Kleidung sagt aus, wie Du gesehen werden willst.

Aus meinem ersten Gespräch mit dem Leiter unserer Kostümabteilung, Manuel-Roy Schweikart, ist bei mir dieser Satz hängen geblieben: »Kleidung sagt, aus wie Du gesehen werden willst.« Jetzt haben wir diesen Faden wieder aufgegriffen. Dabei rausgekommen ist ein spannender Einblick, was Kleidung alles über uns erzählt.

Mit dem Griff in den Kleiderschrank entscheiden wir unterbewusst, wie wir dem Tag begegnen wollen, sagt Manuel-Roy Schweikart, dabei treffen wir jeden Tag eine Aussage über uns selbst. Das kann damit zu tun haben, wie wir uns fühlen oder was von uns erwartet wird. Dahinter stehen jedoch verschiedene Codes, wie Kleidung gelesen wird. Diese Codes sind von der Historie unseres Bekleidungsverständnisses abhängig und kulturell verschieden. So hat Kleidung und Mode in Italien und Frankreich einen deutlich höheren Stellenwert, die Entscheidung, was ich mit meiner Kleidung ausdrücken möchte, wird dort viel bewusster gefällt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass diese Länder auch heute noch Bedeutung als Produktionsstandort haben. Während in Deutschland die hochwertige Bekleidungsfertigung ins Ausland verlegt wurde und in weiten Teilen das Modebild eher als praktisch und preiswert bezeichnet werden kann. Die Wertigkeit der Mode wird bei uns oft hintangestellt.
In der Art wie wir uns kleiden und Schuhe, Tasche, Gürtel und weitere Accessoires auswählen, greifen wir gelernte Codes auf und drücken Zugehörigkeiten aus. Trägt Mann zum Beispiel Sneakers zu seinem Anzug, was noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wäre, bricht er die strenge Seriosität des Anzugs auf, dabei strahlt er mit diesem modischen Statement Agilität, Flexibilität und Modernität auf sein Gegenüber aus. Das weibliche Pendent dazu ist der Plisseerock. Während in den 50er/60er Jahren die Highheels zum Faltenrock Pflicht waren, ist er heute sportlich und unkonventionelle mit Sneakern oder Cowboystiefeln kombinierbar. Der ehemals spießig-konservativen Look wird neu interpretiert zum trendigen Fashion-Statement.

Bei der Entwicklung eines Theaterkostüms stehen diese Codes sehr bewusst im Fokus der Planungen von Kostümbildner und Schneiderei. Gerade über die Kleidung der Figuren lässt sich der Charakter der dargestellten Personen unterstreichen, erklärt Manuel-Roy Schweikart. Welche Stoffe gewählt werden, welche Accessoires, ist entscheidend dafür, wie die Figur gesehen wird. So ist beispielsweise Harper Regan, die Hauptfigur des gleichnamigen Stückes, eine arbeitende Frau der englischen Mittelklasse, die als Hauptverdienerin ihre Familie ernährt und zusammen hält. Ihre eigenen Bedürfnisse hat sie aus dem Blick verloren. Harper als stylische Fashonista darzustellen, wäre in diesem Kontext deplatziert. Die Figur versucht allen Anforderungen in Job und Familie gerecht zu werden, das spiegelt sich auch in ihrem Kostüm wider. Harpers Kleidung lässt sich am besten als ordentlich und zweckmäßig beschreiben. Die weiße Bluse, die blaue Stoffhose, der schlichte Gürtel, die praktische Handtasche setzen keine Statements, entsprechen aber Codes die Beruf und Alltag an sie stellen.

Judith Lillly Raab als »Harper Regan« Theater Heilbronn

Während wir unsere morgendlichen Entscheidung, was ich heute anziehe, oft unbewusst treffen, stehen vor den Entscheidungen für das Kostüm einer Figur oft viele Gespräche zwischen Regie, Ausstattung und der Kostümabteilung, was mit der Kleidung einer Figur über sie erzählt werden soll.

Judith Lillly Raab als »Harper Regan« Theater Heilbronn

 

Unsere Neuen: Romy Klötzel

Wir stellen unsere neuen Schauspielerinnen und Schauspieler im Ensemble vor. Heute: Romy Klötzel aus dem Jungen Theater, die das Publikum bereits aus »Netboy«, »Die Farm der Tiere« und »Emil und die Detektive« kennt.

Romy Klötzel. Foto: Fotostudio M 42.

