„Zwei Standpunkte, beide berechtigt“

Über die Konzeptionsprobe zum Probenstart von „Minsk“ (UA)

Minsk

Ein Probenstart löst immer ein Kribbeln aus, eine Anspannung, weil etwas Neues beginnt und noch keiner ein klares Gefühl dafür hat, wie die Zusammenarbeit in den nächsten Wochen sein wird. Besonders aufregend ist es, wenn es sich um eine Oper handelt, die noch nie zuvor gehört wurde, wie am Montagabend auf der Probebühne im Kellergeschoss des Theaters Heilbronn.

Nach und nach füllt sich der Raum, bis die Beteiligten versammelt sind. Intendant Axel Vornam eröffnet die Produktion persönlich und stellt zunächst alle im Raum vor: Dr. Christoph Becher (Intendanten des Württembergischen Kammerorchesters), den musikalischen Leiter Ruben Gazarian, Regisseur Christian Marten-Molnár, Ausstatter Nikolaus Porz, die drei Sänger, Ksenija Lukic (Anna), Johanna Greulich (Anoushka) und Niklas Romer (Fyodor) und Judith Heinrich (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim WKO), die Leiter der Gewerke des Theaters (Bühne, Ton, Licht, Schneiderei, Maske, Requisite), die Pressereferentin des Hauses, Regieassistentin Lara Schüssler und nicht zuletzt die Damen und Herren, die als Statisten bei „Minsk“ mitwirken werden. Alle Genannten beschäftigen sich schon mehr oder weniger lange mit der Oper „Minsk“. Das, was morgen beginnen wird, sind die szenischen Proben. Für Gewerke, Sänger, Statisten und Pressereferentin geht es heute darum, einen Gesamtüberblick über das Konzept der Inszenierung zu bekommen. Christian Marten-Molnár schildert seinen Sicht auf das Stück und seine Vorhaben bei der Umsetzung. Mühelos ruft er komplexe Gedankengänge, die er in den vergangenen Monaten beim Studieren von Libretto, Klavierauszug und Partitur aufgebaut hat, und viele Details ab. Er ist ein Experte, der Zuhörer in seinen Bann schlagen kann. „Minsk“, eine Erzählung, die sich kreisförmig bewegt, nicht linear, eine Reise ins Innere, die zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehrt, drehe sich um eine Entscheidung, die die Hauptperson Anna einmal getroffen hat und die sie nun bereut. Als sie Minsk verließ, ließ sie Dinge zurück, die sie nicht ersetzen konnte – ihre innere Stärke, ihre Liebe, den Ort, dem sie sich zugehörig fühlt. In London fühle sie sich fremd. Sie sei nicht angekommen in dem neuen Leben, zwischen Wohnung und Arbeit hin- und herpendelnd, ohne wirkliches Zentrum. Anoushka, wie die zwanzigjährige Anna von allen genannt wird, begegnet Anna im Traum und beharrt darauf, dass sie Minsk verlassen müsse, egal wohin.  Die Auseinandersetzung zwischen Anna und Anoushka sei Herzstück der Oper, macht Marten-Molnár deutlich. Am Ende seien da zwei Standpunkte, die jeweils zu ihrer Zeit ihre Berechtigung haben.

Ausstatter Nikolaus Porz beschreibt, dass er für Annas Gang im Traum von London nach Minsk und zurück als Bühnenbild zwei urbane Ansichten geschaffen habe, beide „kalt“, die eine glatt, bunt, glänzend, die andere grau, trist, aus verwittertem Beton, aus der die rostigen Stahlarmierungen hevorbrechen und erläutert anhand der Figurinen, wie er eine Menschenmasse, in der der Einzelne schwer fassbar werde, zeigen will.

Dramaturg Johannes Frohnsdorf berichtet über Komponist Ian Wilson, über dessen vielfältiges, stilistisch nicht festlegbares Werk – Wilson gehe an jede Partitur neu heran und entwickle eine musikalische Sprache – und Frohnsdorf gibt AUskunft über Librettistin Lavinia Greenlaw. Im Zentrum von Greenlaws Arbeit stehe die Lyrik. Sie verbinde den subjektiven Blick der Wahrnehmung mit großen Wissensystemen wie Medizin, Geographie, Astronomie, etc. Mit einfachen Mitteln bringe sie ihre Texte zum Klingen und die Bedeutung darin zum Schweben, nicht festlegbar, in Unruhe.

Fast zwei Stunden dauert die Konzeptionsprobe. Es ist viel über Komponist Ian Wilson und Librettistin Lavinia Greenlaw zu erfahren. Doch die Zeit sitzt den Besuchern der Probe ein bisschen im Nacken. Sie müssen in die Alte Kelter, zur Konzeptionsprobe des Musicals „Das Appartement“…

 Lesen Sie mehr über Ian Wilson und Lavinia Greenlaw in einem unserer nächsten Blogbeiträge.


