Drei große Stützen des Theaters verabschieden sich aus dem aktiven Dienst – Wir sagen DANKE

Was sie eint, ist ihr Hang zum Perfektionismus, ihre absolute Identifikation mit ihrer Arbeit, ihr hohes Verantwortungsbewusstsein und ihre Liebe zum Theater. Eigentlich kann man sich das Heilbronner Theater ohne diese drei Kollegen kaum vorstellen. Denn Kostümchefin Roswitha Egger, Malersaalvorstand Herbert Kübler und Inspizient Detlev Hahne sind die am längsten am Theater Heilbronn beschäftigten Mitarbeiter und seit Bestehen des Hauses am Berliner Platz dabei. Sie werden Spuren hinterlassen, denn sie haben das Heilbronner Theater, jeder auf seine Weise geprägt und dazu beigetragen, dass das Haus so einen guten Ruf genießt und als außergewöhnlich gut aufgestelltes Theater gilt. „Jetzt müssen mal die Jungen ran“, meint Herbert Kübler lapidar. Im Sommer verabschieden sich die drei aus ihrem aktiven Dienst – wie so oft in einer solchen Situation mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Gewandmeisterin Roswitha Egger, diese auch privat immer schicke und perfekt gekleidete Frau, hinterlässt dem Theater einen Kostümfundus, der seinesgleichen sucht: Tausende Kleider und Kostüme in allen erdenklichen Stilrichtungen und historischen Prägungen, die sie selbst entworfen und geschneidert hat. Unzähligen Kostümbildnern war sie eine Partnerin bei der Verwirklichung ihrer  kühnsten Entwürfe und Generationen von Schauspielern eine enge Vertraute. Denn Kostümanproben verlangen nicht nur handwerkliches, sondern auch psychologisches Geschick. Mit Strenge und Liebe zum Detail führte sie ihre Abteilung, die nicht nur für das Herstellen der Kostüme verantwortlich ist, sondern auch für das Ankleiden und die Umzüge der Schauspieler während der Vorstellungen und für die Pflege der Kostüme – das Waschen und Reinigen nach jeder Aufführung.  Kreativ sein wird sie auch weiterhin, denn sie saniert zusammen mit ihrem Mann ein altes Haus in der Toskana. Schon seit Jahren lernen die beiden italienisch. Ihre Nähmaschine nimmt Roswitha Egger selbstverständlich mit.

Angst vor Langeweile hat auch Malersaalvorstand Herbert Kübler nicht, wenn er nach genau 40 Jahren Dienst für das Theater Heilbronn nicht mehr täglich in den Malersaal geht. Seine Malerkluft wird er nicht ablegen, denn er will in seinem heimischen Atelier malen, plastisch arbeiten und mit seinen Enkeln töpfern. Neben den vielen eindrucksvollen Bühnenbildern, die er zusammen mit seinen Kollegen, den Meistern des schönen Scheins, gestaltet hat, ist er besonders stolz auf die über 80 Auszubildenden, die von ihm gelernt haben und von denen die allermeisten an guten Theatern oder in Kreativabteilungen arbeiten. „Das Theater Heilbronn gilt als hervorragende Kaderschmiede in Sachen Theatermalerei und –plastik.“  Zwei von den Azubis der Anfangszeit übernehmen jetzt von ihm den Staffelstab: Karlheinz Kirchler als Vorstand und Kirstin Köppel als stellvertretender Vorstand. Genau wie ihr Chef sehen die beiden die Arbeit als Berufung und sie rasten ebenso wie Herbert Kübler nicht eher, als bis sie für jede noch so große Herausforderung eine Lösung gefunden haben.

Detlev Hahne verfügt wahrscheinlich über den reichsten Schatz an Theateranekdoten über das Heilbronner Theater. Denn was man bei Tausenden und Abertausenden an Vorstellungen als Inspizient hinter den Kulissen erleben kann, lässt sich für den Außenstehenden nur erahnen. Er hat  alle Fäden in der Hand, gibt die Zeichen für jeden Auftritt, jede Bühnenveränderung, jeden Licht- und Toneinsatz – dirigiert mit äußerster Präzision und Konzentration den Abend. Alle hören auf sein Kommando – in rund 250 Vorstellungen im Jahr und in ungezählten Proben. Schon jetzt weiß er, dass es ihm schwerfallen wird, nicht mehr Abend für Abend sein Inspizientenmikrophon anzuschalten und mit einem: „Guten Abend, meine Damen und Herren. Das erste Zeichen. In einer halben Stunde beginnt die Vorstellung“, die Kollegen einzustimmen.
Aber vielleicht hat  Hahne, der privat ein Opernjunkie ist, und für eine Inszenierung seiner Lieblingsoper „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold durch die halbe Welt jettet, dann wieder mehr Zeit für seine Leidenschaft. Außerdem ist er ein phantastischer Koch, der solche Feinheiten beherrscht, wie etwa eine klare Ochsenschwanzsuppe zu zaubern. Möglicherweise schreibt er auch ein Kochbuch? Kommt Zeit, kommt Rat.
Uns bleibt nur, allen dreien von Herzen Danke zu sagen!