Romy, mit langem O, wie sie betont, reibt sich immer noch ungläubig die Augen. Noch vor kurzem hatte sie keine Ahnung, dass sie ihr Erstengagement am Theater Heilbronn antreten würde. Erst im September kam sie mit vielen anderen jungen Schauspielerinnen zum Vorsprechen in die BOXX, das kurzfristig einberufen werden musste, weil eine Kollegin des Jungen Ensembles ein Baby erwartet. Romy Klötzel hatte einen Monolog der Amalia aus »Die Räuber« von Schiller vorbereitet und eine Szene aus einem ihrer Lieblingsstücke »4.48 Psychose« von Sarah Kane: » … weil du mein Leben so aus mir rausbluten lässt, meine Liebe …«, wiederholt sie versonnen eine Textpassage. Bereits einen Tag später erhielt sie den Anruf vom Theater, dass sie die Stelle bekäme.
»Ich habe gar nicht gezögert, sondern alles in die Wege geleitet, dass ich sofort anfangen kann«, sagt die zierliche junge Frau mit den dunklen Haaren und den blauen Augen. Vier Tage später war sie da mit Sack und Pack und der ersten gelernten Rolle. »Ich liebe solche Herausforderungen«, sagt sie und strahlt.
Ihr Start im Jungen Ensemble verlief alles andere als gewöhnlich. Sie sprang mitten in Proben des Auftaktstücks »Netboy« hinein, an dem die anderen Mitstreiter schon mehrere Wochen gearbeitet hatten, und erntete für ihre Professionalität und ihren Einsatzwillen den großen Respekt ihrer neuen Kollegen. Romy Klötzel  spielt hier die Hauptrolle, Marie, ein Mädchen, das Opfer von Cybermobbing wird. Kann sie sich mit der Rolle identifizieren? »Auf jeden Fall«, nickt Romy Klötzel. »Marie ist auch ein Mädchen, das sehr selbstbewusst ist und nach vorn prescht – eigentlich alles andere als ein Opfer, eher eine Kämpfernatur.« Aber durch Neid und Missgunst von anderen und durch falsches Vertrauen zu einer Person im Netz, die sie noch nicht mal kennt, gerät sie in einen gefährlichen Sog. Cybermobbing kann jeden treffen. Auch unmittelbar nach der Premiere hatte sie keine Zeit durchzuatmen, denn dann standen die Umbesetzungsproben für die Stücke an, die aus der vergangenen Spielzeit wieder aufgenommen wurden: »Emil und die Detektive«, später folgt »Die Farm der Tiere«.

Alles kein Problem. Je mehr Arbeit, desto besser. »Hauptsache ich kann endlich in meinem Traumberuf arbeiten«, sagt sie. Schon im Kindergarten ihrer Heimatstadt Baden Baden hat sie Theater gespielt. In der Schule ging es nahtlos weiter. »Im Jugendclub des Theaters Baden-Baden hab ich dann erstmal richtige Theaterluft geschnuppert. Für mich gab es nie eine Alternative zum Schauspielerberuf.« Studiert hat sie schließlich an der Schauspielschule Frese in Hamburg und dort ein gutes Rüstzeug für die Arbeit auf der Bühne mitbekommen. Jetzt will sie einfach nur spielen, spielen, spielen.
Am Jungen Theater Heilbronn gefallen ihr zunächst mal die Kollegen, die sie alle sehr nett aufgenommen haben. Zum anderen auch der Spielplan, auf dem viele Stück stehen, in denen sich  junge Leute wiederfinden können. »Und ich bin dankbar dafür, dass ich das machen kann, was ich mir wirklich am meisten gewünscht habe. Irgendwie hab ich grad n‘ Lauf«. Sagt sie, lacht und freut sich schon wieder auf die nächste Probe.

Szenenfoto »Netboy«. Foto: Thomas Braun
Szenenfoto »Emil und die Detektive«; Romy Klötzel als Pony Hütchen, 3.v.l. Foto: Thomas Braun

 

Szenenfoto »Farm der Tiere«. Foto; Thomas Braun.

Im Dschungel des Lebens

Jens Kerbel inszeniert Rudyard Kiplings »Dschungelbuch« als spannendes Coming of Age-Abenteuer für Groß und Klein

Von Mirjam Meuser

Wer kennt sie nicht, Walt Disneys berühmte Zeichentrick-Verfilmung von Rudyard Kiplings »Dschungelbuch«? 1967 kommt sie in die Kinos – und ist in Deutschland bis heute der erfolgreichste Film aller Zeiten. Die wundersame Geschichte von Mowglis Aufwachsen unter den Wölfen im indischen Dschungel, seinen Abenteuern mit Baloo, dem gemütlichen, etwas plumpen, honigversessenen Bären, und Bagheera, dem majestätischen Panther, mit deren Hilfe er schließlich auch seinen Feind, den ebenso selbstgefälligen wie gefährlichen Tiger Shere Khan, besiegt, ist ein Klassiker der Filmgeschichte, der Jung und Alt begeistert. Aber auch Kiplings Erzählungen im Original wiederzuentdecken, lohnt sich – und das nicht nur, weil sie ein wesentlich vielschichtigeres Bild von Mowglis Heranwachsen im Dschungel und seinem Kampf gegen den menschenfressenden Tiger zeichnen. Ihre Poesie und ihre Tief-, streckenweise auch Abgründigkeit machen sie zu einem aufregenden, ja berauschenden Lese- und Vorlesevergnügen für Groß und Klein.