Johannes Frohnsdorf

 

Der erste Kultur-Tweetup eines Stadttheaters in Deutschland findet am Sa, dem 16.02.2013, um 9:45 Uhr zu einer Probe der Oper Minsk (UA) im Großen Haus des Theaters Heilbronn statt! Anmeldung an @theat_heilbronn oder @KultUp auf twitter oder an schroeder@theater-hn.de
Wer auf Twitter dem Hashtag #kultup folgt, wird bereits ab dem 21.01.2013 mit Neuigkeiten versorgt, kann am Veranstaltungstag so den Tweetup verfolgen und sich auch aktiv ins Gespräch einbringen. Wer selbst keinen Twitter-Account besitzt, kann die Tweets über die Twitterwall verfolgen: http://kultup.tweetwally.com


Twitter frei aus dem Theater Heilbronn

Erstes Kultur Tweetup (#kultup) eines Stadttheaters von den Proben zu „Minsk“ (UA)

Zuschauersaal Großes HausFoto: Wolfgang Seidl
Zuschauersaal Großes Haus
Foto: Wolfgang Seidl

Als erstes Stadttheater in Deutschland veranstaltet das Theater Heilbronn ein Kultur Tweetup (#kultup). Am 16. Februar um 9:45 Uhr kommen Theaterinteressierte, die sich in der Welt der  Blogs und Tweets zu Hause fühlen, in eine Probe der Oper »Minsk« (UA) von Ian Wilson und Lawinia Greenlaw, die am 3. März im Großen Haus des Heilbronner Theaters  in Kooperation mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn uraufgeführt wird, und berichten live via Twitter von der Probenarbeit. Ihre  Follower lesen die Tweets, sie antworten oder leiten die Kurznachrichten weiter. Unterstützt wird das ganze von KultUp aus Frankfurt. Dahinter verbergen sich Ulrike Schmid und Birgit Schmidt-Hurtienne, zwei Kulturwissenschaftlerinnen, die sich der professionellen Kulturvermittlung über Social Media verschrieben haben. »Wir öffnen Twitterern die Türen der Kultureinrichtungen und Kultureinrichtungen den Weg in den digitalen Raum«, umschreiben die Frauen ihre Mission.

Initiatorin am Stadttheater Heilbronn ist Marketing- und Social Media-Beauftragte Katrin Schröder, die das Theater Heilbronn in den sozialen Netzwerken präsentiert und in dieser Funktion auch von anderen Kultureinrichtungen zu Referaten und Seminaren eingeladen wird. Sie erhofft sich von diesem Weg der Öffentlichkeitsarbeit, dass neue potentielle Zuschauergruppen angesprochen werden. »Wenn das erste Kultur Tweetup (#kultup) erfolgreich ist, könnte dies ein festes Format in der Bewerbung von Inszenierungen werden«, hofft sie.

Wichtig bei einem Kultur Tweetup (#kultup) ist, dass die Twitterer einen ganz außergewöhnlichen Blick auf kulturelle Ereignisse erhalten und diese ihren Followern weitervermitteln. Normalerweise heißt es am Theater immer, auch in der Probe: Handy aus! So ist schon allein die ausdrückliche Aufforderung: Smartphone an und Twitter frei eine Besonderheit.

Der Regisseur der Oper »Minsk«, Christian Marten-Molnar, gewährt den Twitterern exklusive Einblicke in eine spannende Probe – diese sind sonst für die Öffentlichkeit tabu. Und dass die Musik und der Text von »Minsk« noch niemals auf der Welt irgendwo gespielt wurden, dürfte den Reiz  noch erhöhen.

Wer auf Twitter dem Hashtag #kultup folgt, wird bereits ab dem 21.01.2013 mit Neuigkeiten versorgt, kann am Veranstaltungstag so den Tweetup verfolgen und sich auch aktiv ins Gespräch einbringen. Wer selbst keinen Twitter-Account besitzt, kann die Tweets über die Twitterwall verfolgen: kultup.tweetwally.com

Anmeldung für den Tweetup am 16.02., um 9:45 Uhr unter der E-Mail schroeder@theater-hn.de oder via Twitter an @Theat_Heilbronn oder @KultUp.

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Ein gutes Klassenklima ist die beste Prävention

