Danke, dass Ihr uns so fleißig besucht

Alle drei Monate legt Intendant Axel Vornam im Kulturausschuss Rechenschaft über die Entwicklung des Theaters Heilbronn ab. Gestern war es wieder soweit. Diesmal ging es um die ersten drei Monate 2012. Wir können nur sagen: Der Zuschauerzuspruch ist sensationell. 57 238 Besucher kamen von Januar bis März 2012 in unser Haus – 11 123 mehr als von Januar bis März 2011 (obwohl die Zahlen da auch schon gut waren). Unsere Auslastung lag in den ersten drei Monaten dieses Kalenderjahres bei 85,11 Prozent. Natürlich haben sich die Damen und Herren im Kulturausschuss sehr gefreut und nicht mit Lob über die Arbeit hier im Theater gegeizt. Wir geben die Komplimente gern an unsere Zuschauer weiter und sagen: Danke, dass Ihr uns so fleißig besucht. Dieser Zuspruch tut allen, ob auf der Bühne oder hinter den Kulissen, richtig gut. Und damit Ihr weiterhin schön neugierig bleibt: Eines unserer neuesten Stücke im Großen Haus ist „Lola“ – die Liebesgeschichte zwischen dem  korrekten Baudezernenten von Bohm (Stefan Eichberg) und der Edelprostituierten „Lola“ (Susan Ihlenfeld mit ein paar hinreißenden Gesangsnummern), die eigentlich dem korrupten Baulöwen Schuckert (Tobias D. Weber) gehört.

Und keinesfalls verpassen solltet Ihr „Verbrennungen“, ein Stück, das –  und das garantieren wir Euch – unter die Haut geht. Ein Zwillingspaar (Julia Apfelthaler und Peter Volksdorf) wird im Testament der Mutter beauftragt, sich auf die Suche nach dem Vater, von dem sie meinten, er sei längst tot, und nach dem Bruder, von dem sie noch nie etwas hörten, zu machen. Die Geschichte, die sie erleben, ist nicht nur spannend wie ein Krimi, sondern auch unglaublich berührend. Man begreift, warum es ihrer Mutter (Sabine Unger)  fünf Jahre vor ihrem Tod die Sprache verschlagen hat und sie nie wieder ein Wort über die Lippen bringen konnte.

Silke Zschäckel, Pressereferentin

Spielstätte: Großes Haus
Spielstätte: Komödienhaus
Spielstätte: Kammerspiele

 

 

 

Schüler erobern Bühne im Komödienhaus

Partnerschultage am 24. und 25. Mai – Workshops und Präsentationen eigener Stücke

Am 24. und 25. Mai 2012 gehört die Bühne des Komödienhauses 120 Schülerinnen und Schülern zwischen 12 und 19 Jahren. Diese besuchen eine der Kooperationsschulen des Heilbronner Theaters und spielen  in der Schule Theater. Das Treffen der Schülertheater bietet eine Plattform zum gegenseitigen Austausch: Wie arbeiten andere Theatergruppen? Was ist ähnlich, was anders? Die Gespräche zwischen den Teilnehmern fördern den Kontakt und bereichern die eigene Arbeit.

Mit dabei ist  die Fritz-Ulrich Schule Heilbronn mit ihrem Unterwassermusical „Krake Kurt und die Haibande“, die Helene-Lange Realschule stellt „Short Cuts“ von Dagny Reichert vor und die Christiane Herzog-Schule hat ein Stück zum Thema „Mobbing“ entwickelt. Die Dammrealschule bringt Szenen aus ihrem Stück „Aisha“ mit, die Johann-Jakob-Widmann-Schule präsentiert „Cindy Rella“ und die Gustav von Schmoller-Schule kommt mit „Nur Mut!“.

Los geht es am Donnerstag, dem 24. Mai, ab 17 Uhr mit einer theatertypischen Form des gegenseitigen Kennenlernens – mit Theaterspiel und Improvisation. Anschließend stellen die Gruppen kurz ihre Stücke vor, die sie zu den Partnerschultagen mitgebracht haben und die am nächsten Tag in 20 Minuten langen Ausschnitten gezeigt werden sollen.

