CRASH BOOM BOXX

Das 8. Theaterfestival der Heilbronner Kooperationsschulen

Vom 8. -11. Juli 2019 stand das Komödienhaus vier Tage lang im Zeichen der Theater-AGs und  Theater- und Literaturkurse der Kooperationsschulen, denn es hieß zu 8. Mal: Vorhang auf für die CRASH BOOM BOXX – das Theaterfestival der Kooperationsschulen! Das letzte Schuljahr haben die Schülerinnen und Schüler ausgewählter Kurse und AGs eigene Stücke, Szenen und Figuren entwickelt, inspiriert von dem Spielzeitmotto »#SINNSUCHER_NoLimits«. Mit ihren Lehrerinnen und Lehrern sind sie über Monate hinweg auf Sinnsuche gegangen, haben gemeinsam an den Stoffen getüftelt, sich dem Thema über verschiedene Übungen genähert, Ideen verfolgt, improvisiert, Texte verfasst, verworfen und überarbeitet, bis am Schluss die Theaterstücke entstanden sind, die während des Festivals in Ausschnitten im Komödienhaus zu sehen waren. 

Im Foyer des Komödienhauses.

Die große Präsentation des eigenen Theaterstücks auf der Bühne des Komödienhauses mit professioneller Theatertechnik, Licht, Ton und natürlich auch vor einem vollen Theatersaal war das Highlight für alle Gruppen. Schon ein paar Wochen vor dem Festival waren die Theaterpädagoginnen Lisa Spintig, die das Festival leitete, und Natascha Mundt in den Kursen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Sie unterstützten die Kurse bei der Stückarbeit und gaben ihnen hilfreiche Tipps für die Aufführung.

In den Proben in der Christiane-Herzog-Schule.

Für die technische Einrichtung der Bühne, das passende Licht und den richtigen Ton, mussten die Gruppen die technischen Anforderungen für ihr Stück zusammenstellen und einreichen. Dafür mussten sich die Gruppen überlegen, wie welche Lichtstimmung wird und wann sie gefahren werden soll, welche Requisiten  benötigt werden oder ob sie diese  mitbringen, als auch ob es Toneinspielungen geben soll. Alle technischen Details mussten erarbeitet und bei der Festivalleitung eingereicht  werden. Dazu waren einzelne Vertreterinnen und Vertreter im Juni 2019 im Komödienhaus, um die Bühne und Technik kennenzulernen.

Die technische Einrichtung auf der Bühne läuft.

In den ersten beiden Festivaltagen hieß es dann für alle auftretenden Gruppen „technische Einrichtung“ im Theater. Das bedeutet, dass mit den Mitarbeitern von Bühne, Licht und Ton und der Inspizientin Natascha Mundt die Stücke der Schülerinnen und Schüler für die Bühne eingerichtet wurden. Licht und Toneinstellungen wurden getestet und abgespeichert, Stichworte festgelegt und ein kompletter Ablauf des Stückes geprobt, damit zur Aufführung alles sitzt. Gerade diese Erfahrungen machen zu können, wie viel Arbeit im Vorfeld hinter einer professionellen Aufführung steckt, haben die Schülerinnen und Schüler der Christiane-Herzog-Schule sehr beeindruckt, wie sie in einem Gespräch zum Abschluss des Festivals sagten. Sie betonten neue Einblicke gewonnen zu haben und nun anders auf Inszenierungen zu blicken. Neben einem Eindruck welche technische Arbeit dahinter steckt, haben sie auch ein anderes Gefühl für Timing, Bewegung, Gestik und Mimik bekommen, sagten die Schülerinnen und Schüler resümierend über das Festival. Natürlich waren für alle Schülerinnen und Schüler auch Lampenfieber, Aufregung, Vorfreude und große Spiellust dabei.

In den Kennenlern-Workshops gibt es keine Berührungsängste.

In Kennenlern-Workshops trafen die Spielerinnen und Spieler der vier Gruppen aufeinander und konnten sich mit verschiedenen Methoden des Theaterspiels und der Improvisation im gemeinsamen Spiel kennenlernen und ausprobieren, bevor es am Nachmittag auf die große Bühne ging. Auf der Bühne kamen vier verschieden Stücke, die sich mit dem Spielzeitmotto »#SINNSUCHER_NoLimits« auseinandersetzten, zur Premiere. Den Anfang machte die Theater-AG des Justinus-Kerner-Gymnasiums Heilbronn mit dem Stück »36.000 Sekunden« in dem sie der Frage: Was würdest Du tun, wenn in 10 Stunden die Welt unterginge?, nachgingen. Anschließend zeigte der Kurs Literatur und Theater des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums mit »Alles anders« eine Szenen-Collage zu der Frage was wäre, wenn eine einzige Sekunde dein ganzes Leben verändert?
Die Schülerinnen und Schüler des Kurses Literatur und Theater der Gustav-von-Schmoller-Schule schufen mit ihrem Stück »Mensch ist Mensch« eine Geschichte, die sich mit den kulturellen und religiösen Unterschieden in unserer Gesellschaft befasst und wie diese überwunden werden könnten. Den Abschluss der Aufführungen bildete der Auszug des Stücks »Grenzenlos sinnlos« des Kurses Literatur und Theater der Christiane-Herzog-Schule, in dem sich ein junger Mensch, der den Sinn in seinem Leben verloren hat, auf die Suche macht, diesen wiederzufinden.

On Stage: Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium.

Ein Nachmittag mit vier beeindruckenden Stücken, in denen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam auf eine Sinnsuche gegangen sind. Der krönende Abschluss monatelanger Arbeit wurde vom Publikum mit großem Applaus belohnt.

Aus dem Auftritt der Gustav-von-Schmoller-Schule.