Rudyard Kipling wird am 30. Dezember 1865 als Sohn britischer Eltern im Indien der Kolonialzeit geboren und wächst die ersten Jahre in seiner Geburtsstadt Bombay auf. Umsorgt von einem portugiesischen Kindermädchen und einem Hindi Meeta, hört er von ihnen unzählige Geschichten und Lieder in ihrer Venakularsprache, in der er auch zu denken und zu träumen lernt. Das Englische, das er mit seinen Eltern bei Tisch sprechen musste, ist für ihn als Kind ein fremdes Idiom. Aber nicht nur die Legenden und Mythen, auch die Musikalität und Farbigkeit der mündlichen indischen Folklore sind es, die seine Kindheit prägen. Sie legen nicht zuletzt das Fundament für den Fabel-Ton der Geschichten aus dem »Dschungelbuch«. »Es war notwendig, dass jedes Wort erzählen, tragen, Gewicht haben, schmecken und, wenn nötig, riechen sollte«, so formuliert Kipling seinen Anspruch an die Sprache in der posthum veröffentlichten Autobiographie »Something of myself«.

Fünf Jahre ist Rudyard alt, als ihn die Eltern gemeinsam mit seiner Schwester Trix nach England zur Schule schicken und in einer Pflegefamilie in Southsea unterbringen. Dort leidet er derart unter der Einsamkeit und dem Regiment seiner Pflegemutter, dass er sich in Bücher und Träume flüchtet und sich sprechende Tiere als Spielgefährten und Gesprächspartner herbeiphantasiert. Erst nach sechs Jahren wird er von seiner Mutter aus der Tortur befreit.

Jahre später formen sich aus diesen Kindheitserfahrungen die Geschichten der beiden »Dschungelbücher«. Kipling schreibt sie für seine erste Tochter Josephine, die 1892 in Vermont (USA) geboren wird – und vermacht ihr damit eine allegorische Erinnerung an die Abenteuer der eigenen Kindheit. Meisterhaft verschränkt er unmittelbare Erlebnisse, Wirkliches und Imaginiertes zu einer atemberaubenden Erzählung vom Sich-Zurechtfinden eines verlassenen, schutzlosen Menschenkindes in einer gefahrvollen, verwirrenden, unberechenbaren Umwelt.

Kiplings anarchische Fabulierlust hat es auch dem Regisseur Jens Kerbel angetan – ihrer Faszination und Verführungskraft will er mit seiner Inszenierung im Großen Haus nachspüren. Dafür hat er sich die Bühnenfassung von Frank Pinkus ausgesucht, die sich besonders stark an den ursprünglichen Erzählungen des »Dschungelbuchs« orientiert. Sie räumt den geheimnisvollen, poetischen, manchmal auch unheimlichen Seiten der Texte viel Platz ein – ohne den Humor zu kurz kommen zu lassen. Baloo, der Bär, erzählt hier die Geschichte von Mowglis Erwachsenwerden im Dschungel als ein spannendes Coming of Age-Abenteuer, an dessen Ende der Menschenjunge natürlich den Tiger besiegt, sich aber auch seiner Fremdheit unter den Tieren bewusst wird und seinen eigenen Weg und Platz in der Welt finden muss.

Das Team um Jens Kerbel arbeitet daran enthusiastisch mit. Der Musiker Stephan Ohm komponiert für die Aufführung am Theater Heilbronn ganz neue Ohrwürmer – nicht zuletzt der genussfreudige Baloo bekommt einen neuen Hit. Den verwunschenen indischen Dschungel und seine sagenumwobenen Bewohner wiederum zaubert der Bühnen- und Kostümbildner Toto auf die Bühne. In seinen phantasievollen Kostümen changieren Mowgli und seine Freunde so effektvoll zwischen Mensch und Tier, dass sich der kiplingsche Dschungel spielerisch als das entpuppt, was er eigentlich ist: der gefahrvolle, unberechenbare, aber auch unfassbar schöne und spannende »Dschungel des Lebens«.

Sonja Isemer – Ein königlicher Gast

Von Andreas Frane

In »Richard III.« gibt es einen Moment, der Sonja Isemer besonders herausgefordert hat. Es ist die berühmte Szene im vierten Akt, in der Richard, der beide Söhne der Königin Elisabeth hat ermorden lassen, sie dahin zu manipulieren versucht, ihm als Krönung noch ihre Tochter zur Frau zu geben.

Sonja Isemer als Königin Elisabeth und Oliver Firit als Richard III.

»Wie schnell Elisabeth sich in dieser Situation wieder im Griff hat, wie sie dem Mörder ihrer Kinder klug, schnell und pointiert antwortet«, erklärt Isemer, »das hat mich sehr gereizt.« Die lebhafte, dabei stets konzentrierte Schauspielerin, die nach Engagements am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und am neuen theater in Halle seit dieser Spielzeit frei arbeitet, kommt für Axel Vornams Inszenierung von »Richard III.« als Gast ans Theater Heilbronn und hat bereits in den ersten Vorstellungen das Publikum für sich erobert. Ihre Ausbildung hat sie an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München absolviert, ihre Rollen in Inszenierungen des Regisseurs Herbert Fritsch in Schwerin (Leontine in »Der Biberpelz« und Beatrice in »Der Diener zweier Herren«) haben ihr Auszeichnungen und eine Einladung zum Berliner Theatertreffen eingebracht. Mit der Königin Elisabeth, die – so Isemer – »sich, ihre Gefühle und ihre Familie durch die Flucht nach vorne schützt«, fügt sie den großen, starken Frauen in ihrer Arbeitsbiografie eine weitere hinzu. Nach Antigone, Minna von Barnhelm und der Lady Milford. Gibt es bei Shakespeare noch andere Figuren, die sie reizen würden? »Königin Margret«, kommt die schnelle Antwort. »Und natürlich Hamlet. Am liebsten aber, glaub ich, Lady Macbeth.«