Am Freitag, 25. Mai, können die Schülerinnen und Schüler von 9-11 Uhr in sechs verschiedenen Workshops in die Arbeit der Theaterprofis hineinschnuppern und ihr eigenes Repertoire um andere Theatertechniken erweitern. Schauspielerin Cosima Greeven, die auch eine Clownsausbildung hat, führt in die Geheimnisse des Clownsspiels ein. In diesem Workshop gilt es herauszufinden, wann und warum eine Spielweise zum Lachen bringen kann. Schauspieler Peter Volksdorf leitet den Workshop „Physiodrama“, der Einblicke in den Einsatz des Körpers in der Schauspielkunst gibt. Im Workshop „Biografisches Theater“ sucht Theaterpädagogin Ramona Klumbach mit den Teilnehmern nach Wegen, aus eigenen Erlebnissen Spielszenen zu entwickeln. Theaterpädagogin Verena Lany zeigt im Workshop „Objekttheater“, wie Alltagsgegenstände zum Leben erweckt werden. In die geheimnisvolle Welt des „Maskentheaters“ nimmt Theaterpädagogin Katrin Singer die Mädchen und Jungen mit. Und Nadine Lipp, Schauspielerin und Theaterpädagogin, treibt mit den Jugendlichen „Theatersport und Improvisation“. Nach den Workshops gibt es von 11.30-12.30 Uhr  eine kleine Präsentation. In der anschließenden Pause sorgen  dankenswerter Weise Bäcker. Metzger, Obst- und Gemüsebauern und  Lebensmittelhändler der Region für die Versorgung der angehenden Schauspieler. Dann geht es zum Höhepunkt des kleinen Festivals für die Partnerschulen: Ab 17 Uhr präsentieren die Schultheatergruppen ihre eigenen Stücke. Zuschauer sind bei freiem Eintritt herzlich eingeladen.

Silke Zschäckel, Pressereferentin

Theaterpädagogin Katrin Singer

Heimliche Stars auf High Heels

In unserem „Käfig voller Narren“ sind sie die halbe Show: Die „berüchtigten und gefährlichen“ Cagelles, die unser Schauspielensemble in dieser Musical-Inszenierung stimmgewaltig und akrobatisch auf High Heels verstärken. Die Sänger und Tänzer sind aus Berlin, Hamburg oder Köln nach Heilbronn gekommen, um mit Regisseur Jens Schmidl und Choreografin Andrea Heil am „Käfig“ zu arbeiten. Wer die großen Shows aus den Musical-Theatern kennt, hat manch einen von ihnen vielleicht schon einmal auf der Bühne erlebt: Hakan T. Aslan  zum Beispiel, der sich in London zum Musicaldarsteller ausbilden ließ, gehörte bereits zu den Ensembles von „Ich war noch niemals in New York“ in Hamburg und „Der Schuh des Manitu“ in Berlin.  Eric Rentmeister, als Choreograf von „White“ am Theater Heilbronn schon bekannt, spielte und sang über 400 Mal den Conférencier in der legendären „Cabaret“-Inszenierung in der Berliner Bar jeder Vernunft. Und Kevyn Haile, der bereits mit Thomas Gottschalk, Helene Fischer und der Gruppe „Monrose“ gearbeitet hat, tourte nicht nur in „Saturday Night Fever“ durch ganz Deutschland, sondern trat auch bereits in Las Vegas („Starlight Express“) und am New Yorker Broadway („Dreamgirls“) auf.
Wer Travestie-Star Zaza (alias Nils Brück) und seine Cagelles noch – oder noch einmal – erleben will, muss sich übrigens beeilen: Am 9. Juni fällt der letzte Vorhang auf den „Käfig voller Narren“.
Karten gibt es außerdem noch für den 16. März und den 1. Juni.