Expertenteam zu Gast bei Proben von »Good morning, boys and girls«

Auf Hochtouren laufen derzeit die Proben zu Juli Zehs Schauspiel »Good Morning, Boys and Girls«. Premiere ist am 18. Januar 2013 um 20 Uhr in den Kammerspielen. In dem Stück geht es um die »Anatomie eines Amoklaufs«. Jens, ein 16-jähriger Außenseiter, der über sich und die Welt grübelt, plant diese Tat. In seiner Fantasie sieht er schon den Medienrummel, den seine Tat auslösen wird: Die Reporterteams, die seine Eltern befragen und in seiner Schule nach den Ursachen forschen. Er war so ein liebes Kind, voller Fantasie, sagt die Mutter. Er war ein Loser, sagt der Vater. Er war anders als seine Mitschüler. Das hat ihn zum Außenseiter gemacht, sagt die Lehrerin.
Bereits zu Beginn der Proben haben Inszenierungsteam,  Schauspielensemble und Theaterpädagogin Katrin Singer eine Expertenrunde eingeladen, um Fragen, die sich in der Arbeit an dem Stoff stellen, klären zu können. Mit all ihrem Wissen und ihrer Erfahrung stellten sich Frau Dr. Marianne Klein, Chefärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie vom Klinikum Weißenhof in Weinsberg, und Reiner Pimpel von der Kriminalpolizei Heilbronn, verantwortlich für den Bereich Kriminalprävention, zur Verfügung. Sehr interessant waren auch die Fragen und Anregungen von Schülerinnen und Schülern vom Psychologiekurs des Theodor-Heuss-Gymnasiums Heilbronn. Die Diskussion drehte sich um die Fragen: Was treibt einen Menschen zu so einer unfassbaren Tat? Kann man einen potentiellen »school shooter« erkennen? Gibt es Warnhinweise? Wann geht man zur Polizei?
Aufmerksam gegenüber seinen Mitmenschen zu sein, empfiehlt Kriminalpolizist Rainer Pimpel als wichtigstes Mittel der Prävention. Außerdem: Mobbing und Ausgrenzung nicht zuzulassen. Grundbedürfnis des Menschen ist, anerkannt und gesehen zu werden, eben »Jemand zu sein«. Wird ein Schüler in seiner Klasse ausgegrenzt oder gar gemobbt, macht sich der Gedanke, dass alle Welt ihn hasse, immer breiter in seinem Kopf.

Diskussionsrunde
Diskussionsrunde

Wird er auch von seiner Familie nicht aufgefangen, findet er keinen Lehrer, der die Not erkennt (so wie es Jens in dem Stück geht) kann es gefährlich werden.
Wie sind solche Menschen psychisch gestrickt, wollte Schauspieler Gabriel Kemmether wissen, der den Jens spielt. »Allen gemeinsam ist eine massiv hohe Kränkbarkeit und eine große soziale Isolation«, sagt  Dr. Marianne Klein. Es ist der stille Schüler. Vielleicht war er nicht immer still, aber er wurde immer stiller. Er »verpuppt« sich, Rachegedanken kanalisieren sich in Tötungsphantasien. Er schreibt innnerlich »das Drehbuch« seiner Rache. Machtfantasien, der Gedanke, durch diese Tat gesehen zu werden, tun ihr Übriges. Ballerspiele sind nicht der Auslöser, sondern eher ein Ventil, um angestaute Aggressionen herauszulassen. Gleichwohl sollte man nicht vergessen, dass diese Shooting-Spiele unter anderem in den USA dazu eingesetzt werden, um Tötungshemmungen der Soldaten herabzusetzen, erklärt Rainer Pimpel.
Eine wichtige Rolle spielen die Medien, beschreibt Frau Dr. Klein. Zum einen gebe es nach umfangreicher Berichterstattung häufiger Trittbrettfahrer, die Amokläufe ankündigen.Zum anderen spielt die mediale Aufmerksamkeit, die ein Amokläufer bekommt, eine große Rolle in den Racheplänen eines potentiellen Täters  (so wie es auch in dem Stück beschrieben wird).
Was erhoffen Sie sich von diesem Stück, fragt Dramaturg Johannes Frohnsdorf in die Runde. Dass das Thema nicht verdrängt wird, denn sich damit auseinanderzusetzen gehört mit zur Prävention, sagt Reiner Pimpel. Er wird auch im Anschluss an ausgewählte Vorstellungen als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Die Sensibilität für die Mitmenschen zu schärfen, das Geflecht an Ursachen wenigstens anzureißen, hofft Frau Dr. Klein.
Mobbing nicht zuzulassen, bei den Mitschülern genauer hinzuschauen, für ein gutes Klassenklima zu sorgen – diesen Effekt wünschen sich die Schüler in der Auseinandersetzung mit dem Stück »Good morning, boys and girls«.
Insofern ist dies nicht nur ein Stück über Amoklauf, sondern darüber, angenommen und gesehen zu werden.

Von Silke Zschäckel, Jana Strigel und Mona Pekarek

Brückenbauer Zwischen Kunst und Technik

Wohl jeder Mitarbeiter des Theaters wurde in seinem Berufsleben schon einmal gefragt: »Und was machen Sie vormittags?« Viele Menschen haben im Kopf, dass an den Abenden die Vorstellungen im Theater laufen, und können sich nicht vorstellen, dass Mitarbeiter dort fast rund um die Uhr und natürlich auch vormittags arbeiten. Zum Beispiel die technische Leitung