Nach diesem Highlight standen am letzten Festivaltag die Themenworkshops inklusive einer Abschlusspräsentation an, die das Festivalprogramm abrundeten. In fünf verschiedenen Workshops konnten die Schülerinnen und Schüler, unterrichtet von Profis, neue Techniken kennenlernen und erproben.

Hannes Rittig führt die Teilnehmenden des Workshops in die Techniken des Bühnenkampf ein.

Viel Körpereinsatz war im Tanzworkshop von Tänzerin Anja Bräutigam und im Bühnenkampfworkshop von Schauspieler Hannes Rittig gefragt. Bühnenpräsenz, Körperbeherrschung, konkrete und präzise Bewegungen, die das darstellende Spiel unterstützen, standen hier im Fokus. In den beiden Workshops wurden gemeinsame Choreografien erarbeitet, die in der Abschlusspräsentation am Nachmittag auf der Bühne des Komödienhauses aufgeführt wurden. Auch in den Workshops der Theaterpädagogik erlernten die Schülerinnen und Schüler neue Methoden aus der Theaterarbeit und der Improvisation, um mit theatralen Mitteln eine kleine Szenencollagen zu erarbeiten. In Form eines kurzen Märchens oder eines konfliktbeladenen Stücks kamen auch diese am Nachmittag zur Aufführung. Die Teilnehmer des fünften Workshops schufen mit einfachen Mitteln ein selbstgebautes  Kostüm, inspiriert von der Zeit des Bauhauses, und so entstand eine Hommage an die Moderne Kunst.

In vier Tagen haben sich die Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrerinnen der Gruppen neue Techniken angeeignet und gemeinsam etwas Neues geschaffen. Stolz und mit jeder Menge an neuen Erfahrungen und Wissen haben sie die Bühne des Komödienhauses verlassen. Wir wünschen allen das Beste für ihre Lebenswege und wer weiß, ob nicht doch die eine oder der anderen wieder ins Theater zurückkommen wird.

Ein beeindruckendes Festival geht zu Ende.

Parole BUGA!

Heute werfen wir einen Blick zurück und stellen Euch unser Ferien|BOXX Projekt vor.

15 mutige, neugierige und pfiffige Kinder gingen auf Spurensuche auf der BUGA, um »Das Geheimnis um die verschwundenen Karls« zu lüften. Zuvor ging‘s aber ins Detektiv-Trainingslager.

Bei strahlendem Sonnenschein gehen die Kinder auf Spurensuche, sammeln Beweise und üben sich im Anschleichen.

Das Trainingslager fand im Rahmen der Ferien|BOXX Ostern des Jungen Theaters statt, die in diesem Jahr zu Gast auf der BUGA war. Gemeinsam haben sich die teilnehmenden Kinder zu Beginn der zweiten Osterferienwoche zur Inspiration »Emil und die Detektive« in der BOXX angesehen. Danach durften sie zusammen mit Theaterpädagogin Lisa Spintig die gewonnenen Eindrücke diskutieren. In den folgenden Tagen wurde die BUGA genauestens durchsucht: nach Spuren, Hinweisen und Indizien. Zudem konnten die Kinder hier super das Anschleichen in unterschiedlichem Gelände und unauffälliges Verhalten zwischen den zahlreichen BUGA-Besuchern üben. Bei strahlendem Sonnenschein erarbeiteten die Kinder eine eigene Detektivgeschichte und setzen diese szenisch um.

Kluge Köpfe erschaffen gemeinsam eine neue Story.

Ganz klar war allen gleich, worum es sich drehen sollte: Alle BUGA-Karls wurden geklaut. Doch warum? Die Täter brauchen ja schließlich auch ein Motiv. Und wer sind die Täter? Wie geht man bei der Spurensuche vor? Und was muss man beachten, damit man eine für das Publikum spannende Geschichte erzählt? Unter der fachkundigen Anleitung der Theaterpädagogin konzipierten die Kinder eine spannende Präsentation.

Die Detektivgeschichte wird in Szene gesetzt.

Doch wie es aber beim Freilichttheater so sein kann, spielte der Wettergott der Truppe am Präsentationstag einen Streich: Auf eine Woche voll strahlendem Sonnenschein folgte ein ziemlich grauer und regenreicher Tag. Deshalb konnte die Vorstellung vor Eltern, Freunden und BUGA-Besuchern leider nicht, wie geplant, auf der Fährlebühne stattfinden. Der Spielfreude tat der Auftritt im bis auf den letzten Platz besetzen Veranstaltungspavillion aber keinen Abbruch und die Kinder ernteten mit stolzgeschwellter Brust tosenden Applaus. Parole BUGA!

Kurz vor der großen Show im Veranstaltungspavillion.
Die Ferien|BOXX war bei den Kindern und beim Publikum ein voller Erfolg.

Zum ersten Mal auf der großen Bühne

Die Statistinnen von »Hexenjagd« erzählen über ihre Erfahrungen.

Die Statistinnen mit Stella Goritzki und Stefan Eichberg. Foto: Jochen Quast

Anfang Januar 2019 sind 27 junge Mädchen und Frauen im Alter von 13 bis 24 Jahren dem Aufruf des Theaters gefolgt, um an dem Statistinnen-Casting für die Inszenierung von Arthur Millers »Hexenjagd« teilzunehmen. Regisseurin Uta Koschel und Dramaturgin Sophie Püschel suchten für die Inszenierung eine Gruppe junger Mädchen, die die Schauspielerinnen Stella Goritzki und Ipek Özgen bei verschiedenen Szenen als »Mädchen aus Salem« unterstützen.

