her, bei offenen Türen sitzen hinten René und Anna und filmen. Ein tolles Bild! Ich mache wieder ein paar Fotos und poste sie direkt auf Twitter. Sieht toll aus. Besseres Wetter hätten wir nicht haben können. Die Sonne lässt die Farben wunderbar leuchten. Aber auf dem Laufband im Keller des Theaters war es deutlich angenehmer, denn nicht nur brennt uns die Sonne auf der Nase. Die vorsichtige Australierin fragt besorgt in die Runde, ob jemand Sonnencreme dabei hat, aber glücklicherweise finden wir ein schattiges Plätzchen für die, die gerade nicht laufen. Noch unangenehmer für die Tänzer ist der Staub, den der vor ihnen herfahrende Caddy aufwirbelt. Aber für die Kunst… Noch ein paar Aufnahmen, die nur die Füße zeigen, und dann müssen wir uns schon wieder beeilen, denn um 18 Uhr warten die Kollegen auf der Probebühne für die Konzeptionsprobe, in der das Team dem Ensemble, also Schauspielerin und Tänzern, aber auch der Maske, der Requisite, der Dramaturgie, der Theaterpädagogik, der Tontechnik, der Pressereferentin, dem Künstlerischen Betriebsbüro (das für die Probenorganisation zuständig ist) und natürlich auch dem Intendanten, der alle herzlich begrüßt, die Pläne für die Inszenierung vorstellt.
Hier ist nun auch Christina Kettering dabei, die die Texte geschrieben hat. Gemeinsam mit Anna Konjetzky hat sie über einige Monate hinweg das Konzept entwickelt, eine Stückdramaturgie angelegt, die sich an den psychologischen Vorgängen bei einem Amateurmarathonlauf orientiert. Sie stellt die Figuren vor, die in ihrem Stück auftauchen: Jugendliche im Perfektionierungswahn. Jugendliche, die von ihren Eltern, Lehrern, Freunden unter Druck gesetzt werden. Jugendliche, die verbissen auf ein Ziel zulaufen. Jugendliche, die vor etwas weglaufen. Jugendliche, die ihre Kräfte bündeln und den Erwachsenen ihre Sicht auf die Welt entgegenschreien. Das sind starke Texte, die mich schon beim ersten Lesen nicht ungerührt gelassen haben. Außen und innen – das ist die Idee, die hinter der Figurendoppelung steckt. Sergej Maingardt, der elektronische Musik studiert hat, stellt sich Hiphop Beats für »RUNNING« vor. Darauf ist er gemeinsam mit Anna gekommen, weil für Anna gerade in Verbindung mit Tanz die Schwelle vom Sprechen zum Sprechgesang spannend ist. Die dazugehörigen Sounds werden von ihm vorbereitet und in den Vorstellungen vom Ensemble von einem DJ-Pult aus abgefahren. Die dafür benötigte kleine Midi-Konsole lässt Saschas Augen strahlen.
René und Anna stellen die beweglichen Projektionswände vor. Und dann geht es auch gleich weiter mit den Filmaufnahmen: René dreht Portraitaufnahmen der Schauspielerinnen und Schauspieler.
Und ich freue mich auf die Arbeit mit diesem hoch energetischen Team.

In der Themenwoche »RUNNING« gibt es Tanzworkshops, Hintergründe über Leistungsdruck und Stressbewältigung und zur Eröffnung haben wir Marc- Oliver Bischoff ins BOXX-Foyer eingeladen. Der Krimiautor lebt in Ludwigsburg und hat seinen Laufblog in seinem Buch »Lauf, du Sau« veröffentlicht. Bei uns liest er am 25. September um 18 Uhr unterhaltsame Anekdoten aus dem Leben eines Amateurläufers. Im Anschluss zeigen wir um 20 Uhr »RUNNING« in der BOXX.

Ra(c)ketenartig den Kunstmarkt erobert

Unser manisch malender Hausinspektor Markus Rack ist als Maler immer gefragter

Erinnern Sie sich noch an unseren manisch malenden Hausinspektor Markus Rack? Ja genau! Vor zwei Jahren haben wir ihn im Theatermagazin „Szene“ vorgestellt, weil er seine erste Ausstellung im Schloss Neudenau eröffnete. „Seitdem ging es Schlag auf Schlag“, sagt er. Denn unser Leiter der Haus- und Betriebstechnik ist mittlerweile ein in der Kunstszene gefragter Mann, der auf der „ART Innsbruck“ und der „ART Berlin City“ ausgestellt hat, dessen Bilder nicht nur Interessenten, sondern auch Käufer finden und der immer wieder für Auftragswerke angefragt wird.
Wie es zu diesem Interesse an seinen Arbeiten kommt, kann sich Markus Rack nicht erklären. „Habe ich wirklich so einen eigenen Stil?“, fragt er sich. Mit kräftigen Ölfarben, die er mit resolut aufgetragenen Graffitis kombiniert, gibt er  großformatigen Porträts von Menschen oder Tieren eine Farbintensität, die in irre, wilde Traumwelten entführt. Seine Motive setzt er mit abstrakten Zeichen, Schrift oder Elementen aus einem ganz anderen Kontext in surreal anmutende Zusammenhänge.  Der Autodidakt arbeitet ganz aus dem Bauch heraus und mit großer Energie. Er malt, weil er es muss und auch nur Bilder, die in irgendeiner Weise mit ihm und seinen Interessen zu tun haben. Deshalb nimmt er längst nicht alle Aufträge an. Er ist froh, sich mit seinem Beruf am Theater, den er (fast) genauso liebt wie die Malerei die Freiheit bewahren zu können, sich als Künstler nicht verbiegen zu müssen.
Derzeit ist er an einem spannenden Kunstprojekt in Hamburg beteiligt. Die Kunstgalerie Ewa Helena Martin präsentiert Arbeiten ausgewählter Künstler in Media-Art-Shows, also in digitaler Form auf hochwertigen Flatscreens in Großstädten Deutschlands und Europas. Kunstliebhaber, Sammler und Investoren können auf diese Weise eine größere Vielzahl an Bildern betrachten, als es in der räumlichen Begrenztheit der Galerie möglich wäre. Eine Auswahl der Bilder zeigt die Galeristin dann auch in ihrer Galerie, die übrigens weltberühmt ist. Denn in der Hamburger Milchstraße Nummer 28 residierte zuvor Gunter Sachs und präsentierte unter anderen den damals noch unbekannten Andy Warhol. Auch heute ist die Galerie ein Tipp, wenn es darum geht, die Werke potenter Künstler noch in den frühen Jahren ihrer Karriere zu erwerben. Wer weiß, wohin der  ra(c)ketenartige Aufstieg von Markus Rack noch führt.