Die BUGA-Entdecker bei ihrem 4. Streich

Von Katrin Singer

Frühlingskinder – Was hört Ihr?

Mit großen Ohren und sensiblen Fühlern sind die „BUGA-Entdecker“ auf dem BUGA-Gelände dem Frühling auf der Spur. Nachdem sie im letzten Monat die ersten Frühblüher und andere Dinge mit ihren Augen entdeckten, werden heute das Gehör und der Tastsinn der Frühlingskinder geschult.

Nach einem kurzen Warm-Up beginnt die erste Fühl-Entdecker-Tour. Mit geschlossenen Augen und vor Freude quiekend führen sich die Kinder gegenseitig durch das frische Gras. Bäume, Disteln, Gras, kleine Steine und Sand werden ertastet, erschnüffelt und belauscht. Nach dem Spiel flüchtet sich die Gruppe kichernd in den kühlen Schatten. „Es roch nach Staub!“, sagt ein Mädchen. „An meinen Füßen war es manchmal kühl!“  „Und stachelig!“, antworten zwei Jungs. Nachdem sich rege ausgetauscht wird, wie sich die Wiese nun tatsächlich angefühlt hat, gibt es schon die nächste Aufgabe. „Legt euch in den Schatten und schließt für zwei Minuten eure Augen, hört genau hin und sammelt Geräusche.“ Sagt Lisa Spintig, die Theaterpädagogin. Ein Plumpsen und schon liegen alle Kinder mit geschlossenen Augen lächelnd im Gras. Sie lauschen dem Geräusche-Konzert –  ein Brummen der Motoren, ein Klopfen aus der Ferne, ein dröhnendes Hämmern, ein lauter und leise werdendes Brummen eines vorbeifahrenden Fahrzeugs und plötzlich zwischen all den lauten Geräuschen, ein Zwitschern und ein sanftes Rascheln der Blättern. Nach einer Minute schaut der erste Junge durch seine zusammengekniffenen Augen, ob alle noch alle da sind. Ein zweiter guckt auch. Beide müssen lachen. Kaum auszuhalten sind die vollen zwei Minuten für die Kinder. Als die Zeit vorbei ist, sprudeln die Worte nur so aus ihnen heraus und jedes Kind darf sagen, was es alles gehört hat.

Aus jeder dieser Sinneserfahrung entsteht eine  kleine Geschichte, die am Ende in einem Forscherbuch notiert wird. Mit einer Pusteblume in der Hand sagen alle „Tschüss bis zum nächsten Mal!“, wenn sich voller Fantasie die Green Box öffnet!

Pelz oder nicht Pelz, das war hier die Frage

Vor der Premiere vom Schauspiel „Das kunstseidene Mädchen“ legt Ausstatterin Carla Friedrich noch mal Hand an den Pelz, der eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt, und der bei uns natürlich kein echter Pelz ist.