Viele Bühnenbildner lieben das Theater Heilbronn. Das liegt vor allem an den Menschen, die dafür sorgen, dass aus ihren Entwürfen ein beeindruckender, gut bespielbarer Bühnenraum entsteht, der schnell ab- und aufgebaut werden kann und trotz opulenter Optik nicht zu teuer ist.
Die Verantwortung dafür trägt das technische Leitungsteam  bestehend aus dem Technischen Leiter Heiko Pfützner und der Produktionsleitung mit Karin von Kries und Reinhard Gerlinger – drei ganz unterschiedliche Menschen, die ein perfektes Team bilden. Heiko Pfützner ist seit Mai 2008 Technischer Leiter des Theaters Heilbronn. Der gelernte Maschinen- und Anlagenbauer kam aus Liebe zur Oper ans Theater. Er begann als Bühnentechniker am Staatstheater am Gärtnerplatz in München, wurde dann Seitenmeister, machte später an der Oper Leipzig seine Ausbildung zum Bühnenmeister, arbeitete in dieser Funktion wieder in München, ging dann nach Hamburg, um den Meister für Veranstaltungstechnik/Beleuchtung zu absolvieren und parallel an der Staatsoper Hamburg zu arbeiten. Dann wurde er stellvertretender technischer Direktor in Kassel. Jetzt hat er als technischer Leiter in Heilbronn die Verantwortung für alle technischen Abteilungen und die  Werkstätten. Er ist immer da und packt am liebsten selbst mit an. »Theater ist mein Hobby«, sagt er. Prägend war für ihn die Erfahrung mit der ersten Oper, bei der er mitgearbeitet hat: »Eugen Onegin« (1994) mit einem gigantischen Bühnenbild. »Ich war sooo stolz«, sagt er. Und dann hat das Publikum die Inszenierung ausgebuht. »Für mich war das unbegreiflich, das tat richtig weh.« Noch heute fiebert er bei jeder Inszenierung mit, lebt für den künstlerischen Erfolg seines Hauses.

TechnischeLeitung
Dass aus einem Bühnenbildmodell eine beeindruckende, gut bespielbarer Bühnenraum wird, dafür sorgen Karin von Kries, Heiko Pfützner und Reinhard Gerlinger – das technische Leitungsteam des Theaters.
Foto: Fotostudio M42

 

Dass er mit Herzblut bei der Arbeit ist und sich niemals »nur« für die technische Lösung seiner Aufgaben interessiert, teilt er mit seinen Kollegen. Reinhard Gerlinger ist gelernter Zimmermann und Bautechniker. Er kam 1985 an das Theater Heilbronn, als ein Mitarbeiter mit handwerklichem Geschick, Sinn für Verwaltung und künstlerischem Interesse gesucht wurde. Seitdem verantwortet er den Bau der Bühnenbilder. Langeweile bei der Arbeit? »Die gibt es nicht.« Wer erinnert sich nicht an den gigantischen 6×6 Meter großen Plattenspieler aus »Kiss me Kate«, der sich wie von Geisterhand öffnen konnte, einen sich drehenden und bespielbaren Plattenteller hatte, auf dem 20 Menschen tanzten und der trotzdem so leicht sein musste, dass er ganz einfach auf die Bühne geschoben werden konnte. Die Vorgabe lautete: Wir brauchen einen großen Plattenspieler, der so einiges können muss. Wie solche Wünsche umzusetzen sind, daran tüftelt Reinhard Gerlinger zusammen mit den Bühnenmeistern und den Werkstätten. Und seit dem Sommer zusätzlich mit  Karin von Kries, die als dritte im Bunde das Leitungsteam verstärkt. Sie hat Architektur studiert, aber schon während ihres Studiums als Bühnenbildassistentin gearbeitet und sich bald danach für das Theater entschieden. »Architektur ist mir zu langsam, und in den großen Büros ist man nur ein kleines Rädchen, hat nie die Verantwortung für ein ganzes Projekt.« Hier verantwortet sie den Bau von rund zehn Bühnenbildern im Jahr. Außerdem macht sie eigene Ausstattungen, wie derzeit für das Stück »Am Horizont«. Rund ein halbes Jahr vor einer Premiere kommt die technische Leitung mit dem Inszenierungsteam zusammen und bespricht das Bühnenbild. Konnten Regisseur und Bühnenbildner später in der Intendanz ihr Konzept überzeugend darlegen, geht es in die Bauprobe. Dort werden die Kulissen aus Sperrholz, Packpapier, Stoffen und alten Bühnenbildteilen angedeutet. Hier wird getestet, ob alle Sichtlinien in Ordnung sind. Können die Kulissen gelagert werden, wenn ein anderes Stück gespielt wird? Sind alle gewünschten Effekte technisch umzusetzen? Und ist das Bühnenbild finanzierbar? Ist alles geklärt, gibt es die Werkstattbesprechung: Bühnenbildner, Produktionsleiter, Bühnenmeister und die Leiter der Werkstätten sitzen zusammen und reden über Materialien, Farben, Stoffe, Oberflächen und die optimale Terminierung der Bauprozesse. Diese strikte Planung fordert von den Künstlern ein sehr klares Konzept. So wird sparsam mit Arbeitskraft und Geld umgegangen. Fragen können sofort geklärt werden, ohne dass Informationen in Hierarchien verloren gehen, und die Kompromisse sind von allen fair ausgehandelt. Hinterher fertigen Gerlinger und von Kries die technischen Zeichnungen, bestellen die Materialien und los gehen die Bauarbeiten. Rund zehn Tage vor der Premiere erleben sie dann gemeinsam mit den Werkstätten und den Technikern ihre kleine Premiere zur Technischen Einrichtung. Dann steht erstmals das komplette Bühnenbild und muss in den nächsten Proben beweisen, dass es alle Herausforderungen besteht. »Die Lösungen, die dieses Team findet, sind oft außergewöhnlich. Nie heißt es, dass etwas nicht geht«, schwärmt Bühnenbildner Tom Musch. Doch das ist für Heiko Pfützner, Reinhard Gerlinger und Karin von Kries nicht der Rede wert. Sie geben das Kompliment weiter an ihre Kollegen in den Werkstätten und der Technik. »Auch da wird kein Dienst nach Vorschrift gemacht, sondern alle tüfteln und suchen kreativ nach den besten Lösungen. Wir sind ein Team«, sagen die Drei, und das ist kein leeres Gerede.