Wir haben einige der Statistinnen über ihre Motivation, sich für das Casting zu bewerben, befragt:

Anna Lena Knecht: »Theaterspielen macht mir extrem viel Spaß. Ein paar aus dem Kolpingtheater und mein Vater haben mich auf einen Artikel der Heilbronner Stimme aufmerksam gemacht, in dem stand, dass Statistinnen gesucht werden. Daraufhin habe ich mich für das Casting angemeldet.«

Lilly Eichberg: »Ich war wahnsinnig interessiert, wie die Entwicklung von der ersten Probe, bis hin zum komplett fertigen Stück abläuft. Ich wollte wissen, wie es ist ein Teil des Ganzen zu sein.«

Anna Laukhuf: »Ich liebe Theater und mich reizte die Vorstellung, eine andere Perspektive und Rolle einzunehmen und mich aktiv am Schauspielgeschehen zu beteiligen, anstatt die Position der Zuschauerin zu bekleiden. Außerdem fand ich es verlockend, so Einblicke in die Prozesse hinter der Bühne zu bekommen und ein Stück von der Idee bis hin zur fertigen Inszenierung zu begleiten.«

Die Mädchen aus Salem spielen in »Hexenjagd« eine entscheidende Rolle, denn ihr Vergehen: nachts im Wald zu tanzen, setzt die Ereignisse in dem kleinen Ort in Gang. In der streng puritanischen Gemeinde Salem sind solch weltliche Vergnügen wie Tanzen oder das Lesen von Büchern strengstens verboten. Als die Mädchen beim Tanzen entdeckt werden, brechen einige von ihnen ohnmächtig zusammen, aus Angst vor der ihnen drohenden Strafe. Unter ihnen ist auch die Tochter des Pfarrers Parris, als sie nicht mehr aus ihrer Ohnmacht erwachen will, keimt schnell das Gerücht von Hexerei auf. Auf der Suche nach Schuldigen werden die Mädchen ins Verhör genommen und unter Druck gesetzt, zu gestehen bzw. der Hexerei Schuldige zu benennen. Von nun an greifen Denunziationen und Misstrauen um sich. Die Bezichtigung, ein Werkzeug des Teufels zu sein, eignet sich bestens, um unliebsame Gegner aus dem Weg zu räumen. So wird Salem im Zuge der Hexenprozesse in eine Art Massenhysterie aus Lügen, Angst und Machtmissbrauch versetzt.

Szenenfoto aus »Hexenjagd« Foto: Jochen Quast.

Aus dem Casting sind zwei Gruppen von je fünf Statistinnen hervorgegangen. Die meisten brachten bereits erste Erfahrungen aus Theater-AGs und -clubs oder früheren Statistinnenrollen mit.

Doch der professionelle Theaterbetrieb hielt für sie neue Eindrücke und einige Überraschungen bereit.

Anna Laukhuf: »Vor allem ist mir aufgefallen, wie leidenschaftlich die Schauspieler oder auch andere Mitarbeiter ihre Arbeit ausüben. Man spürt eine Atmosphäre, die davon geprägt ist, dass jeder seine Arbeit als Berufung und nicht bloß als Job ansieht.«

Christiane Staudacher berichtete: »Überrascht haben mich die vielen und unterschiedlichen Abteilungen, die ein so großes Haus besitzt und den für eine Produktion notwendig sind. Angefangen bei den Kostümen, die alle selbst genäht werden, hin zum Bühnenbild, das exklusiv für jede einzelne Produktion angefertigt wird, bis zur Gesamtorganisation einer solch großen Produktion, vor und hinter der Bühne.«

Einen neuen Blick, was eine Inszenierung alles umfasst, gewann auch Leonie Decker:
»Überrascht hat mich, wieviel Wert auf jedes Detail in Make-up, Bühnenbild und Text gelegt wurde. Unsere Kostüme wurden alle maßgeschneidert und es galt zu unserem Leid striktes BH-Verbot, nur um auch wirklich den Eindruck der Zeit einzufangen, welcher von der Regisseurin gewünscht wurde. Als Zuschauer hatte ich nie bemerkt, wie viele Ideen von verschiedenen Seiten in ein einzelnes Stück fließen, um dieses komplett werden zu lassen. Darauf werde ich zukünftig, wenn ich ins Theater gehe, mehr achten.«

Im März begann für die Schauspielerinnen und Schauspieler die sechswöchige Probenzeit und natürlich auch für die Statistinnen. Für die Mädchen war es eine bereichernde und zusammenschweißende Zeit.

Szenenfoto »Hexenjagd«; Foto: Steffen Nödl

Matilda Martinez über die Proben: »Es gab so viele kleine Momente, Momente mit den anderen Statistinnen, den Schauspielern: Es waren alle so offen und nett, die Atmosphäre war einfach jedes Mal so unbeschreiblich.«

Leonie Decker verriet uns: »Wir als Statistinnengruppe untereinander hatten Backstage wahnsinnig viel Spaß und ich habe jede einzelne meiner Mitstatistinnen als Freundin lieb gewonnen. Zudem wurde durch die Regisseurin und die anderen Darsteller auf der Bühne eine Atmosphäre kreiert, welche mich motiviert hat auf der Bühne mein Bestes zu geben. Im Kopf geblieben ist mir, als wir das erste Mal unsere „Vogelszene“ probten, welche sehr intensiv war. Es hat uns einiges an Mimik und Stimme abverlangt, aberda alle hochmotiviert mitmachten, in mir auch ein Hochgefühl ausgelöst. Somit würde ich das als „schönsten Probenmoment“ bezeichnen.«

Hinter den Kulissen. Foto: Steffen Nödl

Am 4. Mai 2019 ging es dann für das Ensemble und die erste Gruppe der Mädchen aus Salem auf die Bühne des Großen Hauses. Seitdem spielen abwechselnd die beiden Gruppen in den Vorstellungen.