Von Kristin Päckert

Die Endproben für „Das kunstseidene Mädchen“ laufen. Ausstatterin Carla Friedrich, die für Bühnen- und Kostümbild verantwortlich ist, überarbeitet gerade noch den „Feh“  für die nächste Hauptprobe. Er bekommt einen Besatz aus Federn, fühlt sich dadurch anders an. Durch die Strass-Elemente wird er optisch aufgewertet. Der Pelzmantel, den Doris im Theater klaut und mit dem sie nach Berlin flieht, hat im Stück eine große Bedeutung. Für Doris, die durch ihn einen Vorgeschmack darauf bekommt, wie es sich anfühlt, sich wie eine Dame, ein Glanz, ein Star zu kleiden und als solcher wahrgenommen zu werden. Auch in den Vorgesprächen war der Fehmantel ein Thema. Ein Feh ist eigentlich ein Pelz aus dem grauen Winterfell des russischen Eichhörnchens. Für Carla Friedrich und Regisseur Jens Kerbel war aber schnell klar, dass es kein echter Pelz sein soll. Wichtiger im Gesamtarrangement der Bühne und der Kostüme ist es ihnen, die Abstraktheit zu behalten, denn der Mantel dient als Projektionsfläche. Zum einen für Doris, die ihre Vorstellungen von Glanz in den Mantel denkt, zum anderen aber auch als Projektionsfläche für das Publikum. Obwohl das Stück 1931 und 1932 spielt, ist die Ausstattung zeitlos. Die großen Themen, die der Roman von Irmgard Keun behandelt, sind nach wie vor aktuell. Da ist eine junge Frau, die mehr vom Leben will und ausbricht, um einen Traum zu leben. Aber auch bestimmte Parallelen zwischen den sozialen Verhältnissen der Entstehungszeit und der gegenwärtigen politischen Stimmung in Deutschland und Europa lassen sich ohne weiteres feststellen. Genauso wie Doris ihre Vorstellungen davon hat, was es heißt, ein Glanz zu sein, kann das Publikum ab dem 17.02.2018 selbst überlegen und die eigenen Phantasien projizieren.

Es summt und brummt – Die BUGA-Entdecker in ihrer zweiten Mission

Einmal im Monat setzt sich eine Gruppe kreativer Kinder mit Mitteln des Theaters mit der bevorstehenden BUGA auseinander. Sie nennen sich die „BUGA-Entdecker“ und entwickeln gemeinsam mit den Theaterpädagoginnen Katrin Singer und Lisa Spintig und dem Zirkuspädagogen Stefan Bock Erfindungen, die sie sich gut für die Bundesgartenschau 2019 vorstellen könnten.Diesmal drehte sich alles um INSEKTEN, genauer gesagt, um  selbsterfundene Helferinsekten.

Unsere Praktikantin Patricia Mattes berichtet:

Mit Lupen, Schaufeln und Sonnendach ausgestattet gehen die BUGA-Entdecker wieder auf Forscherreise. Dazu treffen sie sich jetzt zum zweiten Mal in der Theaterwerkstatt des Theaters Heilbronn. Dieses Mal suchen sie ganz besondere Insektenarten. Was sind Insekten eigentlich? Braucht man Insekten? Die kleinen Experten wissen genau Bescheid. Insekten sind relativ klein, haben 6 Beine und können mit ihren Facettenaugen mehrfach sehen. Sie können sich gut tarnen wie das „Wandelnde Blatt“ oder imitieren wie das „Pfauenauge“.
Aber welche Fähigkeiten könnten Insekten noch besitzen? Dazu haben die Kinder schon während der letzten Monate eifrig Ideen gesammelt und diese in ihren Forscherbüchern festgehalten. Anfangs bewegen sich die Kinder als Schmetterling schwebend oder als Mistkäfer die Mistkugel rollend durch den Raum. Gemeinsam bilden sie aus ihren Körpern ein beängstigendes, dreiäugiges Rieseninsekt und dann können sie die schon gesammelten Ideen in Modelle umsetzten. Wie sieht wohl die Zauberbiene, der Obstpflücker oder die Minifledermaus mit Kameraaugen aus? Mit viel Knete, Wolle und Glitzerkleber bauen die Kinder ihre Fantasieinsekten und präsentieren sie dem begeisterten Publikum.

In der Welt der kleinen Forscher sorgen Insekten für Sicherheit und Ordnung, indem sie mithilfe ihrer Magnetbeine Müll aufsammeln oder es den Passanten erst gar nicht ermöglichen, unbeobachtet Müll neben den Mülleimer zu werfen. Zauber-Man und Minifledermaus sehen alles und sind sensibilisiert auf Untaten! Die Froschvogelfliege und der Wespenkiller sind darauf spezialisiert störende Insekten zu fangen, damit jeder das vom Obstpflückerkäfer gesammelte und gekühlte Obst entspannt essen kann. Und für ein schattiges Plätzchen an einem heißen Sommertag sorgt der Riesenschmetterling mit seinen weiten Flügeln.

Beim nächsten Treffen im März kommen die BUGA-Entdecker auf dem BUGA-Gelände zusammen. Es bleibt spannend, was sie dort erforschen und entwickeln werden.