Herzrasen vor dem großen Auftritt

Wie geht es Schauspielern am Tag der Premiere? Die Schauspieler Judith Lilly Raab und Oliver Firit berichten über ihr Lampenfieber, Ablenkungsrituale und Glücksgefühle.


Es ist der klassische Albtraum eines Schauspielers: Man kommt auf die Bühne, hunderte Augenpaare schauen erwartungsvoll. Und dann – Text vergessen. Im Kopf ist ein schwarzes Loch. Wo bin ich, was mache ich hier, welches Stück, welche Szene? Zum Glück ist das Schreckgespenst mit dem Weckerklingeln vertrieben. „Solche Träume kennt jeder von uns“, sagt Schauspieler Oliver Firit, und seine Kollegin Judith Lilly Raab kann es nur bestätigen. Auch die langjährige Bühnenerfahrung schützt nicht davor. Die Angst vorm Versagen ist vor jeder Vorstellung ihr Begleiter. Aber am schlimmsten ist das Lampenfieber an Premierentagen. Denn dann kommt zur Panik vor Stimmversagen und Texthängern noch die Unsicherheit dazu: Wie wird das Publikum das Stück annehmen? „Man spürt  sofort die Energie aus dem Saal – hört die Huster oder das knisternde Bonbonpapier, sieht wie sich mancher mit dem Programmheft Luft zuwedelt“, sagt Judith Lilly Raab. Wenn die Zuschauer gebannt und konzentriert zuhören oder in Komödien nicht mit Lachern geizen, dann spielt man viel befreiter. „Und außerdem wissen wir ja eigentlich, dass wir es drauf haben. Am Vortag in der Generalprobe haben wir es ja gerade unter Beweis gestellt“, sagt Oliver Firit. „In den Endproben entwickele ich für jedes Stück einen eigenen Ablauf, den ich während aller Vorstellungen versuche, beizubehalten“, schildert Judith Lilly Raab. „Das gibt Halt und Sicherheit.“

Der Begriff Lampenfieber, der heute allgemein als Synonym für die Angst vor öffentlichen Auftritten gilt, kommt aus dem Theater, wo alle Scheinwerfer auf den Schauspieler gerichtet sind. „Der Mund wird trocken und ich muss sehr häufig die Toilette besuchen“, charakterisiert Oliver Firit seine Symptome. „Ich bin immer sehr nervös, das Herz rast und ich kann kaum Menschen um mich herum ertragen“, beschreibt Judith Lilly Raab ihr Befinden. Früher, so erzählt Oliver Firit, setzte das Lampenfieber gleich morgens nach dem Aufwachen am Premierentag ein. Jetzt hat der Vater dreier kleiner Kinder keine Chance dazu, weil die Kleinen ihn auch an solchen Tagen in Beschlag nehmen. „Am Tag der Premiere von ,Ein Volksfeind‘ habe ich bis 17.30 Uhr mit ihnen eine Ritterburg aufgebaut und alles falsch gemacht“, erinnert er sich. Auch vor Premieren geht er mit den Kindern auf den Spielplatz und lauscht deren fröhlichem Geplapper. „Mittlerweile wünschen sie mir zwar viel Erfolg und TOI TOI TOI, aber dass eine bevorstehende Premiere auch bedeutet, dass Papa Ruhe braucht, wissen sie noch nicht.“ Spätestens, wenn er dann das Theater betritt, hat ihn das Lampenfieber fest im Griff. Er blättert den Text noch einmal durch, verwandelt sich mit dem Anlegen von Maske und Kostüm in die Figur und wartet mit Herzklopfen auf den Auftritt.
Auch Judith Lilly Raab beschäftigt sich vor der Premiere, eigentlich vor jeder Vorstellung noch mal intensiv mit dem Text und geht ihn Wort für Wort durch. Sie hat vor einiger Zeit ihr Premierentagritual geändert. Früher hat sie lange geschlafen, ist dann ins Theater gegangen, hat überall ihre kleinen Toi Toi Toi-Geschenke für die Kollegen hingelegt und die leere Bühne abgeschritten – ganz allein. Seit ungefähr einem Jahr beginnt sie den Tag, wenn es geht, aktiv mit Sport. Dann isst sie zu Mittag und versucht noch mal zu schlafen. Hinterher sucht sie ihr Kleid für die Premierenparty heraus, das kann schon mal ˈne halbe Stunde dauern, sagt sie augenzwinkernd: „Spätestens  ab 16.30 Uhr bin ich im Premierenmodus und möchte von niemandem mehr gestört werden.“
Ist das Lampenfieber schon bei „normalen“ Premieren groß, wird es sich bei beiden in ihren nächsten Stücken fast ins Unerträgliche steigern. Denn beide spielen Riesenrollen, Traumrollen geradezu, und ihre Figuren stehen im Zentrum der Inszenierungen: Judith Lilly Raab spielt Harper Regan, eine faszinierende und sehr facettenreiche Frau in dem gleichnamigen Stück von Simon Stephens, einem der besten zeitgenössischen Dramatiker Großbritanniens. Und Oliver Firit spielt einen der diabolischsten Charaktere der Theatergeschichte: Richard III. von William Shakespeare. Etwas verblüffend für Außenstehende ist vielleicht ein Phänomen, das beide beschreiben. Wenn man in diesen großen Rollen kaum von der Bühne kommt, legt sich die mit körperlichen Symptomen verbundene Riesenaufregung sogar im Laufe der Vorstellung und weicht einem Dauerkribbeln mit erhöhter Anspannung. Bei mehreren kleinen Rollen hingegen fängt das Herzrasen mit jedem Auftritt von vorn an.

