»Üben, üben, üben, bis alles sitzt«

In dieser Spielzeit hat er als Tartuffe, als Schöller und als Lenglumé in »Die Affäre Rue de Lourcine« das Publikum zum Schmunzeln, Lachen, sogar zum Japsen gebracht. Nils Brück spricht mit Dramaturg Andreas Frane über die harte Arbeit an der Komödie.

»Die Affäre Rue de Lourcine« Nils Brück, Hannes Rittig; Foto: Thomas Braun

Andreas Frane: Welche Voraussetzungen und Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man Komödie spielen will?

Nils Brück: Mein Wissen stützt sich vor allem auf Erfahrungen aus der Praxis. Komödie braucht aus meiner Sicht viele Zutaten: Zuerst einmal Spielfreude – Verspieltsein, Mut – Übermut, Disziplin – Anarchie, Timing, Rhythmus, Genauigkeit, Instinkt, Publikumsnähe und die Bereitschaft zum Scheitern.

Kann man »komisch sein« lernen?

Ich glaube, es gibt schon Schauspieler, die für dieses Genre besonders begabt sind. Und eine häufige Beschäftigung mit Komödien verschiedenster Herkunft (aus Frankreich, Großbritannien, Irland, Amerika, Deutschland) hilft sicher auch, seine Fähigkeiten auf diesem Gebiet zu entwickeln. Aber nur das und ausschließlich für die Bühne zu erlernen? Das gibt es wahrscheinlich nicht. Anders ist es im Zirkus. Da gibt es ja viele und auch tolle Clownsschulen. Auch die Pantomimen haben eine Spezialausbildung. Beide von mir sehr geschätzte und bewunderte Kunstformen.

Karl Valentin hat einmal gesagt: »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.« Trifft das besonders auf die Komödie zu?

Absolut. Man durchläuft während der Proben verschiedenste Phasen. Das Entwickeln einer Situation, das Ausreizen des Scheiterns (denn es geht in der Komödie immer um das Scheitern, um die Not von Individuen in Extremsituationen, um die Zuspitzung einer unlösbaren Schwierigkeit) macht gerade zu Beginn einer Arbeit großen Spaß. Dann geht es um Genauigkeit, um das richtige Timing und um eine Wiederholbarkeit des Ganzen. Das ist harte Arbeit. Auch das gesamte Team kann ja nicht zwanzig, dreißig Mal über das Gleiche lachen. Dabei geht oft der Spaß verloren. Und man muss wie ein Jongleur üben, üben, üben, bis alles sitzt. Belohnt wird man dann, sollte alles gelingen, mit dem herzlichen Lachen des Publikums.

Hierzu vielleicht eine kleine Anekdote aus unserer letzten Vorstellung der »Affaire Rue de Lourcine«: Nach einem Satz in meinem Monolog lachte eine Frau ganz laut auf. Als sie merkte, dass sie die Einzige war, sagte sie »Oh Gott« und hielt sich den Mund zu. Ich hatte mich aber über die Reaktion gefreut und habe sie von der Bühne aus angesprochen: »Ach bitte, Sie können ruhig weiter lachen. Wir freuen uns…« Zum Lachen muss man eben nicht in den Keller gehen …

»Die Affäre Rue de Lourcine« Hannes Rittig, Nils Brück ; Foto: Thomas Braun

Wie viele Freiheiten darf / kann man sich denn erlauben?

Tja, das ist eine gute Frage, die auch von uns immer wieder diskutiert wird. Denn wo ist der Grat zwischen dem, was neu hinzukommt und dem Abend gut tut, und dem, was den Abend eher beschädigt? Da trifft man den Punkt nicht immer. Aber trotzdem ist es wichtig, eine Lebendigkeit zu erhalten. Das ist nicht so leicht in unserem Metier.

Es ist viel von Techniken bei Komikern und Komödianten die Rede. Wie verhindert man andererseits, dass Komödie auf der Bühne »technisch« wird und wirkt?