Andreas Frane, Dramaturg

Foto:
Die „Herren Damen“ im „Käfig voller Narren“: Von links nach rechts Kevyn Haile, Eric Rentmeister, Hakan T. Aslan, Claus Opitz, Patrick Stauf und Timo Radünz.

Vom Häuserbauen und der Pusteblume

Ein tolle Performance boten die Schülerinnen und Schüler der Lindenparkschule und der Fritz-Ulrich-Schule, die eine Woche lang mit den Profis der berühmten Candoco-Dance-Company aus London trainiert haben. Zwei Vorstellungen ihres Stücks „Vom Häuserbauen und der Pusteblume“ zeigten sie im Foyer des Komödienhauses und wurden dafür heftig bejubelt. Tim von der Fritz-Ulrich-Schule erzählte im Publikumsgespräch, dass diese eine Woche ihn sehr verändert habe. Körperbewusst und selbstbewusst hat sie diese Woche gemacht. Auch wenn der Workshop jetzt zu Ende ist, wollen die Jungen und Mädchen weitermachen. Und wer weiß, vielleicht kann das Pflänzchen, das da in die Erde gesetzt wurde, ja wachsen. Auch die Candocos haben sich vor 20 Jahren in einem Workshop kennengelernt.

Die weltberühmte Candoco-Dance-Company hat nicht nur in jeder Hinsicht eine großartige Arbeit geleistet: Als Tänzer und als Leiter zweier Workshops  für Schüler und für Lehrer. Sie hat sich auch noch in Heilbronn un in unserem Theater sehr wohl gefühlt. Aber lest selbst im Blog der Candoco-Dance-Company: International Touring and other sunny delights

Silke Zschäckel, Pressereferentin

Pressestimmen: „Plötzlich hat es Spaß gemacht“ von Leonore Welzin

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Tanz zwischen Himmel und Erde

Drückt die Daumen, dass in der Nacht von Freitag zu Samstag speziell ab 22 Uhr das Wetter gut ist. Und dann kommt zu dieser Zeit an den Brunnen vor dem Theater. Ihr werdet Zeugen eines einzigartigen Tanzerlebnisses: Die Pariser Compagnie Retouramont tanzt an der Fassade des K3-Gebäudes. Zusammen mit faszinierenden Videocollagen, die die Künstler  in den letzten Tagen hier gedreht haben, mit Musik  und mit dem akrobatischen Fassadentanz entsteht ein Kunstwerk von einzigartiger Schönheit. Das Ganze ist bei freiem Eintritt am Freitag, 11. Mai, um 22 Uhr auf dem Berliner Platz zu sehen.

Erste Probenbilder auf dem Theatervorplatz …

Silke Zschäckel, Pressereferentin

Candoco Workshop mit Schülern der Lindenpark- und der Fritz-Ulrich-Schule

Bis vor einer Woche waren sie ganz normale Schülerinnen und Schüler zwischen 13 und 15 Jahren an der Lindenpark- und an der Fritz-Ulrich-Schule in Heilbronn. Jetzt sind sie Tänzerinnen und Tänzer, die heute Abend nicht nur eine spannende Vorstellung von ihrem Tanzstück „Vom Häuserbauen und der Pusteblume“ zeigen werden, sondern die auch noch viel öffentliche Aufmerksamkeit für ihr außergewöhnliches Projekt erfahren. Ein Kamerateam des SWR filmte und interviewte die Mädchen und Jungen, eine Rundfunkreporterin erstellte eine Radio-Reportage und in verschiedenen Zeitungen und Online-Tanzportalen wird über das Projekt berichtet. Die Workshop-Leitung hat ein Team der berühmten Londoner Candoco-Dance-Company  inne. Sechs Tage lang wurde täglich sechs Stunden lang geprobt. Ein Credo der Company, in der behinderte und nichtbehinderte Tänzer seit 20 Jahren zusammenarbeiten: Jeder Mensch ist einzigartig und das Besondere gilt es zu entdecken. Das scheint auch innerhalb dieser Woche mit den Schülern gelungen zu sein. Diese haben es nicht nur gelernt, bewusst mit ihrem Körper umzugehen, Emotionen und Situationen tänzerisch auszudrücken, sondern sie sind sich auch darüber klar geworden, dass sie selbst ganz außergewöhnliche junge Menschen sind. Mit Herzklopfen blicken sie ihrer heutigen Vorstellung vor rund 300 Zuschauern entgegen – um 19 Uhr und 20 Uhr im Komödienhausfoyer. Sie sind quasi die Vorgruppe der Candoco-Company, die um 19.30 Uhr  im Komödienhaus ihr StückTurning 20“ zur Deutschen Erstaufführung bringt. Doch egal, wie die Vorstellung heute für die Jugendlichen läuft, das Selbstbewusstsein, das sie in der einen Woche erworben haben, kann ihnen keiner mehr nehmen.