Beide wissen, bei Lampenfieber hilft nur kämpfen – also raus auf die Bühne ins Scheinwerferlicht, auch wenn es noch so sehr im Magen grummelt. Denn eigentlich ist es genau diese Aufregung und der damit verbundenen Adrenalinkick, der sie zu Höchstleistungen treibt und der diesen Beruf so besonders macht. Denn seit Menschengedenken sorgt Angst dafür, dass der Homo sapiens in Gefahrensituationen seine höchste Konzentration und Muskelkraft mobilisieren kann.  Nur so konnte man in der frühen Menschheitsgeschichte gegenüber lebensbedrohlichen wilden Tieren bestehen. Heute lauert sozusagen imaginär ein mächtiges Tier auf der Bühne,  die Furcht vor Blamage vor aller Augen.

Aber unbezahlbar und mit das Schönste an der Schauspielerei im Theater ist das unglaubliche Glücksgefühlt, das sich einstellt, wenn alles gut lief, der letzte Satz gesprochen ist und der erlösende Applaus aufbrandet.

 

 

 

Es lebe der Widerspruch – Henrik Ibsen und sein „Volksfeind“

Von Sophie Püschel

Henrik Ibsen gilt als »Ahnherr des modernen Dramas«. Wie ein Feinmechaniker schaut er in seinen Stücken in die Abgründe der menschlichen Seele und hinter die Fassade der scheinheiligen Gründerzeitgesellschaft. Dabei sind seine Figuren – wie Ibsen selbst – voller Brüche und Widersprüche. Er, der Revolutionär der Theaterwelt, war privat ein Spießer mit Backenbart, der selbst zu Hause mit Orden durch die Wohnung stolzierte.

Es gibt viele Parallelen zwischen Henrik Ibsen und Tomas Stockmann, seinem Haupthelden aus „Ein Volksfeind“, gespielt von Oliver Firit. Foto: Thomas Braun

 

Die Angst vor dem sozialen Abstieg

Henrik Ibsen wurde 1829 in Skien, einem kleinen Küstenort im Süden Norwegens geboren. Obwohl die Stadt nur 3000 Einwohnern hatte, herrschte ein reges Geschäfts- und Gesellschaftsleben. Ibsens Familie gehörte zu  den angesehensten Familien des Ortes, sein Vater Knud hatte einen florierenden Großhandel aufgebaut. Als ältestes von fünf Kindern wuchs Henrik Ibsen in einem gastfreundlichen und geselligen Haus am Stockmanns Gaard auf, eben jenes Umfeld nach dem sich auch Tomas Stockmann in »Ein Volksfeind« sehnt. Jedoch änderten sich 1834 die Lebensverhältnisse der Familie schlagartig. Knud Ibsen hatte sich bei seinen Geschäften finanziell übernommen und musste Bankrott erklären. Die Familie zog aufs Land. Henrik Ibsen empfand diese Deklassierung zeitlebens als schwere Demütigung. Die Angst vor sozialem Abstieg und die Sorge außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu stehen, wird zum zentralen Thema seiner Werke. Der 15-Jährige Ibsen nimmt schließlich im verschlafenen Örtchen Grimstad eine Apotheker-Lehre auf. Schnell ist ihm klar, dass er es in den beengten Verhältnisse der Provinz nicht lange wird aushalten können. Das Leiden an der Borniertheit und Engstirnigkeit seiner Landsleute teilt Ibsen mit seinem Protagonisten Tomas Stockmann, mit dem ihn auch das Interesse für Medizin verbindet. In den Abendstunden beginnt Ibsen mit dem Verfassen erster Gedichte und Dramen, die zunächst keinen großen Anklang finden. Doch der ambitionierte Jungdramatiker gibt nicht auf und wird 1851 Hausautor am ein Jahr zuvor gegründeten Norwegischen Theater in Bergen. Einige Jahre später wechselt er als Künstlerischer Leiter an das Norwegische Theater in Christiania, dem heutigen Oslo. Doch sein Ziel, die norwegische Dramatik zu beleben, scheitert. Das Theater muss fünf Jahre nach seiner Eröffnung Konkurs anmelden. Ibsen gerät künstlerisch und finanziell in die Krise. Er fühlt sich unverstanden und sehnt sich nach neuen dichterischen Impulsen, die er außerhalb Skandinaviens sieht.