Ich glaube bei allen Stücken, so auch in der Komödie, kommt es darauf an, die Spielsituationen immer wieder neu zu erleben. Jeder Abend sollte ein Unikat sein und somit ein Erlebnis für das Publikum schaffen, dass eben nur an dem speziellen Abend in dieser Form stattfindet. Es ist alles live! Es geht um ein Gemeinschaftserlebnis, mit allen Fehlern, die passieren, mit Zustimmung oder Ablehnung des Publikums. Man muss sich also als Schauspieler trauen, sich im Moment zu bewegen.

Gibt es Gags, Techniken, Witze, die beim Publikum garantiert funktionieren?

Ja, gibt es schon, denke ich. Man muss Sie aber dosiert einsetzen, sonst nutzen sie sich ab. Welche das sind, wird aber nicht verraten …

Nils, ich bedanke mich herzliche für dieses Gespräch.

Den mörderisch komischen Monsieur Lenglumé aus »Die Affäre Rue de Lourcine« spielt Nils Brück nur noch am 20., 25. Und 26. April im Komödienhaus.

»Die Affäre Rue de Lourcine« Sven-Marcel Voss, Nils Brück ; Foto: Thomas Braun

In der »Affäre Rue de Lourcine« geht es nicht mit rechten Dingen zu

Sven-Marcel Voss Zaubereien treiben den Irrwitz auf die Spitze

Sven-Marcel Voss als Diener Justin links
(v.l.n.r. Hannes Rittig, Nils Brück & Sabine Unger, Foto: Thomas Braun)

Leide ich an einer Sinnestäuschung  ̶  oder was ist da gerade passiert? Eben hat Sven-Marcel Voss als Diener Justin seinem Herrin Norine aus einer durchsichtigen Karaffe mit kristallklarer Flüssigkeit eingeschenkt, aber der Drink im Glas ist grasgrün. Eine Sekunde später füllt sich der Becher von Lenglumé aus derselben Karaffe mit einem blauen Getränk, und der Schluck in Mistingues Glas ist rot. Zauberei! Willkommen in der rasanten Komödie »Die Affäre Rue de Lourcine« von Eugene Labiche im Komödienhaus, in der nichts, aber auch gar nichts, so ist, wie es scheint. Nils Brück als Lenglumé und Hannes Rittig als Mistingue tun darin alles, um ein Verbrechen zu verschleiern, von dem sie vermuten, dass sie es im Zustand der völligen Trunkenheit begangen haben. Immer misstrauisch beäugt von Lenglumés Frau Norine (Sabine Unger), die sich über das merkwürdige Treiben der beiden Männer wundert und sich mit ihrem übergriffigen Vetter Potard (Marek Egert) und eben jenem so gar nicht diensteifrigen Angestellten Justin herumärgert. Als wenn das Geschehen nicht schon turbulent genug wäre, sorgt Justin mit seinen irritierenden Aktionen für zusätzliche Verwirrung. Er steckt beim Aufräumen eine Champagnerflasche in eine Papiertüte, um diese dann zusammenzuknüllen. Was doch eigentlich unmöglich ist! Er zieht sich eine meterlange Papierschlange aus dem Hals – wie geht das nur? Er lässt Schachteln aus seiner Hand verschwinden, seinen Kopf plötzlich auf einer Servierplatte auf dem Tisch auftauchen oder einen Spazierstock aus dem Nichts erscheinen. Von seinem Hechtsprung durch ein Gemälde an der Wand ganz zu schweigen.
Großer Bühnenzauber, von dem hier selbstverständlich nicht verraten wird, wie er funktioniert. Und der so leicht und beiläufig wirkt, als würde sich Sven-Marcel Voss als Justin selbst wundern über das, was ihm widerfährt. Dahinter stecken natürlich nicht nur ein großes komödiantisches Talent und schauspielerische Präzision, sondern auch jede Menge Zauberkunst.
»Das haben mir meine Kollegen eingebrockt«, sagt Sven-Marcel Voss augenzwinkernd. Als Regisseur Marc Becker im Ensemble herumfragte, welche besonderen Fähigkeiten jeder hat, erzählten die Schauspieler von Sven-Marcels Zauberkunststücken, mit denen er in launigen Runden gern für Unterhaltung sorgt.
»Allerdings sind das Kartentricks, die für die Bühne nicht geeignet sind«, sagt der junge Schauspieler. Vor rund anderthalb Jahren hat er angefangen Kartentricks zu üben, angeregt durch einen Kommilitonen, der Deutscher Vizemeister unter den Illusionskünstlern ist. Diese Tricks hat er sich selbst beigebracht, sie haben ausschließlich mit Fingerfertigkeit zu tun. Manche hat er sehr schnell drauf, für andere trainiert er lange, an anderen beißt er sich auch nach monatelanger Übung die Zähne aus. Bisher macht er das alles nur für sich und kleine Shows in geselliger Runde. Ein abgegriffenes Kartenspiel hat er dafür immer dabei.