Silke Zschäckel, Pressereferentin

„Kann ich ihnen helfen?“

Fotoshooting zu „Am Horizont“ in der Fußgängerzone

Heilbronn. Es ist kalt. Schauspieler Stefan Eichberg steht im Bademantel in der Fußgängerzone. Verwirrt sieht er sich um. Fußgänger gehen mit gesenktem Blick schnell vorüber, einige stehen in sicherer Entfernung und beobachten ihn. Sie amüsieren sich.
Auf einmal spricht ihn eine Frau besorgt an: „Kann ich ihnen helfen?“. Kurz überlegt Stefan Eichberg ob er weiterspielen soll. Er lächelt und klärt sie auf. Sie ist erleichtert und sieht jetzt Antjé Femfert, die ihn für die Theaterzeitung fotografiert.

Informationen zum Stück: HIER

Antjé Femfert, Theaterpädagogin

„Minsk“ – Cork – Heilbronn.

Ein Gespräch zwischen Christian Marten-Molnár und Ian Wilson, Regisseur und Komponist von „Minsk“

Es ist ein trüber Dezembermittag mit Schneeregen, einer der Tage, an denen die nasse Kälte unter die Mäntel der Fußgänger kriecht und sich die meisten Menschen lieber in gut geheizte Innenräume zurückziehen. Das Theater Heilbronn betritt heute ein Gast, der einen weiten Weg hinter sich hat. Ian Wilson, Komponist der Oper „Minsk“, die am 3. März im großen Haus uraufgeführt werden wird. Nur für einen Tag kommt der Komponist aus dem irischen Cork nach Deutschland. Heilbronn ist eine seiner Stationen in einer Reihe von Arbeitsgesprächen. Christian Marten-Molnár, Regisseur von Minsk, und Wilson wollen die Gelegenheit nutzen, um über das Werk und die Produktion zu sprechen. Die beiden sitzen an einem der dunklen Holztische der Theaterkantine. Das Gespräch meandert erst einmal um „Minsk“ herum. Organisatorische Fragen – Proben der Sänger und des Orchesters – Fragen zur Fassung, die Wilson für Heilbronn geschrieben hat, wechseln ab mit Erinnerungen an Arbeiten anderer Komponisten und Regisseure, die die beiden kennen. Und mehrmals kommt das Gespräch auf „Hamelin“, Wilsons erste Oper. Marten-Molnár war der Regisseur der deutschsprachigen Erstauffürung von „Hamelin“. Der Humor der Inszenierung ist Wilson noch gut in Erinnerung. Normalerweise kommunizieren die beiden über Emails, tauschen Informationen aus. Sie kennen und schätzen einander, doch im Raum der Kantine schwebt heute auch etwas vom Abtasten des Gegenübers. Wilson hat einen Vorteil auf seiner Seite, das Gespräch läuft auf Englisch – seine Muttersprache. Von ihm geht etwas Unterstützendes, Ermutigendes aus. Unaufgeregt, ganz bei der Sache wirkt Wilson, dabei freundlich und zugewandt. In Wilsons Oper „Minsk“, zu der die englische Lyrikerin Lavinia Greenlaw das Libretto dichtete, sehen wir Anna, eine Frau um die Vierzig, die in London lebt. Als junge Frau verließ Anna ihre Heimatstadt Minsk. Im Traum begegnet die Vierzigjährige Anna der jungen Anna (Anoushka), die kurz davor steht, Minsk zu verlassen, und Fyodor, Anoushkas Freund, der in Minsk zurückbleiben wird. Librettistin Lavinia Greenlaw beschreibt, was es mit den Begegnungen im Traum auf sich hat: „Wir werden von Orten verfolgt, die wir in dem Glauben verlassen haben, ein Stück von uns selbst dort verabschiedet zu haben. Wir können zu diesen Orten nicht zurückkehren, denn auch wenn sie noch existieren, so liegt unser Bild von ihnen doch in der Vergangenheit. Wenn wir auf der Suche nach uns selbst sind, machen wir uns auf den Weg dahin. […]“ Kraftvolle Bilder und sprachliche Spiele setzt Greenlaw in ihrem Libretto ein, das eine menschliche Grunderfahrung beschreibt: Ein Stoff für die große Bühne, da sind sich Wilson und Marten-Molnár einig. „Warum ist Fyodor ein Countertenor“, will Marten-Molnár von dem Komponisten wissen. „Was bedeutet das für dich?“ Wilson sucht zuerst nach der Erklärung. Ihm sei es darum gegangen, die Figur zu charakterisieren und letzten Endes um eine Differenz, um die Fremdheit, die dieses Stimmregister auch immer habe. Fyodor sei nicht erwachsen geworden, nicht gereift. Dann geht es um die Fassung der Partitur. Voraussetzung für die Uraufführung von „Minsk“ mit dem Württembergischen Kammerorchester war eine Fassung für Streichorchester und Schlagzeug. Die ursprüngliche Partitur war für eine andere Besetzung gedacht. Jedes Instrument hat unterschiedliche akustische Eigenschaften. Klänge sind plastische, dreidimensionale Gebilde. Eine andere Besetzung bedeutet, dass sich das gesamte Klangebilde verschiebt. Wilson und Marten-Molnár kommen auf die Partitur zu sprechen und sind sich einig, dass eine Bearbeitung vorliegt, mit der man „happy“ sein kann. Es geht auf 14.30 Uhr zu. Der nächste Termin rückt näher. Ruben Gazarian, Chefdirigent des Württembergischen Kammerorchesters erwartet Wilson und Marten-Molnár. Danach geht es für Wilson weiter nach Karlsruhe, wo er eine Freundin trifft, die er seit fünf Jahren nicht gesehen hat, und von dort zum Flughafen. Es ist ein Dienstag. Kein Zufall, dass Wilson heute nach Heilbronn kam. Dienstags gibt es einen Flug, mit dem er noch spät abends nach Cork zurückkommt. In weniger als sieben Stunden wird Wilson wieder zu Hause bei seiner Familie sein.