Szenenfoto »Hexenjagd«; Foto: Jochen Quast

Für Anna Laukhuf war gerade der Abend der Premiere ganz besonders: »Mein schönster Moment waren die letzten gemeinsamen Erlebnisse hinter der Bühne vor der Premiere. Fast jeder hat dem anderen ein kleines Glücks-Präsent überreicht, was mich sehr gerührt hat. Alle Geschenke enthielten auch – direkt oder indirekt – eine Botschaft, die mit dem Stück zu tun hatte. Mich hat begeistert, wie viel Gedanken sich alle darüber gemacht haben und wie viel Wertschätzung auch uns als Statistinnen entgegengebracht wurde.«

Wie viel Arbeit und Disziplin hinter den Proben und den Vorstellungen steckt, hat Lilly Eichberg beeindruckt: »Auf den Proben oder in den Pausen während Vorstellungen wird manchmal rumgealbert. Trotzdem müssen dann alle zum richtigen Zeitpunkt wieder konzentriert sein und ihre Arbeit machen, wenn es weiter geht. Das war eine gute Erkenntnis.«

Ob sich die Erwartungen, mit denen sich die Mädchen beim Casting beworben haben, in Erfüllung gingen wollten wir natürlich auch von ihnen wissen.

Hinter den Kulissen. Foto: Steffen Nödl

Anna Lena Knecht: »Ich hatte keine konkreten Erwartungen, sondern viel mehr die Hoffnung, dass auch wir Statistinnen gut in die Schauspielgruppe integriert werden. Dies hat sich definitiv erfüllt.«

Leonie Decker: »Ich hatte die Erwartungshaltung als Statisten wäre man »nur« eine Hintergrundfigur und würde auch dementsprechend behandelt. Jedoch die freundliche und auch unterstützende Art, welche die anderen Darsteller und Mitarbeiter gegenüber uns Statistinnen hatten, hat dafür gesorgt, dass ich mich sofort wertgeschätzt gefühlt habe.« 

Matilda Martinez: »Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht, was auf mich zukommen würde und ich habe viel mehr daran gedacht, das Casting aus Spaß zu machen. Mittlerweile bin ich mehr als froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte.

Und wie fühlt es sich an, auf der Bühne im Großen Haus zu stehen?

Szenenfoto »Hexenjagd«, Foto Steffen Nödl

Matilda Martinez: »Es ist unbeschreiblich, auf der großen Bühne stehen zu dürfen. Mit den »Großen« zu spielen, zu sehen, wie sie die Charaktere verkörpern, von ihnen zu lernen … . Man kann dieses Gefühl nicht beschreiben, es ist einfach ein pures Glücksgefühl, das so viele verschiedene Emotionen freisetzt.«

Lilly Eichberg: »Es macht total viel Spaß! Während der Vorstellung ist man auf der Bühne meistens sehr konzentriert. Man vergisst fast, dass man auf der Bühne im Großen Haus steht und einem so viele  Leute zusehen. Ich realisiere das meist erst, wenn ich wieder von der Bühne runter bin.«

Christiane Staudacher: »Auf einer Bühne zu stehen, ist für mich ein unbeschreibliches Erlebnis. Ich fühle mich dort einfach wohl. Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen.«

Für alle war es eine aufregende und besondere Zeit. Auf die Frage ob sie es noch mal machen würden, haben alle sofort mit JA! geantwortet.

Szenenfoto »Hexenjagd«, Foto: Jochen Quast

Leonie Kurz: »Auf jeden Fall würde ich es nochmal machen! Es macht einfach unglaublich viel Spaß, und kein Abend ist wie der andere!«

Christiane Staudacher: »Meine Erfahrungen am Theater Heilbronn möchte ich auf keinen Fall missen, und wer weiß, was die Zukunft für mich vorhat?«

Lilly Eichberg: »Auf jeden Fall! Es hat sehr viel Spaß gemacht, und ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt.«

Matilda Martinez: »Ich würde es jederzeit wieder tun. Das Casting, die Proben, die Vorstellungen würde ich nicht mehr missen wollen.«

Leonie Decker: » Die Erfahrung am Theater hat mich viele Dinge gelehrt und in meinem Leben weitergebracht, des Weiteren hat es Spaß gemacht und mich mit neuen Menschen zusammengeführt.  Meine Antwort lautet: 100% Ja!«

Wir danken allen Statistinnen von »Hexenjagd« für ihre Unterstützung und Spielfreude. Wer sie noch mal auf der Bühne erleben möchte hat noch am 6., 12. & 14. Juli die Gelegenheit.

Mit einer kleinen Träne im Knopfloch

Uta Koschel verabschiedet sich als Chefregisseurin aus Heilbronn und wird Schauspieldirektorin in Schwedt

Uta Koschel; Foto: David Klumpp

Es ist eine Mischung aus Vorfreude und Wehmut, die Uta Koschel gegenwärtig durch den Tag begleitet: Vorfreude auf die neuen Aufgaben, die sie in ihrer neuen Funktion als Schauspieldirektorin an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt erwarten. Wehmut, weil ihr der Abschied vom Theater Heilbronn, das sie seit Beginn der Intendanz von Axel Vornam mitgeprägt hat, nicht leicht fällt. Seit 11 Jahren gehört Uta Koschel zum Team von Regisseuren, die hier regelmäßig arbeiten. In den vergangenen drei Spielzeiten war sie fest als Chefregisseurin am Haus. Mit ihren beiden letzten, ganz unterschiedlichen Inszenierungen in dieser Funktion setzte sie noch einmal unvergessliche Akzente: Mit »Harper Regan« von Simon Stephens, der Tragödie einer Frau, die vor lauter Warten auf das Leben das Leben an sich vorbeiziehen lässt. Und mit »Hexenjagd« von Arthur Miller, einer Inszenierung, die zwar in einer puritanischen Gemeinde des Jahres 1692 angesiedelt ist, die aber als Parabel für eine Gesellschaft, in der Toleranz und Vernunft im öffentlichen Diskurs immer stärker einem hysterisch geführten, gefährlichen Disput weichen, mit aller Deutlichkeit ins Hier und Heute weist.  Erinnert sei auch an ihre Heilbronner Inszenierungen wie »Das Fest«, »Die Katze auf dem heißen Blechdach« oder »Der Besuch der alten Dame« oder den Komödienhit »Der nackte Wahnsinn« – da werden Bilder wieder lebendig. Ihr Markenzeichen als Regisseurin ist, dass sie kein Markenzeichen hat. Uta Koschel entwickelt die Inszenierung immer aus dem jeweiligen Stoff heraus gemeinsam mit ihrem Team, mit einer klugen, fein ziselierenden, die handelnden Figuren genau untersuchenden Arbeitsweise und einem guten Gespür für Timing und Rhythmus. Da vereinen sich in der Tochter einer Schauspielerin und eines Dramaturgen offenbar beide elterliche Talente.