Die weltberühmte Candoco-Dance-Company hat nicht nur in jeder Hinsicht eine großartige Arbeit geleistet: Als Tänzer und als Leiter zweier Workshops  für Schüler und für Lehrer. Sie hat sich auch noch in Heilbronn un in unserem Theater sehr wohl gefühlt. Aber lest selbst im Blog der Candoco-Dance-Company: International Touring and other sunny delights

Silke Zschäckel, Pressereferentin

Druckfrisch: Vorschaubuch 2012/13 ist da!

Hurra, unser Spielzeitbuch für 2012/13 ist  da. Reimt sich! Liegt vielleicht daran, dass gestern Abend die erste Probe vom „Sommernachtstraum“, in dem die Liebesverwirrungen vor allem in heiteren Versen verhandelt werden? Doch vor Probenbeginn hatten wir die große Freude, eine Riesenlieferung mit unseren druckfrischen Jahresvorschauheften in Empfang zu nehmen. 360 Seiten pralle Informationen und Fotos über alles, was Euch in der nächsten Saison erwartet. Alle Stücke kurz beschrieben und mit weiterführenden Infos versehen, dazu gibt es Fotos von unseren Schauspielern hinter den Kulissen, viele Vorstellungstermine und  die ganze Vielfalt unserer Abonnements – Ihr findet einfach alles, was man über die neue Saison wissen muss. Die Bücher sind kostenlos abzuholen im Besucherservice des Theaters. Wir sind gespannt, wie sie Euch gefallen.

Silke Zschäckel, Pressereferentin

Roter Samt und Sternenhimmel

Wohl jeder Mitarbeiter des Theaters wurde in seinem Berufsleben schon einmal gefragt: »Und was machen Sie vormittags?« Viele Menschen haben im Kopf, dass an den Abenden die Vorstellungen im Theater laufen, und können sich nicht vorstellen, dass dort fast rund um die Uhr und natürlich auch vormittags gearbeitet wird. Zum Beispiel in der Dekoabteilung

Sandra Horvath und Reiner Hennrich arbeiten am Mobiliar für »Lola«.