(Johannes Frohnsdorf, Dramaturg)

v.l.n.r.: Christian Marten-Molnár, Ian Wilson, Ruben Gazarian

 

„Reineke Fuchs“ jetzt als Hörbuch

Frank Lienert-Mondanelli hat Goethes Versepos im Studio aufgenommen

Verkaufsstart der limitierten Auflage am 1. Advent im Besucherservice des Theaters

Mit der Inszenierung von  „Reineke Fuchs“, Goethes berühmtem Versepos in 12 Gesängen über einen verbrecherischen, aber überaus listigen und  charismatischen Fuchs, hat  Schauspieler Frank Lienert- Mondanelli seine Zuschauer in den Kammerspielen begeistert. Jetzt hat er „Reineke Fuchs“ im Studio als Hörbuch aufgenommen. Die Doppel-CD für 15 Euro ist ab dem 1. Advent, pünktlich zur 1. Vorstellung der Weihnachtsmatinee, im Besucherservice des Theaters zu  erwerben.

Das Besondere an dieser Aufnahme: Sie wird nicht gelesen, sondern eben gespielt.  Frank Lienert-Mondanelli schlüpft in die Rollen sämtlicher Tiere dieser Fabel, mit der Johann Wolfgang von Goethe 1793 ein treffendes Bild der lasterhaften  menschlichen Gesellschaft  zeichnete: Reineke erscheint als einziger nicht zum Hoftag von Nobel dem Löwen,  König der Tiere. Denn er hat ein schlechtes Gewissen, weil er so viele Tiere geschädigt hat. Vor allem dem Wolf Isegrim hat er übel mitgespielt und dessen Weib mehrmals entehrt. Und dem Hahn Henning hat er fast sämtliche Kinder geraubt. So schickt der König den Bären als Boten, um den Fuchs an den Hof zu zitieren. Doch Reineke packt Braun bei seiner Gier und schickt ihn in eine lebensgefährliche Falle. Nur seinem Vetter, dem Dachs, gelingt es, ihn an den Hof zu holen. Dort tischt er dem König abenteuerliche Lügen auf, wird freigesprochen und unternimmt gleich die nächsten Gräueltaten.  Jetzt kann er dem Galgen nicht mehr entkommen, glaubt man, um gleich darauf erleben zu können, wie listenreich und klug er  sich immer wieder heraus windet und  über alle seine Gegner triumphiert, weil sie über ihre eigene Lüsternheit,  Bosheit und Dummheit stolpern. Solche Leute braucht der König, ist er doch schließlich selbst der größte Räuber. Er macht Reineke zu seinem Kanzler.  Was für ein  fröhlicher Hohngesang auf den Umgang mit Recht und Gerechtigkeit, auf unsere doppelte Moral! Goethe endet mit den prophetischen Worten: „Denn so ist es beschaffen und so wird es bleiben…“ Das mag einen zwar nicht hoffnungsvoll stimmen, dass irgendwann einmal Ehrlichkeit und Güte die Eigenschaften sind, mit denen man sich auf dieser Welt durchsetzen kann. Aber es macht umso mehr Lust auf diesen alten Text, der zu so vielen ewig gültigen Erkenntnissen verhilft.