Bei den Proben zu »Hexenjagd«gewährte Uta Koschel den Studenten der Heilbronner Hochschule exklusive Einblicke in die Entstehung des Stücks. In einer Premierenklasse durften die Studierenden einzelne Proben der Inszenierung begleiten.

Vermissen wird Uta Koschel das großartige, äußerst vielseitige Heilbronner Ensemble, mit dem es Freude macht zu arbeiten: »Mit jedem einzelnen«. Auch die Mitarbeiter in den Werkstätten seien ganz besonders: »Sie arbeiten immer für die Kunst und machen ALLES möglich.« Überhaupt sei das ganze Haus außergewöhnlich gut organisiert und von einem hohen Arbeitsethos geprägt. Heilbronn als Stadt werde immer quirliger und dynamischer, und das Publikum sei wach und dem Theater sehr zugetan. Aber einen Wermutstropfen hatte ihr Engagement im Südwesten immer: Ihren Lebensgefährten Jon- Kaare Koppe, Schauspieler in Potsdam, hat sie viel zu selten gesehen. Schon seit der Schauspielschule sind die beiden ein Paar.  

Von Schwedt, ihrer neuen Wirkungsstätte, sind es nur rund 70 Minuten bis zur gemeinsamen Wohnung in Berlin. Aber nicht nur deshalb freut sie sich auf die Arbeit in den Uckermärkischen Bühnen. »Das Theater ist das kulturelle Zentrum einer spannenden Region«, beschreibt Uta Koschel. Früher abseits am äußersten östlichen Rand der DDR gelegen, findet sich die Stadt jetzt mitten im Herzen Europas wieder – zehn Kilometer von Polen entfernt. Das Theater in Schwedt überwindet hier im wahrsten Sinne des Wortes die Grenze, ist federführend in der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit. Die Uckermärkischen Bühnen arbeiten mit der Musicalhochschule in Gdynia zusammen und realisieren zweimal im Jahr große Musicals. Im traditionellen Weihnachtsmärchen kommt ein Drittel der Besucher aus Polen. Es gibt zweisprachige Schauspieler im Ensemble, so dass Stücke mit polnischen Versatzstücken aufgeführt werden. »Eine wunderbar ungezwungene Art, um sich mit der Sprache des jeweiligen Nachbarlandes zu beschäftigen.« Schwedt bringt auch Deutschsprachige Erstaufführungen polnischer Stücke heraus. »Das alles finde ich sehr aufregend“, beschreibt Uta Koschel. Das Theater bekennt sich auch zu seiner politischen Verantwortung. Darin setzt der neue Intendant André Nicke, unter dessen Leitung Uta Koschel in Schwedt beginnt, die Arbeit seines langjährigen Vorgängers Rainer Simon fort.

Einen Vorteil hat Schwedt außerdem: Zwei Wochen Winterpause, weil das Theater auch im Sommer spielt. Einen Teil davon wird sie, so überlegt Uta Koschel, wahrscheinlich in Heilbronn verbringen, um nach ihrem alten Theater zu schauen. Außerdem wird sie sich jedes Vierteljahr eine Kiste mit Heilbronner Weinen in die Uckermark schicken lassen, genießen und sich mit dem Geschmack auf der Zunge an ihre intensive Zeit in Heilbronn erinnern.

Liebe Uta: Die Träne im Knopfloch, mit der Du Dich verabschiedest, die haben wir auch.

Wir sagen DANKE – einer tollen Regisseurin und einem feinen Menschen.

Die Inszenierung »Hexenjagd« ist noch bis zum 14. Juli 2019 im Großen Haus zu sehen. Allle Termine gibt es HIER –>.

»Hexenjagd«; Foto: Jochen Quast

Spiel mich – ein Klavierwettbewerb der besonderen Art

Solche Klaviere gab es noch nie. Jedes ist ein Unikat. Vom 25. Juli bis zum 10. September werden wieder außergewöhnliche Pianos an besonderen Orten in Heilbronn stehen.

Ein Klavier aus Beton?

Auch wenn man es ihnen auf den ersten Blick nicht ansieht, man kann wirklich darauf spielen. Denn das war die einzige Bedingung, die die Bürgerstiftung Heilbronn für die Aktion »Spiel mich« gestellt hat. Ansonsten waren der künstlerischen Freiheit keine Grenzen gesetzt. 30 Entwürfe gingen bei der Jury dieses Klavierwettbewerbs der besonderen Art ein. 13 davon wurden für die Realisierung ausgewählt und mit Geld für die Beschaffung der Materialien bedacht.

Helena Limberger und Sarah Ludes im Malersaal.