Der Befreiungsschlag

Dank eines Reisestipendiums kann er gemeinsam mit seiner Frau Suzannah und dem gemeinsam Sohn Sigurd nach Rom reisen. Aus dieser einjährigen Reise werden schließlich 27 Jahre im freiwilligen Exil in Italien und später in Deutschland. Diese kühne Entscheidung ist für Ibsen ein künstlerischer Befreiungsschlag, denn erst im Ausland werden seine Hauptwerke entstehen: »Peer Gynt« (1867), »Nora oder ein Puppenheim« (1879), »Ein Volksfeind« (1882), »Hedda Gabler« (1890) u.a. Erst durch die Ferne gewinnt Ibsen einen klareren Blick auf seine Landsleute und vermag jetzt »die Hohlheit hinter diesen selbstgeschaffenen Lügen unseres sogenannten öffentlichen Lebens und die Jämmerlichkeit dieser ganzen persönlichen Phrasendrescherei zu sehen, der es an Worten nie fehlt, wenn es gilt, über eine ‚große Sache‘ zu schwadronieren, die aber nie den Willen, die Kraft oder das Pflichtgefühl für eine große Tat hat.« Die Verlogenheit und Scheinheiligkeit des prosperierenden Bürgertums, die Ibsen in diesen Zeilen anspricht, wird zum Leitmotiv seiner Dramen. Neben aktuellen Themen der Zeit wirkte sich die intensive Auseinandersetzung mit Hegels Dialektik maßgeblich auf sein Werk aus, die für ihn treffend die Zwiespältigkeit des Lebens verdeutlicht. In Ibsens Dramen trägt daher jeder Gedanke bereits seinen Widerspruch in sich. Dieses Prinzip von These und Antithese zeigt sich in »Ein Volksfeind« besonders deutlich an der Figurenzeichnung der beiden Brüdern Tomas und Peter Stockmann.

Im Gegenteil – Der streitbare Dramatiker    

Nach den ersten literarischen und finanziellen Erfolgen, veränderte sich Ibsens Selbstverständnis und sein Auftreten. Der etwas verkommene Bohemien, der nichts auf das Urteil anderer gibt, legte nun große Sorgfalt auf sein Erscheinungsbild und präsentierte sich als biederer Bürger. Aber auch in der Maske des Spießers blieb er ein streitbarer Dramatiker, der in seinen Stücken schonungslose Gesellschaftskritik übte und die bürgerliche Doppelmoral anprangerte. Dafür wurde er in seiner Heimat, wie Tomas Stockmann, immer wieder öffentlich angefeindet und von der Presse verunglimpft. Weshalb Ibsen mit einigen Kritikern erbitterte Fehden führte. Seinem Dichterkollegen Björnstjerne Björnson erklärte er dazu: »Glaube nicht, daß ich ein blinder, eitler Narr bin! Du kannst mir glauben, daß ich in meinen stillen Stunden ganz hübsch in meinen eigenen Eingeweiden herumwühle und sondiere und anatomiere, und zwar an Stellen, wo es am wehsten thut. Ich bin jedoch froh über das Unrecht, das mir zugefügt worden ist. Es liegt eine Hilfe und Schickung Gottes darin, denn ich fühle meine Kräfte wachsen mit dem Grimm. Soll es Krieg geben, dann nur zu!« Wie Tomas Stockmann steht auch Ibsen eisern für seine Überzeugungen ein. Er weiß, »dass ein geistiger Vorposten nie eine Mehrheit um sich sammeln kann.« Auch darin gleichen sich Tomas Stockmann und Ibsen, der erklärt, »wo ich gestanden habe, als ich meine Bücher schrieb, da steht jetzt eine ziemlich kompakte Menge. Aber ich selbst bin nicht mehr dort, ich stehe woanders, weiter vorn, wie ich hoffe.«

Als Ibsen 1891 in seine norwegische Heimat zurückkehrte, wird er endgültig in den Stand eines Nationaldichters erhoben. Aber auch im Alter konnte sich Ibsen mit seiner Heimat nicht ganz versöhnen. »Hier oben an den Fjorden habe ich ja das Land meiner Geburt. Aber wo finde ich das Land meiner Heimat?«, fragt er 1897. Mit »Wenn wir Toten erwachen« verabschiedete sich Ibsen 1899 von der literarischen Bühne. Nach langer Krankheit starb er 1906 in Norwegen. Ganz im Sinne seines dialektischen Denkens sollen seine letzten Worte »Im Gegenteil« gewesen sein.