 

Boxx@Night Nr. 3: In stillen Nächten – Rammstein mal anders

Frank Lienert-Mondanelli präsentiert seine Lieblingsband
After-Show-Party mit Stella Goritzki

„Ich bin Rammstein-Fan der ersten Stunde“, bekennt Frank Lienert-Mondanelli. Wie bitte? Das Publikum kennt den Schauspieler als großen Liebhaber klassischer Texte, der unter anderem mit einem Balladen-Abend mit Meisterwerken von Schiller, Heine und Co. oder dem Solo „Reinecke-Fuchs“ von Johann Wolfgang von Goethe das Publikum begeisterte. Auch auf der großen Bühne erleben ihn die Zuschauer  als eher die feine Klinge führenden Darsteller.

Dass Rammstein, die musikalischen Protagonisten der „Neuen deutschen Härte“ seine Lieblingsband sind, von der er regelmäßig Konzerte besucht,  würde man deshalb nicht unbedingt vermuten. „Doch, doch – schon seit ihrem ersten Album ‚Herzeleid'“, sagt der Mime. Das schaffte es nach seinem Erscheinen im Jahre 1995 „nur“ auf Platz 99 der Albumcharts und kletterte erst mit dem Erfolg des zweiten Albums „Sehnsucht“ (1997) ebenfalls in die Top Ten, die danach jedes Album der Band erreichen sollte. In Theaterkreisen verbreitete sich Mitte der 90er Jahre eine fast professionell motivierte Begeisterung für diese Band. Weniger wegen des brachialen Musikstils, als vielmehr wegen der doppelbödigen Texte und der opulenten Bühneninszenierung, die ihresgleichen sucht. Heute gelten „Rammstein“ als wesentlichster zeitgenössischer Kulturexport Deutschlands. Die Band ist mit Preisen überschüttet, spielt in riesigen Konzertarenen in aller Welt und hat, so heißt es immer wieder augenzwinkernd, mehr für die Verbreitung der deutschen Sprache getan als das Goethe-Institut. In Paris, Moskau, New York singen die Fans die  Texte mit, und in Skandinavien sind sie sogar Schulstoff.

Diese Texte stammen alle von Till Lindemann, dem charismatischen Sänger mit der tiefen Stimme und dem rollenden R. Dass er auch seit über 20 Jahren Gedichte schreibt, ist nicht ganz so bekannt, obwohl seine beiden Gedichtbände „Messer“ (2005) und „In stillen Nächten“ (2013) für Lyrik ganz außergewöhnliche Verkaufszahlen erreichen. „Hier lernen wir einen ganz anderen Till Lindemann kennen“, sagt Frank Lienert-Mondanelli. Einen sehr verletzlichen, der in  Zwiesprache mit dem Publikum tritt, mit Texten voller Wehmut und Sehnsucht, aber auch voller Abgründe. Der Sohn des DDR-Kinderbuchautors und Lyrikers Werner Lindemann bedient sich hier zum Teil einer aus der Zeit gefallenen Sprache, verschiedener Motive der Romantik sowie der Kunst der Andeutung. Damit trifft er den Liebhaber der klassischen Lyrik Frank Lienert-Mondanelli mitten ins Herz. Diese Gedichte werden einen wesentlichen Teil der Boxx@Night Nr. 3 ausmachen. Außerdem gibt es Ausschnitte aus dem druckfrischen Buch eines anderen Bandmitglieds, des Keyboarders Christian „Flake“ Lorenz: „Heute hat die Welt Geburtstag“. Darin blickt Flake zurück auf die Anfangszeit von Rammstein und die ersten Erfolge. Der Musiker erzählte in einem Interview: „Im Prinzip ist das Buch so, als würde man mich nachts in der Kneipe treffen und ich erzähle einfach die ganze Nacht durch.“
Nun, die ganze Nacht wird dieser Teil der Boxx@Night Nr. 3 nicht dauern, denn es gibt wie immer eine After-Show-Party – diesmal mit einem weiblichen DJ aus dem Ensemble: Stella Goritzki.

Lucy Scherer in „Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken“ – Premiere am 17. März 2018

Unsere „Schurken“ werfen ihre Schatten voraus: Für die weibliche Hauptrolle im turbulenten Musical „Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken“ ist es uns gelungen, Musical- und TV-Star Lucy Scherer zu gewinnen. Ab 17. März singt, spielt und tanzt sie auf der Bühne des Großen Hauses die Rolle der „Seifenkönigin“ Christine Colgate, auf deren Geld und Ehre es unsere beiden „Schurken“ Stefan Eichberg und Oliver Firit abgesehen haben. Neben Hauptrollen in den TV-Serien „Hand aufs Herz“ (SAT1) und „Sturm der Liebe“ (ARD) ist sie durch die großen Musicals im Palladium Theater Stuttgart bekannt, als Adrian in „Rocky“, in der Hauptrolle in „Rebecca“, als Sarah in „Tanz der Vampire“ und als Glinda in „Wicked – Die Hexen von Oz“. Mit „Rocky Horror“- und „Schurken“-Regisseur Thomas Winter hat Lucy Scherer im letzten Jahr für das Theater Bielefeld die Uraufführung des Musicals „Das Molekül“ auf die Bühne gebracht.