Unter den Auserwählten waren auch zwei Auszubildende zum Theatermaler aus dem Theater Heilbronn: Helena Limberger aus dem 2. Lehrjahr und Sarah Ludes aus dem 1. Lehrjahr. Ihre »Klavierbearbeitung« trägt den Titel  »Freiheit der Kunst«. Das Holzpiano sieht, nachdem es durch ihre Hände gegangen ist, aus, als hätte es einen Körper aus Beton. Irritierend, wenn man aus diesem Betonklotz trotzdem die wohlklingenden Klaviertöne vernimmt. Darauf haben Helena und Sarah in Regenbogenfarben – auch die Farbwahl ist schon eine Botschaft für Toleranz – Statements gemalt, die die Freiheit eines jeden einzelnen, die Liebe und Solidarität feiern. Bevor ihr Klavier am Götzenturm aufgestellt wird und von jedem, der mag, gespielt werden kann, haben die beiden Künstlerinnen schon ein großes Kompliment bekommen. »Ist das wirklich Beton?«, fragte ein Vertreter der Bürgerstiftung, als er die beiden im Malersaal aufsuchte, um sich nach dem Stand der Arbeit zu erkundigen. Volltreffer – da haben die angehenden Meisterinnen des schönen Scheins doch schon mal gezeigt, dass die Stroh zu Gold spinnen bzw. Holz in Beton verwandeln können.  

Das Modell auf dem noch grauen »Beton«-Klavier.

»Mozart ist einer meiner Lieblingskomponisten«

Clémence Boullu singt und spielt eine ehrgeizige Kammerzofe in »La finta giardiniera«

Clémence Boullu als Serpetta, Kindermädchen beim Podestà; Foto Thomas Braun

Wir wandern weiter durch unser internationales Ensemble von »La finta giardiniera«: Clémence Boullu stammt aus Frankreich und hat in Lyon, Lausanne, Luzern und Stuttgart Gesang und Oper studiert. So lebenslustig und quirlig sie im wirklichen Leben wirkt, ist es kein Wunder, dass sie auf der Bühne in Buffo-Rollen brilliert. »Ich hatte schon die Chance, Barbarina in »Le Nozze di Figaro« und Zerlina in »Don Giovanni« zu spielen«, erzählt Clémence. »Und ich habe riesigen Spaß mit den Soubretten-Figuren von Mozart. Sie haben so viele Farben!« Gilt das auch für Serpetta, das diebische Dienstmädchen in »La finta«? »Sie ist es leid, für Leute wie die Capricciosa Arminda zu arbeiten und träumt von einem höheren sozialen Status – am besten durch Heirat mit dem Podestà. Aber leider steht dem jetzt die neue Gärtnerin Sandrina im Weg. Und noch dazu ist der verliebte Nardo immer hinter ihr her. Sie versucht alles, um ihn los zu werden: Schimpfen, schreien, Eifersucht, ihm die Zunge herausstrecken, ihn lächerlich machen … Aber er kommt immer wieder!« Sie sprudelt nur so, wenn sie über ihre Partie erzählt.  

Konstantin Krimmel, Clémence Boullu

Mozart-Partien füllen Clémence Boullus Repertoireliste. Ist er ihr Lieblingskomponist? »Einer meiner Lieblingskomponisten«, gesteht sie. »Als ich zehn Jahre alt war, habe ich »Die Zauberflöte« mit Lucia Popp als Königin der Nacht gehört und gedacht: Das ist echter Zauber! Das will ich auch singen! Ich komme aus La Côte St. André, dem Geburtsort von Hector Berlioz. Und in unserem 5000-Seelen-Dorf gibt es jeden Sommer ein Festival mit den Besten der Musikwelt. Großes Orchester, große Gefühle, tolle Musik. Das hat meine Berufswahl wahrscheinlich auch ein bisschen beeinflusst.« Im August wird dort übrigens ihr »La finta«-Dirigent Case Scaglione zu Gast sein. Aber wie geht es nach dem Sommer weiter für Clémence? »Vorsingen, vorsingen, vorsingen«, lacht sie. Fest geplant sind aber schon einige Projekte mit dem SWR, dem Kammerchor Stuttgart und dem Orpheus Vokalensemble – »und Mozart ist natürlich auch dabei, aber diesmal mit geistlicher Musik, dem Requiem!«

Bis 5. Juli 2019 ist »La finta giardiniera« noch auf der Sparkassen-Bühne auf der BUGA zu erleben.

Clémence Boullu

»Eine komische Oper funktioniert nur, wenn man ernst macht.«

Ewandro Stenzowski singt und spielt den »Podestà« in unserer Gartenoper

vlnr. Konstantin Krimmel, Ewandro Stenzowski, Clémence Boullu; Foto: Thomas Braun

»Ich bin in Brasilien geboren«, schreibt Ewandro Stenzowski auf seiner Internetseite, »und meine Familiengeschichte ist so etwas wie ein Ausdruck dessen, was mein Land ausmacht: eine komplexe Mischung aus Kulturen und Geschmäckern. Meine Wurzeln sind italienisch, afrikanisch, portugiesisch und polnisch. Das erklärt vielleicht, warum ich mich in praktisch jedem Land zu Hause fühle, in dem ich bisher gewesen bin.« Mit Musik und Gesang kam er schon früh in seiner Heimatstadt Curitiba in Berührung und blieb beidem auch über seine fünfjährige Dienstzeit bei der brasilianischen Marine treu. Seit seinem Masterabschluss an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart hat Ewandro große Tenorrollen u.a. am Opernstudio der Staatsoper Stuttgart und am Landestheater Detmold gesungen, Cavaradossi in »Tosca«, Rodolfo in »La Bohème« und Erik im »fliegenden Holländer«.