Das Hörbuch ist ein Muss für alle Freunde der Goetheschen Versschmiedekunst,  für alle Liebhaber des klug gesprochenen Wortes und alle Fans von Frank Lienert-Mondanelli.

Silke Zschäckel, Pressereferentin

Gemeinsamer Probenstart von Gerhart Hauptmanns Einsame Menschen

Diese Woche geht das große Proben wieder los! Die Heizungen auf sämtlichen Probebühnen des Theaters laufen wieder auf Hochtouren und müssen mehrer Stunden am Tag durchhalten (3 Mal auf Holz geklopft!), denn sämtliche Schauspieler des Ensembles proben wieder. Am Montag ging es los mit dem Jugendstück „Good morning, boys and girls“ von Juli Zeh und am Freitag folgt dann Petra Wüllenwebers Stück „Am Horizont“.
Am Dienstag starteten die Proben zum Drama „Einsame Menschen“ von Gerhart Hauptmann. Doch auf der Probebühne in der Alten Kelter ging es alles andere als einsam zu. Unsere Premierenklasse zum Stück war vollzählig versammelt, sämtliche Mitarbeiter der Gewerke (Ton, Maske, Schneiderei …), der Öffentlichkeitsarbeit und Dramaturgie waren vertreten und natürlich auch die Schauspieler und das Inszenierungsteam um Regisseur Alejandro Quintana. Nach einer kurzen Einführung in Umsetzungskonzept, Bühnenbild und Kostümvorstellungen sowie Stück und Autor ging es gleich ans „erste Lesen in verteilten Rollen“. Bewaffnet mit Bleistift, Radiergummi und Textmarker hatten wir trotz der Stückunterschrift „Drama“ doch viel Spaß beim Lesen, den wir sicher bis zur Premiere am 12. Januar 2012 auch nicht verlieren werden.

Stefanie Symmank, Dramaturgin

Unsere Neuen – Tricks und Raffinessen für den Nachwuchs

Chefmaskenbildnerin Caroline Steinhage liegt besonders die Ausbildung junger Leute am Herzen

»Ein Schauspieler vor der Premiere ist wie ein Hochleistungssportler direkt vor dem Start«, sagt Chefmaskenbildnerin Caroline Steinhage: »Hochkonzentriert, angespannt, aufgeregt. Bei uns in der Maske hat er die letzten Minuten vor dem Auftritt, in denen er sich sammeln kann. Er soll sich entspannen, gar nicht merken, dass an ihm gearbeitet wird, noch einmal die Ruhe genießen, bevor er raus muss.« Das Aufsetzen der Perücke und das Schminken des Gesichts helfen ihm schließlich in die Rolle hinein. Sich selbst zurückzunehmen und ganz in den Dienst der professionellen Verwandlung der Schauspieler zu stellen, so sieht Caroline Steinhage ihre Aufgabe am Abend. Tagsüber sitzen die Maskenbildner nicht in den Schminkräumen direkt neben der Bühne, sondern in ihrer Werkstatt unterm Dach. Dann werden Perücken,  Haarteile, Masken und Glatzen aus verschiedenen Materialien hergestellt oder Schminkmasken ausprobiert und mit den Kostümbildnern besprochen. Außerdem werden alle Perücken, die am Vorabend in der Vorstellung gebraucht wurden, gereinigt und wieder frisiert.
Seit September leitet Caroline Steinhage die Abteilung Maske am Theater Heilbronn. Aus privaten Gründen hat es sie von der Kieler Oper, wo sie bereits 8 Jahre lang als Chefmaskenbildnerin tätig war, nach Süddeutschland verschlagen. Für sie heißt die Arbeit in der Tagschicht nicht nur, selbst Hand anzulegen und die Arbeit ihrer drei Kollegen zu koordinieren, sondern auch den Etat zu verwalten und zu bestimmen, welche Materialien eingesetzt werden.
Vor allem aber gibt sie als Ausbilderin ihr Können an die zwei Azubis der Abteilung weiter. Handwerkliche Tricks und Raffinessen, Stilkunde, Modellieren, Frisier- und Schminktechniken … Die gute Ausbildung von Nachwuchs liegt ihr sehr am Herzen. Erst seit 10 Jahren gibt es staatlich anerkannte Rahmenbedingungen für diese Berufsausbildung. Die Praxis wird an den Theatern gelehrt, die Theorie in der Berufsschule. Den Beruf des Maskenbildners gibt es überhaupt erst seit 30-40 Jahren. Vorher kam der Friseur aus dem Geschäft nebenan und hat die Schauspieler, die sich selbst geschminkt haben, bei ihren Frisuren unterstützt.
Auch Caroline Steinhage hat nach dem Abitur in Wiesbaden eine Friseurlehre absolviert, um daran anknüpfend in Karlsruhe und Mainz eine Ausbildung zur Maskenbildnerin machen zu können. Dass sie das will, wusste sie schon als Jugendliche. Sie wirkte im Jugendtheaterclub des Staatstheaters Wiesbaden mit,  hatte Ballettunterricht und sah ihre Zukunft am Theater und nirgends sonst. »Für die Bühne fehlte mir die Passion«, gesteht sie. »Aber als Maskenbildnerin bin ich ganz dicht dran und habe die perfekte Kombination aus Handwerk, Kunst und dem ganz speziellen Theaterflair, das ich nie missen möchte.«