 

 

 

Drehtürenballett bei »Tartuffe«

Bam. Stella Goritzki bekommt beim Abgang von der Bühne die Drehtür ins Gesicht und lässt einen Heuler los. Aber vom Regiepult in der achten Reihe des Großen Hauses hört man Lacher. Nein, das ist kein Unfall. Das ist die »Drehtürballett«-Probe am Donnerstagabend, zehn Tage vor der Premiere.

Für die Inszenierung von Molières »Tartuffe« haben sich Regisseur Klaus Kusenberg und Bühnenbildner Peter Scior einen rechtwinklig zulaufenden, getäfelten Raum bauen lassen, der es in sich hat: Jeweils zwei der Wände rechts und links bestehen aus Drehtüren, die Spitze hinten ist ein Drehkreuz. Das ist in einem Stück, in dem permanent »Durchgangsverkehr« herrscht und potentielle Lauscher an der Wand auch mal überraschend in den Raum purzeln, ein ideales Mittel, um Tempo bei den Auf- und Abritten und slapstickartige Komik zu ermöglichen.

Aber damit die Türen aus Birkenholz (darunter ist ein Eisenrahmen!) im Gesicht wirklich nur inszeniert sind und keine Finger gequetscht werden, heißt es: üben, üben, üben. Deshalb eine ganze Bühnenprobe, nur um genau – und mit Beteiligung der Arbeitssicherheit – abzuklären, wie sich die Geschwister Mariane (Stella Goritzki) und Damis (Sven-Marcel Voss) die Wände auf die Nasen hauen, die stets lauschende Dorine (Sabine Unger) unverhofft ins Zimmer stürzt oder der Gerichtsvollzieher Monsieur Loyal (Frank-Lienert Mondanelli) ganz am Schluss seinen gewichtigen Auftritt hat. Nicht zu vergessen, wer wann die Türen und das Drehkreuz wieder schließt. Regieassistentin Nina Steinert und Inspizientin Kim Dinah Burkhard notieren alle Positionen und Abläufe akribisch mit, um zu garantieren, dass auch bei der Wiederaufnahme im Herbst dem »Tartuffe« das Timing nicht abhanden kommt.

Noch einmal bekommt Stella Goritzki – das ist jetzt der fünfte Versuch – die Drehtür von ihrem »Bruder« Sven-Marcel Voss ins Gesicht. Und rächt sich ihrerseits mit einem Türschlag. Bam bam. »Sehr charmant«, lacht Klaus Kusenberg von seinem Platz am Regiepult. »Das halten wir genau so fest. Und jetzt noch mal.«

Premiere am 23. Juni 2018, 19.30 Uhr
Weitere Informationen zum Stück: https://www.theater-heilbronn.de/spielplan/detail/inszenierung/tartuffe.html

Lucy Scherer in „Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken“ – Premiere am 17. März 2018

Unsere „Schurken“ werfen ihre Schatten voraus: Für die weibliche Hauptrolle im turbulenten Musical „Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken“ ist es uns gelungen, Musical- und TV-Star Lucy Scherer zu gewinnen. Ab 17. März singt, spielt und tanzt sie auf der Bühne des Großen Hauses die Rolle der „Seifenkönigin“ Christine Colgate, auf deren Geld und Ehre es unsere beiden „Schurken“ Stefan Eichberg und Oliver Firit abgesehen haben. Neben Hauptrollen in den TV-Serien „Hand aufs Herz“ (SAT1) und „Sturm der Liebe“ (ARD) ist sie durch die großen Musicals im Palladium Theater Stuttgart bekannt, als Adrian in „Rocky“, in der Hauptrolle in „Rebecca“, als Sarah in „Tanz der Vampire“ und als Glinda in „Wicked – Die Hexen von Oz“. Mit „Rocky Horror“- und „Schurken“-Regisseur Thomas Winter hat Lucy Scherer im letzten Jahr für das Theater Bielefeld die Uraufführung des Musicals „Das Molekül“ auf die Bühne gebracht.

AB Ins Theater!

Und dass es Glück war, wird man erst aus der Distanz sehen.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA
KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Dieses Zitat aus Peter Stamms Roman Agnes beschreibt ziemlich treffend, was ich fühle, wenn ich an mein Abitur zurückdenke. Ohne Frage, eine nervenaufreibende und stressige Zeit. Und doch empfinde ich sie im Nachhinein als eine intensive Phase voller schöner Momente, geprägt von Zusammenhalt und Tatendrang. Mein Abi ist mittlerweile drei Jahre her, die Sternchenthemen für das Deutsch-Abitur sind aber immer noch dieselben wie damals. Homo Faber und Agnes –  diese zwei Werke gehören unter anderem zu der Pflichtlektüre für die Allgemeinbildenden Gymnasien. Im Rahmen meines Praktikums werde ich nun noch einmal mit dem Stoff konfrontiert, sitze zwischen Deutschkursen in der Vorstellung und dieses beflügelnde Abi-Feeling kommt tatsächlich noch einmal auf.