BOXX@Night Nr. 2 am 16. Dezember um 21.30 Uhr

Hannes Rittig spielt „Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“/After-Show-Party mit Tobias D. Weber

Apple ist die Kultmarkte der Computerbranche. Ihr Erfinder Steve Jobs (1955-2011) wird als Technik- Guru verehrt, und das Bekenntnis zu seiner Marke mit dem angebissenen Apfel als Logo grenzt schon fast an eine Religion. Auch der amerikanische Autor und Schauspieler Mike Daisey war ein Apple-Jünger und betete zum iGod Steve Jobs. Als er eines Tages auf seinem neuen iPhone Testfotos aus dem chinesischen Foxconn-Werk fand, die etwas von den dortigen Arbeitsbedingungen erahnen ließen,  reiste er an den Ort der Entstehung seiner geliebten Elektronikgeräte. Und seine Liebe bekam einen Riss. Dort, im chinesischen Shenzhen, blickt er in den Abgrund der Verzauberung von iPhone, iPod, iMac und iPad.
„iCity“ so heißt die gigantische Fabrikwelt. In die Schlagzeilen geriet der Konzern Foxconn, als er nach mehreren Selbstmorden von Mitarbeitern im Jahr 2010 Fangnetze zwischen die Hochhäuser spannen ließ. Seine Eindrücke verarbeitete Daisey in dem Monologstück  „Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“.

Schauspieler Hannes Rittig entführt uns in der BOXX@Night Nr. 2 am 16. Dezember ab 21.30 Uhr in die Apple-Welt mit all ihren Lichtgestalten  und Schattenseiten. Mit viel Humor drängt er sich zwischen uns und unsere iPhones und erzählt von einem  glühenden Apple-Verehrer, der seine Unschuld verliert und von dessen großem Heroen Steve Jobs. Dieser urkomische und zugleich erschütternde Monolog von Mike Daisey spielt mit den Mitteln von Comedy und Infotainment.  Hannes Rittig spielte ihn  bereits vier Spielzeiten lang mit bis zuletzt  ungebrochener Nachfrage in seinem früheren kleinen Theater im „Koeppen“, dem Literaturhaus und Café im Geburtshaus von Wolfgang Koeppen in Greifswald. Jetzt hat er den von Uta Koschel eingerichteten Abend mit nach Heilbronn gebracht. Er selbst gehört nicht zu den Apple-Jüngern, ist aber ein großer Computerfan. Seinen ersten Computer bekam der in der DDR in Halle/Saale aufgewachsene Mime als Schüler Ende der 1980er Jahre: einen Commodore 128 D. Den kaufte seine Großmutter im Intershop – das waren jene Läden in der DDR, in denen man Produkte aus dem Westen ausschließlich für D-Mark einkaufen konnte. Damit war Hannes Rittig seinerzeit den Klassenkameraden in Sachen Heimelektronik weit voraus. Er verbrachte einen Großteil seiner Freizeit an dem Gerät, schrieb selbst Programme und wollte sogar Computerdesign an der Kunsthochschule studieren, bis er sich dann  doch für die Schauspielerei an der Leipziger Hochschule für Schauspielkunst „Hans Otto“ entschied.

Dort studierte er übrigens zusammen mit Tobias D. Weber und ist seitdem eng mit ihm befreundet. Die beiden sind glücklich, in Heilbronn jetzt zusammen in einem Ensemble zu sein. Auch die Boxx@Night Nr. 2 bestreiten sie zusammen. Tobias D. Weber ist diesmal  DJ der After-Show-Party.

 

 

Bleib nicht stehen, renn!

 Schüler des Robert-Mayer-Gymnasiums Heilbronn haben das Stück „Running“ besucht und sich in einem Workshop intensiver damit auseinander gesetzt. Haben sie sich wiedererkannt? Das beschreiben zwei von ihnen hier:

Ein Bericht von Aleyna Karablut & Omen Dalal

Wovor laufe ich weg? Wogegen laufe ich? Was ist mein Ziel?