Auf der Bühne zu zaubern verlangt nach mehr Hokuspokus und Magie, auch nach wesentlich mehr Ausstattung  und braucht natürlich auch viel Übung. Bei der Erarbeitung der kleinen Zaubernummern, die die Inszenierung noch charmanter machen, hatte er freie Hand und suchte nach Tricks, die zur jeweiligen Szene passen. Eigentlich lohnt es sich, schon allein wegen der Zaubertricks noch ein zweites Mal in die Vorstellung der »Affäre Rue de Lourcine« zu gehen. Aber auch sonst ist dieser Abend einfach ein Vergnügen. Nicht umsonst nennt Leonore Welzin ihn in ihrer Kritik in den Fränkischen Nachrichten »einen komödiantischen Volltreffer«. 

Bei der »Dreigroschenoper« spielen acht Musiker das Instrumentarium eines ganzen Orchesters

Heiko Lippmann hält sich als musikalischer Leiter an die Praxis der Uraufführung

Heiko Lippmann, Foto:privat

Vorsicht Ohrwurm! Tagelang setzt sich nach dem Besuch der »Dreigroschenoper« die Musik im Kopf fest, schleichen sich Erinnerungen an Melodiefetzen ein, summt man das »Lied von der Seeräuber-Jenny« oder die »Moritat von Mackie Messer« vor sich hin. Schon 1928 nach der Uraufführung am 31. August 1928 waren die Melodien auf den Straßen Berlins allgegenwärtig – ob gesungen oder gepfiffen – die Stadt war im »Dreigroschenfieber«.  Munter hatte sich Komponist Kurt Weill aller möglichen Stilrichtungen bedient – ob bei Oper und Operette, beim Kirchenchoral oder der Tanz- und Jazzmusik der 20er Jahre. Seine Originalpartitur schrieb 23 Instrumente vor, die aber nie gleichzeitig, sondern abwechselnd zum Einsatz kamen. Diese wurden von nur acht Musikern gespielt, die alle verschiedene Instrumente beherrschten. Es war die Lewis Ruth Band, eine damals in Berlin äußerst populäre Jazz-Formation.
An dieser Aufführungspraxis orientiert sich auch Heiko Lippmann, der musikalische Leiter der Heilbronner  Inszenierung der »Dreigroschenoper«. Seine Dreigroschen-Band besteht aus freien Musikern, die für dieses Projekt zusammengestellt wurden, aber zum größten Teil schon bei mehreren musikalischen Produktionen am Theater mit dabei waren. Jeder ist Spezialist auf seinem Instrument oder seiner Instrumentenfamilie. Aber dass Posaunist Tobias Scheibeck nun als Zweitinstrument den Kontrabass spielt, die Gitarristen Johannes Weik und Philipp Tress das Cello streichen oder Schlagzeuger Christoph Sabadinowitsch seit neuestem Trompete bläst, hätten sie sich vor ihrem Engagement für die »DGO«, wie dieser Klassiker von Brecht und Weill theaterintern genannt wird, wohl kaum träumen lassen.
Es gibt zwei Möglichkeiten, den Anforderungen des Verlags zu entsprechen, erklärt Heiko Lippmann, der selbst während der Vorstellungen nicht nur Klavier, Harmonium und Celesta spielt, sondern auch noch dirigiert. Entweder man besetzt jedes Instrument einzeln und hat ein ganzes Orchester im Einsatz, selbst wenn manche Musiker nur wenige Takte zu spielen haben. Oder man entscheidet sich, wie schon Bertolt Brecht und Kurt Weill höchst selbst für die multibegabten Könner. Lippmann hat das mit den Musikern seines Vertrauens und mit der Theaterleitung besprochen. Und schickte dann vor rund einem Jahr, als die Entscheidung für die »Dreigroschenoper« und diese Umsetzung gefallen war, einige Musiker noch mal in die Musikschule. »Alle hatten genug Zeit und sie sind talentiert genug, sich auf diese Herausforderung einzulassen«, lobt Lippmann seine Band.  Natürlich haben sie sich speziell auf die Passagen, die sie auf den neuen Instrumenten zu spielen haben, vorbereitet und beherrschen alles zur Zufriedenheit ihres musikalischen Leiters. »Trotz der schnellen Instrumentenwechsel entsteht kein Chaos im Orchestergraben«, versichert Lippmann augenzwinkernd.
Übrigens versucht er auch in anderen Dingen der Uraufführungspraxis möglichst nahe zu kommen. Die Trommel, die hier zum Einsatz kommt, stammt aus jener Zeit und klingt ganz anders als heutige Instrumente. Die Trompete spielt mit einem System wie die damaligen Jazz- und Bigband-Trompeten. »Eine museale Aufführung möchte ich aber nicht«, sagt Lippmann, sondern eine frische, unverkrampfte Interpretation dieser großartigen, anspruchsvollen Musik, die auf den ersten Blick so unspektakulär daherkommt und einem nie wieder aus dem Kopf geht.