Roter Samt und goldene Borte – das Bett von »Lola« für das gleichnamige Schauspiel nach Fassbinder braucht einen altmodisch-plüschigen und etwas anrüchigen Charakter. Schließlich ist Lola Nachtclubsängerin in einem Edelbordell. Für das richtige Interieur einer Inszenierung sorgt die von allen schlicht als »Deko« bezeichnete Abteilung. Die Werkstatt wirkt trotz ihrer Größe sehr gemütlich – schließlich ist der Sinn für Atmosphäre in Räumen eine der wichtigsten Eigenschaften, die man in diesem Beruf mitbringen muss. In der Mitte steht ein riesiger Arbeitstisch, an dem alle sechs Kollegen gleichzeitig tätig sein können. An den Wänden hängen bunte Teppiche, die für schon abgespielte Inszenierungen angefertigt wurden. In Regalen lagern farbige Stoffballen, PVC-Rollen, Stahlfedern für Sitzmöbel, robuste Scheren oder Seile und Kordeln aller Art. An der Fensterseite stehen 6 Nähmaschinen – eine, so laut wie ein LKW, ist für schwere Vorhangstoffe gedacht und kapituliert auch nicht vor Plastikbahnen. Viele Näh-Arbeiten werden aber noch mit der Nadel in der Hand verrichtet. So wie jetzt eben das Nähen der goldenen Kordel um das rote Samtbett. Sandra Horvath liebt diese Tätigkeit, die sie sehr akribisch verrichtet. »Nur weil das Möbelstück meterweit vom Auge des Betrachters entfernt steht, darf man sich trotzdem nicht um einen halben Zentimeter vertun. Man sieht es, wenn es nicht stimmt«, versichert sie. Mit dem gleichen roten Samt bezieht ihr Kollege Reiner Hennrich einen alten Sessel, der die Einrichtung von »Lola« komplettieren wird. Dafür wurde ein altes, ziemlich abgewirtschaftetes Möbelstück aus dem Fundus geholt, die Federn neu gespannt, frisch gepolstert und schließlich bezogen. Reiner Hennrich ist seit zwanzig Jahren am Theater Heilbronn. Früher hat er Autositze in teure Limousinen eingebaut. Als das Theater eine Stelle als Dekorateur ausschrieb, hat er sich beworben, um den zugegebenermaßen sehr gut bezahlten Job in der Autoindustrie mit der sehr abwechslungsreichen Arbeit im Theater einzutauschen.

Ohne gute Scheren geht gar Nichts bei Chefin Angelika Wagner.

Ähnlich kam Angelika Wagner, die seit zwei Jahren die Abteilung leitet, ans Theater. Sie ist gelernte Raumausstatterin. Ihr Markenzeichen ist eine große Schere, die sie immer in der Hosentasche trägt und Stecknadeln am Pullover. »Nähen, polstern, tapezieren, Fußböden verlegen – das sind unsere Arbeiten, wie bei einem Raumausstatter auch«, beschreibt sie. Allerdings sind die Dimensionen viel größer und die Deko-Artikel alles andere als gewöhnlich. Wann braucht man in einer Wohnung schon mal einen riesigen Vorhang aus Goldlaméstreifen wie bei »Ladies Night«? Die Blasen an den Händen vom Zuschneiden sind mittlerweile verheilt. Oder wer benutzt Toilettenpapier von einem Meter Breite – wie es in »Hase Hase« gebraucht wurde? Wer weiß, wie man handgemalte Tapeten verklebt, wie es bei »Arsen und Spitzenhäubchen« erforderlich war? Eine der spannendsten Herausforderungen waren die Stalaktiten aus Stoffballen, die in der Inszenierung »Die Irre von Chaillot« von der Decke hingen und für die Tonnen von Stoffresten verarbeitet wurden. Für diese Stoffinstallationen gab es in so mancher Vorstellung Szenenapplaus – diese unmittelbare Reaktion auf ihre Arbeit erfahren die Dekorateure nur selten. Ihren persönlichen Beifall erhalten sie zumeist am Tag der technischen Einrichtung vom Bühnenbildner rund zehn Tage vor der Premiere. »Das sind quasi unsere Auftraggeber«, erklärt Angelika Wagner. Das Bühnenbildmodell, technische Zeichnungen und schriftliche Erläuterungen sind ihre Arbeitsgrundlage. Diese sind für jede Inszenierung auf einem gelben Blatt festgehalten, das an der Eingangstür zur Deko klebt. WAS sie bauen und einrichten sollen, geht daraus hervor. WIE sie es tun, ist ihrer Kreativität, ihrer Stilsicherheit und ihrem handwerklichen Geschick überlassen. »Wir entwickeln Proben und sprechen die Materialien mit dem Bühnenbildner ab. Anschließend wird in Großformat gearbeitet«, erklärt die Abteilungsleiterin. Für »Lola« zum Beispiel lautete die Anforderung: Gebraucht wird ein wunderschöner Sternenhimmel. Der entsteht aus pechschwarzem Samt: 15 Meter breit, 10 Meter hoch, in den viele kleine Löcher gestanzt werden. Mit Hilfe einer kunstvollen Beleuchtung von hinten erhält man auf diese Weise die perfekte Illusion einer sternenklaren Nacht.