Los geht’s mit Homo Faber in der Pocketversion. 2013 habe ich dieses Stück im Großen Haus gesehen, mittlerweile gibt es die komprimierte Fassung in der BOXX. Kammerspielartig und auf das Wesentliche reduziert – eine perfekte Vorbereitung für die Schüler und eine perfekte Möglichkeit für mich, die Handlung, die Figuren und die Motive ins Gedächtnis zurückzurufen. Am gleichen Tag besuche ich zudem die Autorenlesung von Peter Stamm. Er sitzt – im behaglichen Bühnenbild des Komödienhauses von Der Vorname integriert – auf einem alten Plüschsessel und wird mit Fragen gelöchert. Dies ist die einmalige Gelegenheit, um das ein oder andere Geheimnis zu Agnes von ihrem Schöpfer höchstpersönlich lüften zu lassen.

Zusätzlich zu den „Frontaldarbietungen“ im Theater gibt es speziell für die Abiturienten kostenlose Theaterworkshops. So zum Beispiel  der Workshop zu Homo Faber in der Theaterwerkstatt im Wollhaus. Theaterpädagogin Katrin Singer verteilt laminierte Kärtchen, lässt die Schüler in die Rollen der Hauptfiguren schlüpfen und gibt Kontexte vor, in denen die Figuren nun miteinander interagieren sollen. Die zentralen Motive werden sowohl situativ als auch in Diskussionen interpretiert und das Hineinversetzen in den Stoff wird zum Gruppenerlebnis. Bei den Standbildern freuen sich sowohl die Darstellenden als auch die Zuschauer über die oft sehr originelle Umsetzung.
Nach diesen ganzen konstruktiven Vorbereitungsmaßnahmen bleibt nur noch, viel Erfolg für die im April anstehenden Prüfungen zu wünschen! Und falls so langsam Panik und Schrecken aufsteigen sollte, denkt daran, was Max Frisch einmal gesagt hat:
Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Patricia Heiss ist als Praktikantin für sechs Wochen am Theater Heilbronn und sammelt dort Erfahrungen im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie studiert an der Universität Mannheim im fünften Semester Kultur & Wirtschaft.

Das Fernsehen im Theater – das Theater im Fernsehen

SWR-Magazin „Kunscht!“ zeigt wenige Tage vor der Premiere von „Ein Lied von Liebe und Tod (Gloomy Sunday)“ erste Einblicke und Hintergründe

SWr Kunschd im Theater HeilbronnInterviews, Szenenausschnitte und der Alltag hinter den Kulissen – das Kamerateam des SWR begleitet an dem Montagnachmittag vor der Premiere die Abläufe um die erste Komplettprobe zu „Ein Lied von Liebe und Tod (Gloomy Sunday)“, das am 21. Januar um 19.30 Uhr im Großen Haus Uraufführung feiern wird.
Dabei legt das fünfköpfige Fernsehteam den Fokus vor allem auf die musikalische Quintessenz des Schauspiels von John von Düffel; das berühmt-berüchtigte Lied vom traurigen Sonntag, welchem eine besondere melancholische Anziehungskraft zugeschrieben wird und um welches sich die Legende der „Hymne der Selbstmörder“ rankt. Was empfinden die Schauspieler, wenn sie die weltbekannte, und doch so simple Melodie hören? Worin besteht für Regisseurin Uta Koschel die Besonderheit des traurig-schönen Liedes? Wie wird in der Inszenierung die Verbindung zwischen Dialogen, Bühnenbild und Musik hergestellt? Das sind nur ein paar der Fragen, die das Team um Redakteurin Ursula Böhm stellen.
Zusätzlich begleitet das Kamerateam das geschäftige Treiben abseits vom Scheinwerferlicht: Impressionen vom Probenalltag der Mitarbeiter, die für Ton, Maske, Licht oder Kostüm zuständig sind, vor der wichtigen Probe final Hand anlegen und letzte Veränderungen vornehmen. So wird gefilmt, wie kurz vor der „Vorstellung“ die Frisuren zurecht gemacht werden, im Gang zur Bühne schnell die Hosenträger befestigt werden und die Schauspieler Bettina Burchard, Nils Brück und Paul-Louis-Schopf allmählich durch die optische Veränderung in ihre Rollen schlüpfen. Eine Theaterinszenierung, die über das Medium Fernsehen zugänglich gemacht wird? Funktioniert wunderbar, vor allem weil so interessante neue Perspektiven geschaffen werden, der zoom-in eine unmittelbare Nähe zu den Darstellern schafft. Und die filmischen Momentaufnahmen zeigen, dass im Theater das reibungslose Zusammenspiel von allen Komponenten vor, neben, unter, über und auf der Bühne Voraussetzung für ein gelungenes Ergebnis ist. Egal, ob Probe oder Premiere.
Ausgestrahlt wird der Beitrag am 19. Januar um 22.45 Uhr im SWR, zudem ist die Sendung „Kunscht!“ natürlich in der SWR-Mediathek rückblickend abrufbar.

Patricia Heiss ist als Praktikantin für sechs Wochen am Theater Heilbronn und sammelt dort Erfahrungen im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie studiert an der Universität Mannheim im fünften Semester Kultur & Wirtschaft