Die Band im Orchestergraben. Foto: Thomas Braun

Und das ist die Band:
Klavier/Harmonium/Celesta: Heiko Lippmann/Marcus Herzer
Altsaxofon/Flöte/Kleine Flöte/Klarinette/Sopransaxofon/Baritonsaxofon: Johannes Reinhuber/Dirk Rumig
Tenorsaxofon/Klarinette/Fagott/Sopransaxofon: Michael Toursel
Trompete 1: Igor Rudytskyy
Posaune/Kontrabass: Tobias Scheibeck
Schlagzeug/Trompete 2: Christoph Sabadinowitsch
Bandoneon: Karin Eckstein/Roland Senft
Gitarren/Cello: Johannes Weik/Philipp Tress

Wie der Boxenstopp in der Formel Eins

Julia Schmalbrock springt in »Spiel’s nochmal, Sam« in viele Rollen – und Kostüme


»Nancy, Gina, Vanessa, Barbara, zwei ohne Namen und Sharon gibt es zwei Mal«, zählt Julia Schmalbrock, »acht Rollen in einem Stück. Das hatte ich noch nie.« Die gebürtige Münchnerin, die acht Jahre lang am Staatstheater Hannover von Pünktchen in »Pünktchen und Anton« bis »Minna von Barnhelm« große und kleine Rollen gespielt hat, ist für »Spiel’s nochmal, Sam« als Gast nach Heilbronn gekommen. Und in einer schweißtreibenden Inszenierung gelandet: »Es sind, ich glaube, zehn Umzüge, die schnellsten dauern knapp unter einer Minute. Das kann man sich ein wenig vorstellen wie beim Boxenstopp in der Formel Eins«, lacht Julia Schmalbrock. »Sobald ich von der Bühne komme, werde ich von zwei Ankleiderinnen und einer Maskenbildnerin in kürzester Zeit einmal komplett ent- und wieder bekleidet. In den ersten Proben war das ganz schön stressig, aber inzwischen sind wir richtig gut eingespielt.« Auf jeden Fall ist Jens Kerbels turbulente Inszenierung eine Chance, die eigene Vielseitigkeit auf die Probe und zur Schau zu stellen. Denn so viele unterschiedliche Frauentypen hat man als Schauspielerin selten in einer Spielzeit zu zeigen, geschweige denn in einem einzigen Stück.