„Running“ steht im Fokus dieser Fragen und des Unterrichts des Kunstkurses der Jahrgangsstufe 1 am Robert-Mayer-Gymnasium. Wir Schüler unternahmen nämlich einen kleinen Ausflug zum Theater-Workshop in Heilbronn. Schon gleich fing der zunächst farblose Tag mit Musik und Bewegungen an. Die Theaterpädagogin Lisa Spintig ahmte mit uns das Theaterstück nach, indem wir in Gruppen unser Gegenüber imitierten. Dadurch wurde die Zusammenarbeit der Schauspieler und der Tänzer dargestellt. Weitere Gruppenspiele erschufen in uns ein indirektes Bühnengefühl, wodurch wir uns in die Tänzer und die Schauspieler besser hineinversetzen konnten.

Anschließend war das künstlerische Potenzial gefragt! Denn was wäre ein ganzer Kunstkurs ohne Malerei?

Dabei setzten wir uns mit dem Thema „Running“ auseinander und versuchten es so gut wie möglich bildhaft darzustellen. Dafür skizzierten wir in Gruppen einen rennenden Menschen. „Wohin renne ich?“ „Wieso renne ich?“ diese und ähnliche Fragen wurden rund um dieses Thema gestellt. Die Gedanken und die Ideen sind erst dann verwirklicht worden, nachdem wir die Ehre hatten, den Schauspielern und den Tänzern persönlich bei der Probe zuschauen zu dürfen. Dreißig Minuten voller Energie und Begeisterung. Ihre tiefgründige Message gemixt mit HipHop und Rap brachte uns sowohl zum Mitfiebern als auch zum Nachdenken. „Wir haben mit dem Gedanken rennen angefangen und wollten unseren Ideen mit dem Tanzen und den Bewegungen mehr Ausdruck verleihen.“, so die Autorin Anna Konjetzky.

Running, ein einfacher Begriff mit vielen Facetten.

Rennen, wie die innere Unruhe. Rennen, um sich selbst zu finden. Rennen, um dem stressigen Alltag zu entfliehen. Rennend durch den Raum mit ungewöhnlichen Tanzbewegungen und belebender Musik. Ein Stück, das die Jugendlichen berührt und ihre Lebenssituation repräsentiert. Jedoch war das Stück kürzer als erwartet und viele aufgeworfene Fragen wurden gegen Ende hin trotzdem nicht geklärt. Zu viele Interpretationsmöglichkeiten, aber wenige Antworten. Hat das offene Ende dann seine gewünschte Wirkung erzielt? Haben wir etwas von dem Stück lernen können? An dem Punkt gingen die Meinungen auseinander. Dass die Aufführung jedoch einen Großteil unseres Lebens beschrieb, darin waren wir uns einig.

Kein perfektes Stück, was aber in Anbetracht des Themas wieder perfekt wird.

 

 

Novemberblues? Nicht mit uns!

Föhnen am ganzen Körper, heißer Kakao, warme Farben oder ein Hund helfen gegen schlechte Laune in der dunklen Jahreszeit.

Von Burcu Sahin

Wem geht es nicht so? Es regnet pausenlos, draußen ist es  grau und kalt. Das enorme Verlangen nach Schlaf und Süßigkeiten beherrscht einen. Trägheit macht sich breit. Alles Anzeichen für den allbekannten Novemberblues. Auch im Theater beginnen viele Unterhaltungen mit den Worten: „Dieses Wetter schlägt einem voll auf’s Gemüt …“ Doch muss das so sein?  Ich habe mir überlegt, ein paar Ratschläge hier im Theater zu sammeln. Ein paar Inspirationen zu bekommen, um aus dieser düsteren Laune herauszukommen und das Gemüt effektiv zu erhellen.

Fangen wir an:

Als allererstes habe ich meine Nachbarin im Büro gefragt, wie sie am besten mit dem Novemberblues umgeht. Silke Zschäckel ist hier Pressereferentin und meinte: Ganz einfach, sich nicht vom Wetter runterziehen lassen! Denn ändern kann man es ohnehin nicht. Es tut außerdem gut,  sich mit warmen Farben (Herbstblumensträuße) und schönen Düften (Parfüm aufs Handgelenk und regelmäßig daran schnuppern) zu umgeben, das gibt einem gleich ein ganz anderes Gefühl. Ein guter, heißer Tee mit viel Ingwer und Mango oder Minze wäre auch eine Idee.