Silke Zschäckel, Pressereferentin

Interview mit der Tänzerin Nefeli Skarmea

Interview mit der Tänzerin Nefeli Skarmea

Die Griechin Nefeli Skarmea ist eine gefragte Tänzerin, die schon mit zahlreichen Choreografen gearbeitet hat. 2012 nimmt sie bereits zum dritten Mal am Heilbronner Tanzfestival teil, das ist Zufall – aber nicht nur. 2009 trat sie in „meinland“ von Philip Bergmann auf. 2011 tanzte sie ein wunderbares Duett mit dem Taiwanesen Shang-Chi Sun und erzählte nach der Aufführung von einem ungewöhnlichen Projekt, das gerade entstanden war: „Sideways rain“ des in Genf lebenden Brasilianers Guilherme Botelho. Aufgrund ihrer Empfehlung habe ich mir „Sideways rain“ angesehen und war sofort überzeugt von diesem Stück, das nun das Heilbronner Festival am 09. Mai im Großen Haus eröffnen wird.

 

Karin Kirchhoff (Kuratorin Tanz! Heilbronn): Nefeli Skarmea, Sie leben in Berlin, wie kam es dazu, dass der in Genf arbeitende Guilherme Botelho Sie engagiert hat?

Nefeli Skarmea.: Cie. Alias hat ein Vortanzen im Tanzhaus NRW in Düsseldorf angekündigt, und ich hatte in der Zeit nach neuen Engagements gesucht. Das ist schon vor ungefähr 4 Jahren. Eigentlich hat Guilherme nach Tänzern für eine frühere Produktion gesucht. Es war ein sehr langer Tag, ich hab’s auch bis zum Ende geschafft, aber er hat mich trotzdem nicht für das Stück engagiert… Diese Kostprobe seiner Arbeit habe ich aber sehr genossen und geschätzt und anderthalb Jahre später, als ich in Lausanne für eine andere Kompanie vortanzen war, habe ich beim Alias Studio in Genf „vorbeigeschaut“ und mit der Gruppe trainiert. Durch diesen neuen Kontakt hat mir dann Gui angeboten bei Sideways Rain mitzumachen.

 

K.K.: Das Stück war international schon viel unterwegs. In welcher Stadt oder welchem Land sind Sie besonders gerne gewesen?

 N.S.: Natürlich freut man sich, in südlichen Ländern bzw. wärmeren Orten Gastspiele zu haben. Zagreb und Porto, Tel Aviv und Sao Paolo haben das Team besonders glücklich gemacht! Letztes Jahr am Ende des Sommers haben wir in Zürich getanzt, in einem Theater dessen Backstage-Bereich direkt am Züricher See liegt. Das Wetter war in der Zeit ganz wundervoll, und jeden Tag nach der Verbeugung sind wir alle nackt ins Wasser gesprungen; das war immer nach der ganzen Erschöpfung, der Anstrengung vom Stück, ein absolut fantastisches Gefühl…!
Ich freue mich auch immer, wenn Gui über das Stück spricht. Er hat eine sehr einfache aber poetische Art, über die Konzeption des Stücks zu erzählen; wie er von seiner eigenen Aktivität des Laufens inspiriert wurde, wie sich alles vorwärts bewegt wie ein Fluss auf der Bühne, wie es nicht über Beziehungen zwischen Menschen handelt sondern über das Individuum innerhalb seines Lebensflusses.

 

K.K.: Ihr seid mit 17 Leuten auf Tour. Weil die Gruppe so groß ist, müssen sich die Tänzer Doppelzimmer teilen, um Kosten zu sparen. Geht man sich da manchmal auf die Nerven?

 N.S.: Wir sind sehr unterschiedlichen Alters, von 20 bis 38 Jahren ungefähr, trotzdem verstehen wir uns extrem gut und hatten nie wirklich Probleme. Niemand will das Zimmer mit Fabio teilen, weil er anscheinend schnarcht, deswegen teile ich es mit ihm, da ich so tief schlafe.