»Spiel’s nochmal, Sam« ist nur noch bis zum 22. Februar im Komödienhaus zu belachen.
https://www.theater-heilbronn.de/spielplan/detail/inszenierung/spiels-nochmal-sam.html

v.r. Judith Lilly Raab, Oliver Firit & Julia Schmalbrock in »Spiel´s nochmal, Sam«
Julia Schmalbrock & Oliver Firit in »Spiel´s nochmal, Sam«

Meet the Cast – Das Herrenquartett

Sie kommen aus ganz unterschiedlichen (Himmels-)Richtungen und mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund nach Heilbronn und bilden doch ein Ensemble: Das Herrenquartett an Musicaldarstellern, das wir uns zur Verstärkung für »Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken« engagiert haben. David Roßteutscher hat zum Beispiel seine Karriere im Tanz begonnen und wurde 2013 von der Fachzeitschrift »tanz« zum Tänzer des Jahres nominiert. Arne David und Andreas Röder sind zwei erfahrene Musicaldarsteller, die zwischen dem Berliner Friedrichstadtpalast, den Bad Hersfelder Festspielen und dem Deutschen Theater in München auf vielen bekannten Bühnen gestanden haben. Manuel Heuser spezialisiert sich nach dem Musicalstudium am Konservatorium Wien gerade auf ein Sologesangsstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim.

»Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken«

An Herausforderungen mangelt es ihnen in Thomas Winters turbulenter Inszenierung nicht. Die schnellen Umzüge und Szenenwechsel halten die Herren auf Trab, aber sie empfinden sich – da sind sich alle einig – als »eingespieltes Team«. Auf die Frage, welche der vielen kurzen,  kleinen Rollen ihnen jeweils am meisten gefällt, sprudeln die Antworten: »Mir hat sich der Page Pierre besonders ins Herz gespielt«, grinst Arne David. Für Manuel Heuser ist es »sicherlich der Eisbär, dank des liebevoll gestalteten Kostüms. Auch wenn ich in den wenigen Minuten, in denen ich das Kostüm trage, mehr schwitze als in den Tanzszenen.« David Roßteutscher dagegen findet, dass sein »schlecht gelaunter Geisterbahn-Clown« heraussticht, während Andreas Röder ein eigenes besonders Highlight hat: »Für mich es die Latin-Dance-Nummer. Da knallt einfach das Orchester und auf der Bühne tauchen wir alle in die Cha-Cha-, Tango- und Salsa-Schritte ein. Da ist die Energie so schön hoch!«

Die letzte Vorstellung von »Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken« geht am Donnerstag, den 19. Juli über die Bühne des Theater Heilbronn.

Ohren auf! Stimmbänder geölt? Die BUGA-Entdecker werden zu Lautsprechern

Die Sonne scheint, 0% Regenrisiko und die BUGA-Entdecker sind wieder unterwegs auf dem BUGA-Gelände.

BUGA-Entdecker

Es gibt wieder viel Neues zu entdecken, das angepflanzt, gebaut, weitergewachsen ist und die Entdecker marschieren wieder mit ganz offenen Augen durchs Gelände.
Die Pappeln sind schon wieder ein ganz schönes Stück gewachsen, die Wohnhäuser nehmen langsam Gestalt an und überall blüht und brummt und summt es.
Das Thema dieses Treffens heißt »Lautsprecher«! Ein Lautsprecher kann ein Gerät sein, das Klänge erzeugt, aber ein Lautsprecher kann auch ein Mensch sein, der sich lautstark Gehör verschafft.Das wird an diesem Tag geübt. »Was ist denn das Wichtigste, um laut zu sprechen? « fragt Stefan Buck. Die Kinder sammeln Ideen:  »Die Zunge.« »Die Zähne.« »Die Stimmbänder.« »Man muss den Mut haben sich zu trauen.« Alles sehr wichtig zum laut Sprechen. Aber das Allerwichtigste ist die Luft!
Zunächst werden gemeinsam Atemübungen gemacht. Dann müssen die kleinen Entdecker zum einen sehr gut zuhören und zum anderen klar und deutlich sprechen: Einem Kind werden die Augen verbunden und der Partner muss dem Blinden nur mit der Stimme helfen, über ein Feld mit Tannenzapfen zu laufen, ohne auf diese zu treten. Eine ganz schön knifflige Aufgabe. Aber die BUGA-Entdecker stellen sich der Herausforderung. Nach dem erfolgreichen Bestehen dieser Prüfung gehen sie gewappnet mit ihren Lieblingswörtern zu der nächsten Aufgabe.
Die Lieblingswörter sind ganz unterschiedlich: von Möhre, Pusteblume, Ferien, Baum bis Grashalm sind einige spannende Wörter dabei. Die Kinder müssen verschiedene Aufgaben mit dem Lieblingswort bewältigen: das Wort muss gesungen werden, in einer Diskussion gegen ein anderes Lieblingswort bestehen, der Tomate wird eine Liebeserklärung gemacht, das Wort wird aus Körpern auf den Boden gelegt, das Wort soll dreimal anders betont werden und wir hören die Geschichte von der Banane, die so gerne Grimassen zieht.
Mitte findet das nächste Treffen der BUGA-Entdecker statt, diese wird auch unser letztes sein, bei welchem die BUGA-Entdecker zum »Blickfang« werden.