Nina Ay im Büro nebenan hat gerade ihre Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau abgeschlossen. Sie hat einen ungewöhnlichen Tipp gegen die Novemberkälte. Sie föhnt sich am ganzen Körper. Sie sagt, sie würde das am liebsten den ganzen Tag machen, sie liebt es einfach so sehr. Die warme Luft, die sie umhüllt, erhellt ihre Stimmung ungemein. Zwar steigen die Stromkosten enorm, aber wie gesagt: ihre Laune macht es auch.

Rebekka Mönch, die Leitung des Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit ist schwer begeistert von ihrer Tageslichtlampe, mit der sie jeden Morgen nicht nur sich sondern auch ihren kleinen Sohn aus den Federn lockt. Und was auch auf gar keinen Fall fehlen darf, ist ganz viel Kakao. Die Schokolade und die warme Milch, diese Kombination macht auch es einfach aus.

Sophie Püschel, Dramaturgin, antwortet  zunächst: Möglichst viel arbeiten, dann merkt man nichts davon. Doch dann meint sie auch, dass das nicht alles sein kann. Sie genießt die Gesellschaft ihrer WG-Mitbewohner und freut sich über die Abende, an denen man gemeinsam kocht und sich einfach mal unterhalten kann. Gegen die Kälte, da waren wir uns beide einig, helfen Wärmflaschen und dicke, flauschige Socken!

Ein Stockwerk weiter oben war ich zunächst bei Michéle-Jarry Anton, sie ist nun seit 38 Jahren bei uns im Haus und hat hier vielleicht so einige Male den Novemberblues mitbekommen. Wenn sie merkt, dass es um sie herum düster wird, umgibt sie sich mit vielen bunten Farben. Ab und zu, meinte sie, schließt sie gerne die Augen und macht einen geistigen Spaziergang an den Strand. Ein kurzer Ausflug in Gedanken, einfach mal an die Wärme auf der Haut, den feinen Sand und an das Meer denken.

Eine Tür weiter sitzt Kerstin Klier, sie ist die Leiterin der Verwaltung. Für sie gibt es keinen Novemberblues. Sie sagt, sie ist so geerdet, sie hat sowas nicht. Kerstin Klier liebt den Schnee, die Sonne, den Regen – eigentlich jedes Wetter. Für sie wird jede Jahreszeit so angenommen wie sie kommt. Auch schön.

Gleich daneben ging es gerade so weiter, Petra Ostermann ist die persönliche Referentin des Intendanten und wusste auch nichts von einem Novemberblues. Sie sagte klipp und klar, sie hat einen Hund, da geht sowas nicht. Mit ihm geht sie täglich mindestens zwei Stunden in der Natur spazieren, egal bei welchem Wetter. Ihr Hund muss raus, komme was wolle. Die Spaziergänge in der frischen Luft helfen ihr sehr, den Vitamin D Haushalt im Gleichgewicht zu halten. So kann nichts schief gehen.

Bei unserem Intendanten, Axel Vornam, kam als allererste Antwort: Novemberblues? Einfach ablehnen! Wenn ich das nicht will, dann hab ich das auch nicht, war sein Ratschlag. Er empfiehlt mir von Artur Schopenhauer „Die Welt als Wille und Vorstellung“, obwohl er sich danach doch nicht mehr so sicher war, ob manche nach dieser Lektüre nicht erst recht dem Novemberblues verfallen würden. Einen Versuch ist es bestimmt wert.

Wieder im mittleren Stockwerk zurück habe ich Bianca Sue Henne, die Leiterin des Jungen Theaters, fragen können, wie sie mit dieser Zeit am besten umgeht. Ihr Rezept ist Meditation, am besten ohne irgendwelche Geräusche. Sie sucht die Stille. Dadurch kann sie sich entspannen und sich wieder dem Alltag widmen.

Von Lisa Spintig, Theaterpädagogin, kam als Antwort. Heiße Milch mit Honig. Fertig.

Meine kleine Fragerunde im Haus hat sich als erfolgreicher herausgestellt als ich erwartet hatte. So viele unterschiedliche Tipps. Ich  bin mir sogar sicher, dass man mit einigen Ratschlägen tatsächlich etwas bewirken kann. Mir persönlich hilft auch immer einfach ein großes Stück Schokolade, gekoppelt mit einer guten Serie. Denn manchmal darf man diese Trägheit auch einfach akzeptieren. Das Wichtigste ist nur, sich dem nicht vollkommen hinzugeben und die schlechte Laune im traurigen Monat November über die Lebensgeister gewinnen zu lassen.

In diesem Sinne, kommt durch  die dunkle Jahreszeit!