Silke Zschäckel, Pressereferentin

MIT CAROLINE STEINHAGE ALS CHEFIN HABEN AUCH MARINA ZIEBOLD (hinten) UND IRIS GROZDANOSKA (vorne) NEU IN DER MASKE ANGEFANGEN.
Foto:Fotostudio M42

Unsere Neuen: Vom Börsenparkett ins Theater

Petra Ostermann ist die persönliche Referentin des Intendanten  

Vom Börsenparkett auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Kann es einen größeren Bruch in der beruflichen Laufbahn geben? Bei Petra Ostermann aus dem schönen Weinort Schwaigern, nahm das Leben genau diesen Lauf. Seit April ist die frühere Bankerin persönliche Referentin des Intendanten, nachdem sie vorher vier Jahre als Statistin auf der Bühne und als Souffleuse den Theaterbetrieb von der Pike auf kennengelernt hat. Doch der Reihe nach.
Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium machte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Nach einigen Jahren in der Kundenberatung wechselte sie in ein Familyoffice, um sich um Wertpapiere, Kunst und  Immobilien einer Privatperson zu kümmern. »Das war eine spannende Zeit«, erinnert sie sich. Danach machte sie große Karrieresprünge, die allerdings in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer persönlichen Zufriedenheit standen. Als Mitarbeiterin einer internationalen Kanzlei in Stuttgart, die in der Boomphase des Neuen Marktes die Börsengänge von Unternehmen begleitete, und als Schriftführerin im Aufsichtsrat einer börsennotierten Aktiengesellschaft wurde die Zeit zum Luftholen immer knapper. Sie ging zurück zur Bank, spezialisierte sich auf Wertpapiere und war in der Derivate-Beratung tätig. Doch die Interessen ihrer Bank und die der Kunden gleichermaßen zufriedenzustellen, das schien ihr oft eine Sache der Unmöglichkeit zu sein. »In der Mitte des Berufslebens kommt wohl bei vielen Menschen ein Moment, in dem sie sich fragen, ob sie so weitermachen wollen«, sagt Petra Ostermann. »Immerhin hat man noch die Hälfte der Arbeitsjahre vor sich.«
Sie gönnte sich eine Auszeit, wollte in Ruhe nachdenken. Da las sie in der Heilbronner Stimme einen Aufruf für ein Statisten-Casting. Tanz- und sangesfreudige junge Damen für das Musical »Cabaret« wurden gesucht. Da sie schon immer gesungen hat, sehr sportlich ist und sich gut bewegen kann, meldete sie sich an, wurde genommen, tauchte ein in die Theaterwelt, und das zweite (Berufs-)Leben der Petra Ostermann nahm seinen Lauf. Die nächste Rolle hatte sie als Krokodil im Märchen »Räuber Hotzenplotz«. Dann sprang sie für eine erkrankte Souffleuse ein, machte ihre Sache gut und wurde seither immer wieder engagiert. Als dann Arianne Gambino, ihre Vorgängerin im Amt der persönlichen Referentin des Intendanten, ein Angebot vom Schweizer Fernsehen bekam, das sie nicht ausschlagen konnte, fasste sich Petra Ostermann ein Herz und bewarb sich, um fest im Theater zu bleiben. Hier, als Chefmanagerin des Intendanzbüros, in dem sich ständig die Wege der Kunst- und der Geschäftswelt kreuzen, fühlt sie sich genau richtig. Ihre Leidenschaft für Betriebswirtschaft und ihre Fähigkeit zu präsentieren, kann sie genauso einbringen wie ihre Sensibilität und Begeisterung für die Künste, die in allen Ausprägungen am Theater versammelt sind. Was diese Arbeit am meisten von ihrer früheren unterscheidet? »Das Gemeinschaftsgefühl. Hier arbeitet nicht jeder für sich und für seinen größten persönlichen Gewinn, sondern alle zusammen arbeiten für den Erfolg eines Stückes, und sie sind alle zusammen froh, wenn es gut läuft.« Und für eines wird sie künftig immer sorgen: Dass sie nicht nur Zeit zum Luftholen, sondern auch für ihren Hund, fürs Musizieren und fürs Radfahren hat.

Silke Zschäckel, Pressereferentin

PETRA OSTERMANN WECHSELTE NACH DER BANKKARRIERE ANS THEATER UND MANAGT NUN DAS INTENDANZBÜRO.
Foto: Fotostudio M42