 

K.K.: Gibt es etwas, worauf Sie sich in Heilbronn freuen, oder woran Sie sich vom letzten Aufenthalt noch gut erinnern?

N.S.: Vom Tanz! Heilbronn Festival habe ich mich immer sehr willkommen gefühlt. Wir freuen uns natürlich auf ein enthusiastisches Publikum, was ich bis jetzt in Heilbronn jedes Mal so erlebt habe.

 

 

Nefeli Skarmea ist auf dem Bild ganz links zu sehen. Foto: Cie. Alias/Guilherme Botelho (Genf)

Macht und Moral, Gefühle und Geschäfte

Alejandro Quintana inszeniert im Großen Haus Fassbinders »Lola«

Wenn eine Hand die andere Wäscht, wird alles zum Geschäft—auch die Liebe. – Foto: Rebecca Göttert

Ich bin die fesche Lola, stellt sich Marlene Dietrich singend als der »Blaue Engel« in dem gleichnamigen Film von Josef von Sternberg vor, einer Adaption von Heinrich Manns Roman »Professor Unrat«. »Lola« heißt – nicht zufällig –  der inzwischen als Klassiker gehandelte Film des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1981. Nach dem überwältigenden Erfolg von »Die Ehe der Maria Braun« gab Fassbinder seinem Drehbuchautor Peter Märthesheimer den Auftrag, ihm einen »Blauen Engel« zu schreiben und ihn in die Adenauer-Ära der 50er Jahre zu versetzen. Den Dietrich-Film allerdings dürfe er sich bis zur Ablieferung des Textes auf keinen Fall noch einmal anschauen.

Der erste Versuch fand keine Gnade vor den kritischen Augen Fassbinders. Also machten sich Märthesheimer und seine Koautorin Pea Fröhlich noch einmal an die Arbeit und erfanden – in sechs kurzen Wochen – »Lola«: Eine böse Dreiecksgeschichte aus der Wirtschaftswunderzeit. Mit Misstrauen und Vorsicht reagieren die Honoratioren einer Kleinstadt auf den neuen Baudezernenten, Herrn von Bohm, der mit seiner Korrektheit das einträgliche Arrangement zwischen Politik und Wirtschaft zu stören droht.

Doch dann interessiert sich die faszinierende und provozierende Lola für ihn, die Geliebte des Baulöwen Schuckert und die Hauptattraktion des lokalen Bordells, in dem die eigentlichen Geschäfte dieser feinen Gesellschaft gemacht werden. Von Bohm verliebt sich in Lola. Noch weiß er nicht, wer oder was sie ist. Doch eine Lunte ist gelegt. Wird das durch und durch korrupte System von »Eine-Hand-wäscht-die-andere«, von dem die Machteliten der Stadt kräftig profitieren, jetzt explodieren?

Aus seinem Drehbuch schuf Märthesheimer 1998 eine Bühnenfassung, ein ironisch als »Kleinbürgertragödie« untertiteltes Schauspiel um Macht und Moral, Gefühle und Geschäfte. Wie Fassbinder ist er nicht an einem historischen Sittengemälde interessiert, sondern an den Parallelen zwischen der politischen und wirtschaftlichen Amoralität des Wiederaufbaus und seiner und unserer Gegenwart. Nach »Angst essen Seele auf« bringt das Theater Heilbronn zum zweiten Mal einen Fassbinder-Film auf die Bühne. Regisseur Alejandro Quintana wird »Lola« mit Chansons und Schlagern aus der Wirtschaftswunderzeit inszenieren.

Andreas Frane, Dramaturg

Regie: Alejandro Quintana
Ausstattung: Marie-Luise Strandt
Mit:
Johannes Bahr
Sylvia Bretschneider
Stefan Eichberg
Angelika Hart
Susan Ihlenfeld
Gabriel Kemmether
Nicolas Kemmer
Rolf-Rudolf Lütgens
Tobias D. Weber
Statisterie