Eure Burcu

Neu im Ensemble: Patrick Isermeyer

Patrick Isermeyer hatte seinen Einstand mit einem Soloprogramm in der BOXX über seine ersten Eindrücke von Heilbronn in der Langen Kulturnacht. Er ist der heiratsunwillige Prinz in „König und König“ und Dani in „Die Windmühlen“. Und bald spielt er in unserem ersten Theaterstück für die Allerkleinsten „Klopf Klopf“.

Sein Weg ans Theater war alles andere als geradlinig. Das Leben hatte ihn viele Wege ausprobieren lassen, bevor Patrick Isermeyer herausfand, dass die Schauspielerei der Beruf ist, der ihm am meisten entspricht. Aufgewachsen ist er in verschiedenen kleinen Orten rund um Frankfurt/Main. Seine Mutter ist Stewardess bei der Lufthansa, deshalb die Nähe zum Flughafen. Sein Vater ist Musiker und stammt aus Trinidad und Tobago. Er leitete einen berühmten Gospelchor, die „Jackson-Singers“,  mit dem er durch ganz Europa tourte, und er hatte eine Band mit der er Reggae und Calypso spielte.
“Meine ganze Kindheit war von Musik bestimmt und von dem Gefühl, anders zu sein“, erinnert sich Patrick Isermeyer.  Er war und ist ein Freigeist, unangepasst und meinungsstark. Das haben ihm seine Eltern so beigebracht. Doch in der Schule ist er deshalb ständig angeeckt. Dementsprechend schlecht waren seine Noten. Dass er Jahre später sein Abitur an der Abendschule mit der Traumnote 1,0 ablegen würde, konnte er in dieser rebellischen Zeit nicht ahnen. Er verließ die Schule in Deutschland, ging ein Jahr auf die High-School nach Amerika. Nach einem erneuten Intermezzo an einem deutschen Gymnasium brach er die Schule ganz ab und reiste mit einem Freund durch die Philippinen. Wieder in Deutschland begann er als Barkeeper zu arbeiten und entdeckte auf diese Weise die Gastronomie für sich. Er fand Freunde, die wie er einen multikulturellen Hintergrund hatten, und absolvierte in einem Grandhotel in Wiesbaden eine Ausbildung zum Europahotelfachmann. Gleich im Anschluss begann er in der Buchhaltung eines großen Hotels zu arbeiten und bekam mit 23 Jahren schon die Leitung seiner eigenen Abteilung übertragen. Noch immer verschwendete er keinen Gedanken ans Theater. Stattdessen arbeitete er an seiner Karriere im Hotelwesen. Wenn er weiterkommen wolle, führe kein Weg an der Hochschulreife vorbei, riet ihm sein Chef. Also drückte er nach der Arbeit die Schulbank – mit bereits oben erwähntem Ergebnis 1,0. Viel wichtiger war aber das Fach „Darstellendes Spiel“, das er während dieser Jahre hatte. Seine Dozentin erkannte in ihm ein großes Talent. Patrick Isermeyer entdeckte seine Begeisterung fürs Spielen und war plötzlich ganz bei sich. Er schrieb alle Karriereaussichten in den Wind und bewarb sich an der Schauspielschule in Mainz. „Musik, Bewegungstalent, meine Freiheitsliebe – alles, was mir meine Eltern in die Wiege gelegt haben und was meine Persönlichkeit ausmacht, war nun gefragt.“ Weil Talent allein nicht reicht, hat er hart an sich gearbeitet. Besonders an der Perfektionierung seiner Sprache. Bereits während der Ausbildung hatte er Engagements am Staatstheater Wiesbaden, im Theater auf Tour Darmstadt und im  Theater Dinkelsbühl. Außerdem wirkte er bei diversen Film- und Fernseh-Projekten des Hessischen Rundfunks mit, z.B. im Fernsehfilm  „Kaltfront“ und zuletzt beim Frankfurter Tatort.  Jetzt hat er sein erstes festes Engagement im Jungen Ensemble. „Heilbronn ist eine spröde Stadt, aber mit vielen schönen Ecken, die man erst einmal finden muss“. Den Neckar und die Weinberge hat er schon für sich entdeckt. Das Theater lernte er als eingeschworene Gesellschaft mit einem großen Gemeinschaftssinn kennen, in die man  schnell aufgenommen wird.“ Patrick Isermeyer will spielen, spielen, spielen und  viel lernen. „Ich erhoffe mir eine Weiterentwicklung meiner selbst – spielerisch und auch menschlich.“