Meet the Cast: Dance Captain – Sabrina Stein

Die erfahrene Musicaldarstellerin Sabrina Stein hat bei »Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken« noch viel mehr zu tun, als »nur« auf der Bühne zu spielen, zu singen und zu tanzen. Sie hat dazu noch die Aufgabe des »Dance Captain« für alle 18 Vorstellungen übernommen. Da ist es hilfreich, dass sie seit 2001 auch als Tanzdozentin arbeitet.

Dance Captain Sabrina Stein, Mitte im grünen Kleid

Was sind die Aufgaben eines Dance Captain?
Der sogenannte »Dance Captain« ist dafür verantwortlich, die Show tänzerisch auf Premierenniveau zu halten. Er bietet dem Ensemble nach Möglichkeit ein »Warm up« an und korrigiert die Fehler, die sich mit der Zeit in die Vorstellungen einschleichen können. Besonders gefragt ist er dann, sollte eine Vorstellung nicht mit der Original-Besetzung auf die Bühne gehen. Je nachdem ob ein/e Künstler/in krankheitsbedingt ausfällt oder eine Position neu besetzt werden muß, stellt der Dance Captain die Formationen der Choreographien um oder trainiert den/die neue Künstler/in ein.

Was waren die besonderen Herausforderungen oder ein besonderer Reiz für dich bei den »Schurken«?
Der besondere Reiz war, dass ich dieses Stück zuvor nicht kannte, weder den Film noch eine Bühnenfassung. Bei einem selten gespielten Musical dabei zu sein, ist besonders toll. Die Herausforderung war, als Ensembledarstellerin in ständig wechselnde Figuren zu schlüpfen. Dazu kam ein sogenannter »Quick Change«, ein superschneller Umzug, der meinen Kampfgeist geweckt hat.

Was kommt als Nächstes für Sabrina Stein?
Ab August probe ich am Capitol Theater Mannheim für »Evita«, die Premiere ist im September.

Die letzten Gelegenheiten, unsere »Schurken« bei ihrem schurkischen Treiben zu erleben, sind am 5. und 19. Juli!
Weitere Informationen zum Stück: https://bit.ly/2sP06Pp

Es lebe der Widerspruch – Henrik Ibsen und sein „Volksfeind“

Von Sophie Püschel

Henrik Ibsen gilt als »Ahnherr des modernen Dramas«. Wie ein Feinmechaniker schaut er in seinen Stücken in die Abgründe der menschlichen Seele und hinter die Fassade der scheinheiligen Gründerzeitgesellschaft. Dabei sind seine Figuren – wie Ibsen selbst – voller Brüche und Widersprüche. Er, der Revolutionär der Theaterwelt, war privat ein Spießer mit Backenbart, der selbst zu Hause mit Orden durch die Wohnung stolzierte.