Don Anchise, Podestà von Lagonero: Ewandro Stenzowski, mit Clémence Boullu;
Foto: Thomas Braun

In »La finta giardiniera« auf der Bundesgartenschau hat er als verliebter Podestà allerdings eine durch und durch komische, komödiantische Rolle. Ist das für ihn ein krasser Wechsel? »Vor ein paar Wochen stand ich noch als Cavaradossi auf der Bühne. Es ist toll, und ich liebe die Musik. Aber jetzt freue ich mich auf etwas Leichteres, wo niemand am Ende stirbt … Oops! Spoiler!« lacht der stets gut gelaunte Tenor. Und apropos komische Rollen: »Ich habe auch schon den Alfred in der »Fledermaus« gespielt – und war im »Schwarzwaldmädel« besetzt. Wenn man eine komische Oper singt und spielt, muss man verstehen, dass es nur funktioniert, wenn man ernst macht.«

Mit seiner Rolle in »La finta« hat er sich deshalb durchaus ernsthaft auseinandergesetzt. „Weißt du, was interessant an der Rolle ist? Der Podestà heißt eigentlich Don Anchise, aber wird im ganzen Stück kein einziges Mal so genannt, sondern immer nur mit seiner Funktion bezeichnet“, erklärt Ewandro. »Das Wort »Podestà« leitet sich vom italienischen »potere (Macht)« ab, und ist als Titel so etwas wie ein nicht demokratisch gewählter Oberbürgermeister. Ein Podestà hat das Recht, praktisch alle wichtigen politischen, rechtlichen und militärischen Strukturen in einer Stadt zu kontrollieren. Im Stück versucht Don Anchise, eine Hochzeit für die Nichte zu arrangieren, so dass er mehr Einfluss und Geld bekommen kann. Ein geld- und machtgieriger Provinzherrscher. Andererseits spricht er komplizierter als fast alle anderen, und ist sehr stolz darauf. (Er singt auch sehr laut, dass er ein »gelehrter Mann« ist.) Dabei ist er wieder sehr komisch.« Ist das dann die Herausforderung für das Spiel? Wieder lacht Ewandro: »Ja, genau, genau die Balance zu finden zwischen Autorität und Sympathie und Leichtigkeit in der Figur.«

Johanna Pommranz und Ewandro Stenzowski; Foto: Thomas Braun

Hier geht es zu allen Vorstellungsterminen!

»Wir brennen für die Musik!«

Manuela Vieira singt und spielt »Arminda« in »La finta giardiniera«

Arminda, edles Fräulein aus Mailand: Manuela Vieira (rechts) Foto: Thomas Braun

»Die Oper könnte nicht besser auf die BUGA passen«, freut sich Manuela Vieira. Die junge Sopranistin, die wie ihr Kollege Ewandro Stenzowski aus Brasilien stammt und ihren Master in Stuttgart gemacht hat, ist dem Heilbronner Publikum schon aus »Così fan tutte«, der ersten Kooperation zwischen dem Theater Heilbronn, dem WKO und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, bekannt. Damals sang sie die Fiordiligi, in unserer Oper auf der Bundesgartenschau nun die Partie der Arminda, beide starke, leidenschaftliche Frauen. »Mozart war 18 Jahre alt, als er »La finta« komponiert hat, und 16 Jahre später fand die Uraufführung von »Così« statt. Sein jeweiliger Reifegrad spiegelt sich in seiner Musik und in der Konzeption der Rollen«, erklärt Manuela. »Beide sind junge und reiche Frauen, beide singen sehr dramatische Bravourarien (»Vorrei punirti indegno« und »Come scoglio«), aber was sie verbindet ist viel geringer, als das, was sie unterscheidet: Arminda, die Nichte des Podestà, hat ein klares Ziel vor Augen, von Anfang bis Ende. Sie ist entschlossen, dreist und direkt, fast übertrieben wie eine lustige Karikatur. Dagegen hat Fiordiligi so viele Nuancen, Gedanken und Gefühle, dass es mir manchmal schwer gefallen ist, sie als Opernrolle und nicht als echte Person zu sehen.«

Manuela Vieira und Paul Sutton; Foto Thomas Braun

Ist Arminda also im Kontrast dazu eine komische Figur? Manuela Vieira lacht: »Sie weiß auf jeden Fall ganz genau, was sie will. Noch mehr Luxus, als sie bisher gewohnt ist. Sie ist es auch gewohnt, immer alles zu bekommen, aber plötzlich laufen ihre Pläne nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Und sie will den Grafen haben und Gräfin werden, egal was sie dafür tun muss!«

Und wie ist es, eine Gartenoper im Garten zu spielen? »Case Scaglione und Axel Vornam haben zusammen ein großartiges Spektakel geschaffen. Und wir als junges Team auf der Bühne freuen uns über die wunderschönen Kostüme und brennen für die Musik! Wir haben schon durch die vielen Zuschauer während der Proben gemerkt, dass es eine tolle Gelegenheit für die Menschen ist, die (noch) keine großen Opernfans sind, diese Art von Theater kennen zu lernen. Und wir hoffen, dass das Publikum minimum so viel Spaß hat wie wir auf der Bühne!«

vlnr. Ewandro Stenzowski, Manuela Vieira, Paul Sutton; Foto Thomas Braun

Hier geht es zu den Vorstellungsterminen!

Ein glückliches Paar sieht anders aus …

Ein Probenbesuch bei der »Gärtnerin«
Mozarts »La finta giardiniera« probt (noch) auf der Probebühne

Die Pause ist vorbei. Geprobt wird der Anfang des zweiten Aktes. Laut Libretto befinden wir uns in einer Halle im Palast des Podestà, des Bürgermeisters von Lagonero (deutsch: Schwarzensee). Real befinden wir uns auf der Probebühne 2 im Probenzentrum in der Christophstraße. Noch sind die Stellwände aus Pappkarton. Die davor stehenden Gartenmöbel für die Gartenoper sind schon die Originale, die bei der Premiere von »La finta giardiniera« auf der BUGA zum Einsatz kommen werden.