Es gibt viele Parallelen zwischen Henrik Ibsen und Tomas Stockmann, seinem Haupthelden aus „Ein Volksfeind“, gespielt von Oliver Firit. Foto: Thomas Braun

 

Die Angst vor dem sozialen Abstieg

Henrik Ibsen wurde 1829 in Skien, einem kleinen Küstenort im Süden Norwegens geboren. Obwohl die Stadt nur 3000 Einwohnern hatte, herrschte ein reges Geschäfts- und Gesellschaftsleben. Ibsens Familie gehörte zu  den angesehensten Familien des Ortes, sein Vater Knud hatte einen florierenden Großhandel aufgebaut. Als ältestes von fünf Kindern wuchs Henrik Ibsen in einem gastfreundlichen und geselligen Haus am Stockmanns Gaard auf, eben jenes Umfeld nach dem sich auch Tomas Stockmann in »Ein Volksfeind« sehnt. Jedoch änderten sich 1834 die Lebensverhältnisse der Familie schlagartig. Knud Ibsen hatte sich bei seinen Geschäften finanziell übernommen und musste Bankrott erklären. Die Familie zog aufs Land. Henrik Ibsen empfand diese Deklassierung zeitlebens als schwere Demütigung. Die Angst vor sozialem Abstieg und die Sorge außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu stehen, wird zum zentralen Thema seiner Werke. Der 15-Jährige Ibsen nimmt schließlich im verschlafenen Örtchen Grimstad eine Apotheker-Lehre auf. Schnell ist ihm klar, dass er es in den beengten Verhältnisse der Provinz nicht lange wird aushalten können. Das Leiden an der Borniertheit und Engstirnigkeit seiner Landsleute teilt Ibsen mit seinem Protagonisten Tomas Stockmann, mit dem ihn auch das Interesse für Medizin verbindet. In den Abendstunden beginnt Ibsen mit dem Verfassen erster Gedichte und Dramen, die zunächst keinen großen Anklang finden. Doch der ambitionierte Jungdramatiker gibt nicht auf und wird 1851 Hausautor am ein Jahr zuvor gegründeten Norwegischen Theater in Bergen. Einige Jahre später wechselt er als Künstlerischer Leiter an das Norwegische Theater in Christiania, dem heutigen Oslo. Doch sein Ziel, die norwegische Dramatik zu beleben, scheitert. Das Theater muss fünf Jahre nach seiner Eröffnung Konkurs anmelden. Ibsen gerät künstlerisch und finanziell in die Krise. Er fühlt sich unverstanden und sehnt sich nach neuen dichterischen Impulsen, die er außerhalb Skandinaviens sieht.

Der Befreiungsschlag

Dank eines Reisestipendiums kann er gemeinsam mit seiner Frau Suzannah und dem gemeinsam Sohn Sigurd nach Rom reisen. Aus dieser einjährigen Reise werden schließlich 27 Jahre im freiwilligen Exil in Italien und später in Deutschland. Diese kühne Entscheidung ist für Ibsen ein künstlerischer Befreiungsschlag, denn erst im Ausland werden seine Hauptwerke entstehen: »Peer Gynt« (1867), »Nora oder ein Puppenheim« (1879), »Ein Volksfeind« (1882), »Hedda Gabler« (1890) u.a. Erst durch die Ferne gewinnt Ibsen einen klareren Blick auf seine Landsleute und vermag jetzt »die Hohlheit hinter diesen selbstgeschaffenen Lügen unseres sogenannten öffentlichen Lebens und die Jämmerlichkeit dieser ganzen persönlichen Phrasendrescherei zu sehen, der es an Worten nie fehlt, wenn es gilt, über eine ‚große Sache‘ zu schwadronieren, die aber nie den Willen, die Kraft oder das Pflichtgefühl für eine große Tat hat.« Die Verlogenheit und Scheinheiligkeit des prosperierenden Bürgertums, die Ibsen in diesen Zeilen anspricht, wird zum Leitmotiv seiner Dramen. Neben aktuellen Themen der Zeit wirkte sich die intensive Auseinandersetzung mit Hegels Dialektik maßgeblich auf sein Werk aus, die für ihn treffend die Zwiespältigkeit des Lebens verdeutlicht. In Ibsens Dramen trägt daher jeder Gedanke bereits seinen Widerspruch in sich. Dieses Prinzip von These und Antithese zeigt sich in »Ein Volksfeind« besonders deutlich an der Figurenzeichnung der beiden Brüdern Tomas und Peter Stockmann.

Im Gegenteil – Der streitbare Dramatiker    

Nach den ersten literarischen und finanziellen Erfolgen, veränderte sich Ibsens Selbstverständnis und sein Auftreten. Der etwas verkommene Bohemien, der nichts auf das Urteil anderer gibt, legte nun große Sorgfalt auf sein Erscheinungsbild und präsentierte sich als biederer Bürger. Aber auch in der Maske des Spießers blieb er ein streitbarer Dramatiker, der in seinen Stücken schonungslose Gesellschaftskritik übte und die bürgerliche Doppelmoral anprangerte. Dafür wurde er in seiner Heimat, wie Tomas Stockmann, immer wieder öffentlich angefeindet und von der Presse verunglimpft. Weshalb Ibsen mit einigen Kritikern erbitterte Fehden führte. Seinem Dichterkollegen Björnstjerne Björnson erklärte er dazu: »Glaube nicht, daß ich ein blinder, eitler Narr bin! Du kannst mir glauben, daß ich in meinen stillen Stunden ganz hübsch in meinen eigenen Eingeweiden herumwühle und sondiere und anatomiere, und zwar an Stellen, wo es am wehsten thut. Ich bin jedoch froh über das Unrecht, das mir zugefügt worden ist. Es liegt eine Hilfe und Schickung Gottes darin, denn ich fühle meine Kräfte wachsen mit dem Grimm. Soll es Krieg geben, dann nur zu!« Wie Tomas Stockmann steht auch Ibsen eisern für seine Überzeugungen ein. Er weiß, »dass ein geistiger Vorposten nie eine Mehrheit um sich sammeln kann.« Auch darin gleichen sich Tomas Stockmann und Ibsen, der erklärt, »wo ich gestanden habe, als ich meine Bücher schrieb, da steht jetzt eine ziemlich kompakte Menge. Aber ich selbst bin nicht mehr dort, ich stehe woanders, weiter vorn, wie ich hoffe.«

Als Ibsen 1891 in seine norwegische Heimat zurückkehrte, wird er endgültig in den Stand eines Nationaldichters erhoben. Aber auch im Alter konnte sich Ibsen mit seiner Heimat nicht ganz versöhnen. »Hier oben an den Fjorden habe ich ja das Land meiner Geburt. Aber wo finde ich das Land meiner Heimat?«, fragt er 1897. Mit »Wenn wir Toten erwachen« verabschiedete sich Ibsen 1899 von der literarischen Bühne. Nach langer Krankheit starb er 1906 in Norwegen. Ganz im Sinne seines dialektischen Denkens sollen seine letzten Worte »Im Gegenteil« gewesen sein.

 

 

 

Meet the Cast: Anneke Brunekreeft und Lina Gerlitz

Sie haben beide gerade erst ihren Abschluss gemacht: Anneke Brunekreeft und Lina Gerlitz kommen frisch von der Ausbildung an der Folkwang Universität der Künste in Essen nach Heilbronn. Bei den „hoffnungslos verdorbenen Schurken“ sind sie durchgehend im Einsatz – fast von der ersten Minute an. Als „Schurkenopfer“ Marianne und Sophia, als Hotelgäste, Stubenmädchen, Jahrmarktsfiguren und und und … Singend, spielend, tanzend – und Teile der Ausstattung über die Bühne schiebend, um die atemberaubend schnellen Umbauten zu gewährleisten. „Die Arbeit war eine große Freude“, lacht die gebürtige Schweizerin Anneke Brunekreeft. Und Lina Gerlitz ergänzt: „Wir sind als ganzes Ensemble so vielseitig. Darsteller aus Schauspiel und Musical treffen aufeinander und bereichern sich gegenseitig und natürlich letztlich das Stück.“

Die nächsten (und letzten) Vorstellungen sind am 17. Juni (15 Uhr!), am 5. und am 19. Juli!

Informationen zum Stück unter: https://bit.ly/2sP06Pp