Die Darsteller von »La finta giardiniera« hier noch im Probenzentrum. (Foto: Andreas Donders)

»Alles OK?« fragt Regisseur Axel Vornam seine (noch) unsichtbaren Sänger hinter der Kulisse. »Seid ihr so weit? Los geht’s.« Auftritt Manuela Vieira von rechts. Arminda war im ersten Akt eigentlich nach Lagonero gekommen, um sich mit dem Grafen Belfiore zu verloben. Dummerweise hat er kurz vor der Pause seine tot geglaubte Ex Violante wieder getroffen. Kein Wunder, dass die mondäne Arminda auf die Bühne rast, im kleinen Schwarzen, mit Sonnenbrille und topmodischer Handtasche, die sie in ihrer Erregung auf einen der Gartenstühle wirft.

So ist es zumindest gedacht. Diesmal fällt die Handtasche neben den Stuhl. »Stop«, unterbricht Axel Vornam lachend, »Manuela hat sich verworfen.« Die Szene beginnt von vorne. Wegen so einer Lappalie unterbrechen? Aber natürlich, denn jedes Detail einer Inszenierung hat seine Bedeutung. Dass die Handtasche da landet, wo sie landen soll, ist für den weiteren Verlauf des Geschehens nicht ganz unwichtig: In einer späteren Szene kommt sie genau auf diesem Stuhl als zentrales Requisit zum Einsatz, wenn das Dienstmädchen Serpetta (Clémence Boullu) ein diebisches Interesse am Inhalt hat.

Aber zurück zur Szene. Korrepetitorin Jinhee Park gibt am Klavier den Einsatz. Recitativo. Auftritt Paul Sutton von hinten. Der Graf Belfiore kommt auf die »Terrasse« und muss sich den Fragen und Vorwürfen Armindas stellen. Die steigern sich zur virtuosen Arie »Vorrei punirti indegno« (Ich wollte dich bestrafen, Unwürdiger), nicht umsonst »Aria agitata« bezeichnet. Aufgeputscht von Leidenschaft und Eifersucht reißt Arminda ihren abgewandten Bräutigam herum. Ein glückliches Paar sieht anders aus. Und hier sieht man, was sich in der Inszenierung Axel Vornams durch die ganze Oper ziehen wird: Es sind die Frauen, die die Hosen anhaben und den Männern zeigen, wo es lang geht. Im Falle von Beatriz Simoes in der »Hosenrolle« des Contino Ramiro ganz buchstäblich.

Noch etwas wird in der kleinen Szene klar: Mit »La finta giardiniera« bedient der damals erst 18jährige Wolfgang Amadeus Mozart zwar die gängigen Typen und Muster der komischen Oper seiner Zeit, aber – wie um 1775 üblich – gehören durchaus auch ernste Momente und tiefe Leidenschaften zum Repertoire. Deshalb nennt Mozart »La finta« auch »Dramma giocoso« – ein »lustiges Drama«.

Diese Probe ist schon fast eine der letzten im Probenzentrum. In der darauffolgenden Woche geht es auf die Bundesgartenschau. »Oh Dio, oh Numi« singt Manuela Vieira, alias Arminda, gerade im nächsten Rezitativ. Genau! Mögen die Wettergötter der Gärtnerin gewogen sein!

Die Premiere der Oper »La Finta Giardiniera« ist am Sonntag 9. Juni 2019, 20:00 Uhr auf der Sparkassenbühne auf dem BUGA-Gelände.

Komische Oper mit tiefem Gefühl

Mit »La finta giardiniera« wächst Mozart über die »typischen« Opern seiner Zeit hinaus

Drei Jahre hatte Wolfgang Amadeus Mozart keine Oper mehr geschrieben. Da erhält er 1774 den Auftrag des Münchner Hofintendanten, ein Werk für den Münchner Fasching zu komponieren. Lustig soll es sein – und ein Textbuch gibt es auch schon. Der kurbayerische Gesandte hat es von einer erfolgreichen Aufführung in Rom mitgebracht. Wer zahlt, so die Regel damals, bestimmt auch das Libretto, der Komponist macht nur die Musik dazu. Urheberschutz oder Plagiatsvorwürfe spielen keine Rolle.

Und der 18jährige Mozart macht sich an die Arbeit für »La finta giardiniera (Die Gärtnerin aus Liebe)«. Typisch für die komische Oper dieser Zeit ist die Spielhandlung, typisch sind die sieben Rollen-Typen, die sie antreiben und am Laufen halten. Don Anchise, der Bürgermeister, der auf seinem Landgut die Verlobung seiner Nichte ausrichtet, erinnert nicht zufällig an den lüsternen alten »Pantaleone« aus der italienischen Stegreifkomödie, der Commedia dell’Arte. Dazu kommen jeweils ein ernstes, ein komisches und ein gemischtes Liebespaar, die sich verlieben und verwechseln, zerstreiten und versöhnen, nicht immer in dieser Reihenfolge.

Ein Blick in den Probenraum auf die Figurinen der Kostüme. Foto Andreas Frane

Man sieht es schon an dieser Besetzung: Die komischen Opern der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren »Mischformen«, in denen auch tiefe Gefühle und heftige Leidenschaften, die man aus der »Opera seria« kennt, ihren Platz finden. Und gerade hier zeigt der 18jährige Komponist einen großen musikalischen Einfallsreichtum, der schon auf die späteren Meisterwerke verweist. Wer würde in einer Faschingsoper eine intensive, mitreißende Wahnsinnsarie vermuten?

»La finta giardiniera« ist so abwechslungsreich wie musikalisch berückend – und ab 9. Juni 2019 auf der BUGA Heilbronn zu erleben. Musikalische Kostproben mit Mitgliedern des Ensembles gibt es bereits beim Theaterfrühstück am 2. Juni um 11 Uhr im Oberen Foyer des Theater Heilbronn.

Die Requisiten lassen mörderische Absichten vermuten. Foto: Andreas Frane